+
Der Vorsitzenden des nationalistischen Kulturvereins Omnium Cultural, Jordi Cuixart (l), und der Chef der separatistischen Organisation ANC, Jordi Sànchez, kommen zum Gericht. Foto: Francisco Seco

Kampf um Unabhängigkeit

Katalanische Aktivisten verhaftet - Aufruf zu Protesten

Die Justiz in Madrid wirft zwei führenden Vertretern der Unabhängigkeitsbewegung "aufrührerisches Verhalten" vor. Die katalanische Regierung spricht von einem "Angriff auf die Grundrechte".

Barcelona/Madrid (dpa) - Mit der Inhaftierung zweier prominenter Aktivisten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung haben sich die Spannungen zwischen der Zentralregierung in Madrid und den Seperatisten in Barcelona weiter verschärft.

Der Sprecher der Regionalregierung Kataloniens, Jordi Turull, sprach am Dienstag im Sender "Catalunya Ràdio" von einem "Angriff auf die Grundrechte" und bat die Europäische Union um Intervention.

Die Madrider Richterin Carmen Lamela hatte am späten Montagabend die Inhaftierung von Jordi Sánchez und Jordi Cuixart angeordnet. Den Vorsitzenden der Katalanischen Nationalversammlung (ANC) und der Organisation Omnium Cultural wird "aufrührerisches Verhalten" vorgeworfen. Ermittlungen laufen auch gegen den katalanischen Polizeichef Josep Lluís Trapero, der aber auf freiem Fuß blieb.

Bei einer Demonstration am 20. September sollen Sánchez und Cuixart Teilnehmer dazu ermutigt haben, Angehörige der spanischen Polizeieinheit Guardia Civil einzukesseln. Dabei seien Polizeifahrzeuge beschädigt worden, erklärte der nationale Staatsgerichtshof (Audiencia Nacional). Sánchez und Cuixart seien die "Hauptunterstützer und Anführer" der Proteste vom 20. und 21. September" gewesen. Die ANC rief für diesen Dienstagabend und Mittwoch zu Protesten gegen die Verhaftungen auf.

Bei den Protesten im September gingen mehr als 40.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Festnahme von elf katalnischen Beamten zu protestieren, die an der Organisation des Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober mitwirkten. Die Volksabstimmung war zuvor für illegal erklärt worden.

Der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Madrid und der nach Unabhängigkeit strebende Region Katalonien hatte sich am Montag weiter zugespitzt. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont antwortete nur ausweichend auf die ultimativ gestellte Frage, ob er in der vergangenen Woche nun die Unabhängigkeit erklärt hat oder nicht. Daraufhin gab der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy Puigdemont bis Donnerstag um 10.00 Uhr Zeit, die Bestrebungen für einen eigenen Staat zu stoppen und zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückzukehren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Herrmann fordert Grenzkontrollen im ganzen Bundesgebiet - Grüne kontern
Pünktlich vor dem CSU-Parteitag fordert Joachim Herrmann mehr Grenzkontrollen in Deutschland. Das Gros der Asylsuchende reise nicht über Österreich ein, sagt er.
Herrmann fordert Grenzkontrollen im ganzen Bundesgebiet - Grüne kontern
Russischer Ex-Minister zu acht Jahren Lager verurteilt
Erstmals seit Sowjetzeiten stand in Moskau ein Minister vor Gericht. Das Urteil: Acht Jahre für Alexej Uljukajew wegen Bestechlichkeit. Doch Zweifel bleiben, und die …
Russischer Ex-Minister zu acht Jahren Lager verurteilt
Seehofer sieht CSU dank Doppelspitze wieder im Aufwärtstrend
Seit dem 24. September gab es für die erfolgsverwöhnte CSU in Umfragen nur noch eine Richtung: nach unten. Kurz vor dem Jahresende und pünktlich zum Parteitag scheint …
Seehofer sieht CSU dank Doppelspitze wieder im Aufwärtstrend
CSU-Parteitag: Einer steckt überraschend zurück - Kampfkandidaturen abgesagt
Wenn die CSU zum Parteitag lädt, ist Spektakel garantiert. 2017 stehen GroKo-Weichenstellungen, Kämpfe um Posten und Seehofers Wiederwahl auf dem Plan. Alle Infos im …
CSU-Parteitag: Einer steckt überraschend zurück - Kampfkandidaturen abgesagt

Kommentare