+
Eine verwelkte Wahlkampf-Rose der SPD - Sinnbild für den Zustand einer Volkspartei außer Dienst. Foto: Julian Stratenschulte

Schlechte Umfragewerte

SPD fällt auf Rekordtief

Die SPD hofft, mit dem Stabwechsel an Andrea Nahles aus dem Tief herauszukommen. Da wirken die neuen Umfragewerte wie ein Schock. Was bedeutet der Absturz in der Wählergunst für den Mitgliederentscheid über die GroKo?

Berlin (dpa) - Der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz hat die Partei aufgerufen, sich von schlechten Umfragewerten nicht entmutigen zu lassen. Es liege an der SPD selbst, an Stärke zu gewinnen, sagte Scholz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag).

"Ich traue uns zu, die nächste Bundestagswahl zu gewinnen - die steht aber erst in vier Jahren an." Juso-Chef Kevin Kühnert rief die Basis dazu auf, den Koalitionsvertrag mit der Union abzulehnen, auch wenn die Zukunft offen sei: "Lasst euch keine Angst machen, vor dem was danach kommt", sagte er bei einer Basisveranstaltung in Recklinghausen.

Knapp eine Woche vor ihrem Mitgliederentscheid über die Neuauflage der großen Koalition ist die SPD in der Wählergunst auf ein Rekordtief abgesackt. In einer Umfrage von Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend kommen die Sozialdemokraten nur noch auf 16 Prozent. Das sind zwei Punkte weniger als Anfang Februar. Dass Andrea Nahles als neue Parteivorsitzende das Ruder herumreißen kann, glaubt nur ein Drittel der Befragten, knapp Hälfte traut ihr das nicht zu.

Der Wert ist der schlechteste, den die SPD in einer Umfrage bisher erzielt hat. Sie liegt damit nur noch knapp vor der AfD, die sich um einen Punkt auf 15 Prozent verbesserte. Die Union erreicht im Deutschlandtrend unverändert 33 Prozent. Die FDP verliert einen Punkt und landet bei neun Prozent. Die Linke bleibt stabil bei elf Prozent; die Grünen verbessern sich um zwei Punkte auf 13 Prozent.

Die Umfrage wurde vom 13. bis zum 15. Februar erhoben, also nach dem Verzicht von Martin Schulz auf das Amt des Außenministers. Der SPD-Chef trat am Dienstag auch vom Parteivorsitz zurück, als Nachfolgerin nominierten die SPD-Spitzengremien einstimmig Fraktionschefin Nahles. Sie soll auf einem Sonderparteitag am 22. April zur Parteivorsitzenden gewählt werden.

"Das ist auch eine Quittung für die Aufstellung der letzten Tage", sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel, der in Recklinghausen als Gegenredner zu Kühnert auftrat. Der hessische SPD-Chef warnte vor den Verwerfungen, wenn es nicht zu einer neuen großen Koalition kommt.

Der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh wertete den Niedergang der SPD in der Wählergunst als Alarmsignal. "16 Prozent sind ein Warnruf der deutschen Bevölkerung an uns Sozialdemokraten: Reißt euch gefälligst zusammen!", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

An diesem Samstag startet die neue SPD-Spitze um Nahles und Scholz in Hamburg mit der ersten von sieben Regionalkonferenzen, um bei der Basis um Zustimmung zur GroKo zu werben. Der Mitgliederentscheid der SPD startet am Dienstag nächster Woche und dauert bis zum 2. März. Das Ergebnis soll am ersten März-Wochenende vorliegen.

ARD-Deutschlandtrend Extra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwischenergebnis bei Wahlen in Thailand: Diese Partei liegt vorn
Die ersten Wahlen seit dem Militär-Putsch im Jahr 2014 in Thailand stehen bevor. Die Partei Phalang Pracharat, die dem Militär nahe steht, gilt als Favorit bei der Wahl.
Zwischenergebnis bei Wahlen in Thailand: Diese Partei liegt vorn
Billionenschweres Megaprojekt: Scharfe Kritik an Italiens Einstieg in die "Neue Seidenstraße"
Italien und China haben sich auf eine "Neue Seidenstraße" geeinigt. Die Handelsbeziehungen sollen so gestärkt werden. Die EU und die USA kritisieren die Vereinbarung. 
Billionenschweres Megaprojekt: Scharfe Kritik an Italiens Einstieg in die "Neue Seidenstraße"
Anne Will macht heute Abend Pause - der Grund hat mit dem Brexit-Chaos  zu tun
Am heutigen Sonntag läuft nicht wie gewohnt Anne Will nach dem Tatort. Die Talk-Show entfällt, obwohl es reichlich Themen zum Diskutieren gäbe. Was ist da los?
Anne Will macht heute Abend Pause - der Grund hat mit dem Brexit-Chaos  zu tun
Zahl der Maserninfektionen steigt: SPD mit Spahn über Impflicht im Gespräch
Die SPD will eine gesetzliche Impfpflicht bei Masern einführen. Fraktionsvize und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigt sich zuversichtlich, bald einen Vorschlag …
Zahl der Maserninfektionen steigt: SPD mit Spahn über Impflicht im Gespräch

Kommentare