Möglichst späte Spezialisierung

SPD-Experte: Lehrer-Studium muss umstrukturiert werden

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Die SPD beklagt Missstände in der Ausbildung. Der Grund: Viele angehende Gymnasiallehrer finden keinen Job, es gebe zu viele Unterrichtsausfälle.

München – Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll fordert Konsequenzen aus der Fehlentwicklung bei der Lehrerausbildung. Während bei den Grundschullehrern Vollbeschäftigung herrscht und auch Junglehrer mit einer schlechten Note eine Beamtenstelle erhalten, herrscht bei den Gymnasiallehrern Arbeitslosigkeit. 

5000 Lehrkräfte für Gymnasien und Realschulen seien arbeitslos, schätzt Güll. Dies zeige, dass die Ausbildung „nicht mehr zeitgemäß“ sei. Die Praxis der Staatsregierung, in der Not Pensionisten zu rekrutieren und sogar schon Studierende vor dem Referendariat einzusetzen, sei eine „neue Art des Fahrens ohne Führerschein“.

Kurzfristig könne durch Zusatzqualifikation ein Teil der Gymnasiallehrer vielleicht auf Grundschullehramt umsatteln, sagte SPD-Politiker Güll. Mittelfristig müsse jedoch der Studiums-Verlauf geändert werden. Die Spezialisierung der Lehrerausbildung müsse möglichst spät beginnen. Es sei falsch, dass sich ein Student schon im ersten Semester entscheiden müsse, ob er später an einer Grund- und Mittelschule, einer Realschule oder einem Gymnasium unterrichten wolle. „Wir brauchen ein Studium Lehrer“, sagte Güll – wobei er nicht dem Einheitslehrer das Wort reden wolle.

Resultat der Fehler bei der Lehrerausbildung sei auch ein hohes Niveau bei den Unterrichtsausfällen, kritisierte Güll. An Grundschulen sei 6,5 Prozent des Unterrichts nicht planmäßig erteilt worden, an Mittelschulen sogar 8,1 Prozent. Das Kultusministerium erklärte, der Anteil des tatsächlich ersatzlos ausgefallenen Unterrichts sei viel niedriger.

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dw

Rubriklistenbild: © dpa

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