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SPD-Politikerin Andrea Nahles im Kloster Maria Laach

Benediktinerabtei Maria Laach

Andrea Nahles tritt nach und wettert gegen die Machtzirkel der SPD

Andrea Nahles ist gut zwei Monate nach ihrem Rückzug aus der SPD-Spitze wieder öffentlich aufgetreten. Nur zögerlich sprach sie über ihre Partei. 

Update vom 13. August:  Andrea Nahles wollte eigentlich nicht über die SPD reden. Aber so ganz ließ es sich doch nicht vermeiden. Anfang Juni hatte sie sich mit einem „Machen Sie's gut“ in Berlin aus dem Amt der SPD-Vorsitzenden und auch aus dem Scheinwerferlicht des Politikbetriebes verabschiedet - nun tauchte sie in der Benediktinerabtei Maria Laach in Glees wieder auf. Ein Heimspiel in beschützender Umgebung sozusagen: Die Abtei liegt nur etwa 15 Kilometer von ihrem Wohnort im Eifeldorf Weiler entfernt.

Andrea Nahles ist weiter Mitglied des Bundestages

„Klar fühle ich mich wohl hier in Maria Laach“, sagte Nahles nach eineinhalb Stunden im mächtigen Kloster, das eine fast 1000-jährige Geschichte hat. Hinter den hohen Mauern war 1933 Konrad Adenauer ein Jahr lang vor den Nazis untergetaucht. Und Andrea Nahles hat hier in früheren Jahren auch schon oft gebetet. Sie ist Mitglied im Verein der Freunde des Klosters, kennt viele Menschen in der Abtei. Aus der Klosterwerkstatt von Maria Laach hatte die bekennende Katholikin ein Kreuz für ihr Büro mitgenommen, als sie aus der heimatlichen Eifel nach Berlin zog, um dort in der Bundespolitik mitzumischen.

Erst gegen Ende der Veranstaltung, nachdem viel über Gleichberechtigung geredet worden war, wird sie gefragt, ob sie für dieses Ziel denn künftig auch im Bundestag kämpfen werde. Noch ist die einstige SPD-Vorsitzende Bundestagsabgeordnete. Und bisher hat sie sich mit klaren Aussagen darüber zurückgehalten, ob und wann sie ihr Mandat aufgeben will.

Zunächst zog sie sich auf die Formel „Die Frage wird sich zügig, zeitig und in absehbarer Zeit beantworten“ zurück. Um dann doch noch hinzuzufügen: „Man muss auch manchmal wissen, wenn man etwas Neues anfangen muss.“ Ende der Durchsage. Später antwortete sie auf die Frage, ob ihr nach dem Rücktritt vom SPD-Chefposten etwas fehle, kurz: „Nein.“

Andrea Nahles erzählt: „Als ich noch an der Spitze war ...“ 

Aber natürlich konnte Nahles über die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht reden, ohne auch über eigene Erfahrungen zu sprechen. Und damit auch über die SPD. „Ich bin in die Vorstände und Präsidien gekommen, aber die Macht war ein flüchtiges Reh“, erinnerte sie sich an die eigene Karriere. Die Frau, die der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine ein „Gottesgeschenk an die SPD“ genannt hatte, sagte über den Grund für mangelnde Macht von Frauen in wichtigen Gremien: „Die Jungs haben sich vor und nach dem Präsidium getroffen.“

Und dann fügt sie vor rund 300 Zuhörern über ihre Zeit als SPD-Vorsitzende noch hinzu: „Als ich dann an der Spitze war, da gab es nicht so viele Zirkel, wo ich nicht dabei war. Aber doch zu viel.“

Jetzt erwägt Andra Nahles Rückzug aus dem Bundestag

News vom 10. August: Die frühere SPD-Chefin Andrea Nahles erwägt, im September ihr Bundestagsmandat niederzulegen. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Parteikreisen bestätigt.

Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) darüber berichtet. Die Nachfolge sei bislang ungeklärt, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Parteikreise. 

Im Normalfall rückt demnach der Nächstplatzierte auf der SPD-Landesliste in den Bundestag nach. Das wäre bei Nahles der ehemalige Finanzminister von Rheinland-Pfalz, Carsten Kühl. Dieser hatte aber bereits schriftlich seinen Verzicht erklärt. Kandidatin Nummer zwei fällt demnach ebenfalls aus: Isabel Mackensen sitzt seit Juli schon im Bundestag, als Nachrückerin für Katarina Barley, nachdem die ehemalige Justizministerin ins Europaparlament gewechselt ist.

Joe Weingarten wiederum, Kandidat Nummer drei auf der Nachrückerliste, gilt parteiintern als umstritten. Zwischen dem derzeitigen Abteilungsleiter im FDP-geführten Wirtschaftsministerium in Mainz und SPD-Funktionären vor Ort gibt es dem Bericht zufolge erhebliche Differenzen.

Nahles war Anfang Juni als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurückgetreten. Die Partei wird seither kommissarisch von den stellvertretenden Vorsitzenden Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel geführt. Interims-Fraktionsvorsitzender ist der Außenexperte Rolf Mützenich, der das Spitzenamt im September dauerhaft übernehmen will.

Im Rennen um die Nachfolge von Nahles als Parteichefin gibt es derzeit mehrere Bewerber, darunter sind aber bisher keine SPD-Schwergewichte aus den Reihen der Minister oder Ministerpräsidenten. In der Fraktion ist Mützenich bisher der einzige Kandidat.

dpa

Auch Interessant: Sommerinterview: „Respektlos“ - Schwesig reagiert heftig auf Frage zu SPD-Chef-Casting

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