Umfrage zeigt: Stimmung kippt

Vor Corona-Gipfel: Schritte aus dem Lockdown werden konkreter - Spahn prescht bei Lockerungen vor

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Den ganzen Winter noch im harten Corona-Lockdown? Dieser Befürchtung erteilte zumindest Gesundheitsminister Spahn jetzt eine Absage.

  • Am 10. Februar besprechen Kanzlerin Angela Merkel und die Länder-Chefs erneut die Corona-Lage.
  • Gesundheitsminister* Jens Spahn äußerte sich zurückhaltend hinsichtlich Lockerungen ab Mitte Februar.
  • Eine Langzeit-Umfrage gibt Aufschluss über die Gefühlslage in der Bevölkerung.

Berlin - So richtig lässt sich noch nicht absehen, was am 10. Februar beim nächsten Corona-Gipfel passiert. Denn die Beschlüsse der Schaltkonferenz werden abhängig gemacht von den Corona-Mutationen: Wie weit sind die neuen Varianten in Deutschland verbreitet? Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zur Ansteckung?

Die Behörden arbeiten dazu aktuell unter Hochdruck an einem Überblick. Anfang kommender Woche soll es eine offizielle Übersicht über die tatsächliche Ausbreitung dieser Mutationen* geben, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin bekräftigte. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte, die entsprechenden Virus-Analysen würden derzeit deutlich ausgeweitet und das Robert Koch-Institut wolle die Daten in Kürze veröffentlichen.

Corona-Lockdown in Deutschland: Öffnungsperspektiven hängen von Ausbreitung der Mutationen ab

Laut Experten könnten die Varianten bereits weiter verbreitet sein als bisher bekannt. Je früher Lockerungen beschlossen werden, desto schneller könne daher eine Ausbreitung drohen. Dieser Gedanken schwimmt bei den Bund-Länder-Beratungen immer mit.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)* will aber dennoch keinen Lockdown über den gesamten Winter. „Man muss regional unterschiedlich agieren und reagieren können. Wir können nicht den ganzen Winter in diesem harten Lockdown bleiben“, sagte er in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das würden wir nicht gut aushalten als Gesellschaft. Deswegen müssen wir – unter den erschwerten Bedingungen der Mutation – die neuen Alltagsregeln klären.“ Er erwähnt explizit die Stufenpläne, die mehrere Bundesländer, Politiker und andere Gruppen zuletzt präsentierten. Dieser halte Spahn für „klug“.

Gesundheitsminister Jens Spahn: „Wir brauchen einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in einen neuen Normalzustand.“

Corona-Lockdown: Gesundheitsminister Spahn zu aktuellen Corona-Zahlen - „ermutigend“

Da manche Landkreise mittlerweile einen Inzidenzwert von 50 unterschreiten, mehren sich die Öffnungsrufe. Doch Spahn machte deutlich: „Im Zweifel müssen wir sogar noch weiter runter mit den Zahlen.“ Immerhin seien die Zahlen „ermutigend“, der Trend der Corona-Neuinfektionen zeigt spürbar nach unten.

„Wir brauchen einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in einen neuen Normalzustand.“ Aus Spahns Sicht seien zuerst Kitas und Schulen dran. „Und danach wird nach und nach auch in anderen Bereichen gelockert.“ Auch Christian Lindner, FDP-Chef, sprach sich gegenüber dem Münchner Merkur für regional abgestufte Lockerungspläne aus: „Ich glaube nicht daran, dass wir das ganze Land gleichzeitig wieder hochfahren können, aber regional abgestuft geht das.“

Die Stimmung der Bundesbürger in der Corona-Pandemie droht derweil aber zu krippen. Die Langzeit-Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ zeigt, dass rund die Hälfte der Befragten die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sieht (54 Prozent). Das ist bisher der höchste Wert in der Pandemie. Im Sommer urteilten 40 Prozent der Interviewten so, im ersten Lockdown im April 2020 waren es 46 Prozent, wie es in der Studie heißt. Die Umfrage wird seit fast 30 Jahren regelmäßig von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. (cibo/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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