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Die SPD-Abgeordnete Birgit Kömpel beschwerte sich in einer Mail über die Fuldaer Zeitung - und schickte diese versehentlich direkt an die Redaktion.

E-Mail geht an Redaktion

Medien-Schelte: SPD-Politikerin blamiert sich

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Fulda - In einer Mail schimpft die SPD-Bundestagsabgeordnete Birgit Kömpel über die Fuldaer Zeitung. Die Nachricht erreichte aber nicht ihren Mitarbeiter - sondern die Redaktion.

Eine Bundesabgeordnete verfasst eine Kolumne für eine Lokalzeitung. Darin enthalten: Jede Menge Lob für die eigene Partei. Die Zeitung weigert sich, den PR-Text abzudrucken. Das ärgert die Politikerin, sie lästert in einer E-Mail an einen ihrer Mitarbeiter über das Blatt. Soweit, so alltäglich. Wenn der gekränkten Abgeordneten da nicht ein peinliches Malheur passiert wäre: Statt an ihren Parteigenossen geht die Nachricht an die Zeitung raus. Und die nimmt die Steilvorlage dankend an.

Fuldaer Zeitung weigert sich, Kolumne abzudrucken

Genau dieser Fall sorgt seit Mittwoch in Fulda für Spott und Häme. Die SPD-Bundestagsabgeordnete: Birgit Kömpel. Das Lokalblatt: Die Fuldaer Zeitung. Der Streitpunkt: Die nicht veröffentlichte Kolumne der Politikerin zu 100 Tagen große Koalition. Auf ihrer Internetseite erklärt die Zeitung die Hintergründe der nicht erfolgten Publikation: "Frau Kömpel schrieb vergangene Woche ohne jede Absprache und ohne sich an Vorgaben zu halten. Sie schrieb einen Lobgesang auf die Arbeit der SPD in 100 Tagen großer Koalition."

Das sei aber nicht im Sinne der Kolumne, in der man Abgeordneten die Möglichkeit geben wolle, sich zu abgesprochenen Themen zu äußern - jenseits von Parteipolitik. Bereits zwei Mal habe man deshalb eine derartige Kolumne abgelehnt.

Wütende E-Mail Kömpels geht an die Redaktion

Kömpel wollte die Reaktion der Zeitung aber offensichtlich nicht verstehen. Wütend schrieb sie eine E-Mail an einen ihrer Mitarbeiter. Mit folgendem Inhalt: "Wahrscheinlich finden die sich jetzt richtig toll... Das ist schon frech, was die sich so leisten. Wir müssen mal wirklich eine Strategie ausarbeiten, wie wir denen einen Strich durch die Rechnung machen können."

Als sie auf "Senden" klickte, wurde der verärgerten Politikerin vermutlich schnell klar, dass ihr ein folgenschwerer Fehler unterlaufen war. Statt im Postfach ihres Mitarbeiters landete die Nachricht direkt auf dem Bildschirm des Redakteurs der Fuldaer Zeitung. Diese veröffentlichte den gehässigen Text bereitwillig auf ihrem Internet-Auftritt.

Zeitung verärgert über Kömpels Medienverständnis

Die Begründung im Wortlaut: "Frau Kömpel soll(te) in Berlin Interessensverwalterin der Bürgerinnen und Bürger ihres Wahlkreises sein. Sie aber überlegt, wie sie einer unabhängigen Tageszeitung und damit auch einem Unternehmen ihres Wahlkreises Schaden zufügen kann – weil eine Redaktion nicht das tut, was sie möchte. Die Mail der SPD-Bundestagsabgeordneten Birgit Kömpel offenbart uns ihr Medien- und Demokratieverständnis. Deshalb möchten wir sie transparent machen."

Kömpel verteidigt sich

Die Abgeordnete hat mittlerweile reagiert. Auf ihrer Homepage kontert sie mit der Veröffentlichung ihrer ursprünglichen Kolumne. Nicht ohne das Verhalten der Zeitung zu kritisieren: "In der Tat habe ich mit dem Versenden der Mail einen Fehler gemacht", räumt Kömpel zuerst ein. "Doch ich habe meinen Fehler umgehend bemerkt und den zuständigen Redakteur kontaktiert. Im Telefongespräch habe ich ihn ausdrücklich darum gebeten, die Mail als gegenstandslos zu betrachten und zu löschen. Dies wurde leider nicht getan."

Politikerin will Gespräch mit der Redaktion

Immerhin kündigt die Politikerin an, in den kommenden Wochen das Gespräch mit der Redaktion zu suchen, "um das Verhältnis wieder auf eine vernünftige Arbeitsebene zu bringen." Ein fader Beigeschmack wird trotzdem bleiben. Und Frau Kömpel wird künftig wohl doch lieber auf das Telefon zurückgreifen, um ihrem Ärger über die Medien Luft zu machen.  

 

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