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131 katholische Geistliche haben in scharfer Form gegen eine Entscheidung von Papst Benedikt XVI. protestiert.

Spanien: Aufstand gegen Papst Benedikt

Madrid - Ein solcher Aufstand ist in der spanischen Kirchengeschichte ohne Beispiel: 131 katholische Geistliche haben in scharfer Form gegen eine Entscheidung von Papst Benedikt XVI. protestiert.

Ihre Rebellion richtet sich gegen die Nominierung des neuen Bischofs für die baskische Küstenmetropole San Sebastián. “Die Ernennung bedeutet eine klare Herabwürdigung des kirchlichen Lebens in unserer Diözese“, protestierten die Geistlichen in einem Manifest. 77 Prozent der Gemeindepfarrer der Diözese unterzeichneten das Papier. Der Papst hatte mit José Ignacio Munilla einen Anhänger einer ultrakonservativen Kirchenlehre zum neuen Bischof von San Sebastián ernannt.

Der 48-jährige Munilla, bisher Bischof der nordspanischen Stadt Palencia, ist ein scharfer Gegner der - von der spanischen Regierung geplanten - Lockerung der Abtreibungsgesetze. Er bezichtigte die Parlamentarier, die die Reform verabschieden wollen, der “Beihilfe zum Mord“. Der baskische Politiker Joseba Egibar sagte über den Kirchenmann: “Rechts von ihm ist für nichts mehr Platz.“ Die rebellierenden Geistlichen hielten dem Vatikan vor: “Er (Munilla) ist in keiner Weise die geeignete Person, die das Amt des Bischofs und Hirten unserer Diözese ausüben könnte.“ Der Protest ist allenfalls vergleichbar mit dem Unmut, der sich 1967 unter den Geistlichen in der Region Katalonien ausbreitete, als Papst Paul VI. Marcelo González Martín zum Erzbischof von Barcelona ernannte. “Don Marcelo“ wurde später dadurch bekannt, dass er 1975 nach dem Tod von Francisco Franco den Trauergottesdienst für den Diktator hielt. Die katalanischen Geistlichen waren damals gegen González Martín, weil dieser nicht aus ihrer Region stammte.

Bei der jetzigen Priester-Rebellion im Baskenland hat der Protest andere Gründe. Munilla, dereinst ein Schützling von González Martín, ist selbst Baske und beherrscht die baskische Sprache. Dass er in seiner Heimat auf Ablehnung stößt, hat vor allem damit zu tun, dass dort viele Geistliche mit den baskischen Nationalisten sympathisieren. Der neue Bischof dagegen ist ein Gegner von Sezessions-Bestrebungen. Man geht in Spanien davon aus, dass der Papst den neuen Bischof von San Sebastián aufgrund einer Empfehlung des konservativen spanischen Kardinals Antonio María Rouco Varela ernannt hat. Der Erzbischof von Madrid und Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz will die Kirche im Baskenland allem Anschein nach mehr auf Distanz zum Nationalismus bringen.

Den baskischen Geistlichen war in der Vergangenheit vor allem von konservativen Madrider Kreisen vorgeworfen worden, sich als Seelsorger um die Angehörigen von ETA-Terroristen in gleicher Weise zu kümmern wie um die der Opfer. Die konservative und rechtsliberale Presse zeigt wenig Verständnis für den Protest der Priester. “Wenn die Geistlichen den Terror der ETA in der Vergangenheit mit der gleichen Schärfe verurteilt hätten, mit der sie jetzt Munilla kritisieren, könnten sie für ihre Aktion jetzt eine moralische Autorität beanspruchen“, meint die Madrider Zeitung “ABC“. Das Konkurrenzblatt “El Mundo“ ergänzte: “Ein Teil der baskischen Kirche hat mehr Sympathien für die Mörder (der ETA) gezeigt als für deren Opfer. Auf die Sünde folgt nun die Buße.“

dpa

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