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SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hatte bei seiner Wiederwahl vor gut einer Woche nur 74,3 Prozent der Delegiertenstimmen erreicht. Es ist das zweitschlechteste Ergebnis der SPD-Nachkriegsgeschichte. Foto: Bernd von Jutrczenka

SPD-Führung schart sich um düpierten Gabriel

Nach der Klatsche nun Geschlossenheit. Fraktionschef Oppermann nennt den SPD-Vorsitzenden den natürlichen Kanzlerkandidaten. Und selbst Gabriels Widersacherin Uekermann schlägt versöhnliche Töne an.

Berlin (dpa) - Nach dem Parteitagseklat bei der Wiederwahl des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel haben führende Sozialdemokraten versucht, Zweifel an einer Kanzlerkandidatur des Parteichefs zu zerstreuen.

Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann sagte "Spiegel Online": "Er ist als Parteivorsitzender der natürliche Kanzlerkandidat der SPD. Seine erfolgreiche Politik in dieser Bundesregierung prädestiniert ihn dafür, unser Kanzlerkandidat zu sein."

Schleswig-Holsteins SPD-Ministerpräsident Torsten Albig wählte in der "Welt" (Samstag) die Formel, Gabriel solle als Parteichef den ersten Zugriff auf die Kandidatur haben. Selbst eine der schärfsten Kritikerinnen Gabriels, die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann, äußerte sich so.

Gabriel hatte nach dem Parteitag bekräftigt, dass ein Parteichef immer den Anspruch haben müsse, Kanzler werden zu können. "Trotzdem rate ich unserer Partei, das Anfang 2017 zu entscheiden." Sonst sei die SPD gleich mitten im Wahlkampf, hatte er in der ARD gesagt.

Die Parteilinke Uekermann, die mit dem Vorsitzenden vor und auf dem Parteitag heftig aneinandergeraten war, sagte dem "Stern": "Ich würde mich über ein klärendes Gespräch mit Sigmar Gabriel freuen, in dem wir die Differenzen ausräumen können. Ich bin dazu bereit, ich hoffe, er auch." Es sei wichtig, dass Gabriel die SPD wieder um sich schare. Das könne "mit dem richtigen Wahlprogramm" gelingen. "Basta-Politik tut der Partei nicht gut", sagte sie.

Der Parteichef hatte bei seiner Wiederwahl vor gut einer Woche nur 74,3 Prozent der Delegiertenstimmen erreicht. Es ist das zweitschlechteste Ergebnis der SPD-Nachkriegsgeschichte.

Gabriel will aber an seinem Kurs der Mitte festhalten - trotz des Widerstands des linken Flügels. "Die SPD muss immer auch Politik für Minderheiten machen", sagte der Vizekanzler dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Aber wer gewinnen will, muss die Mehrheit ansprechen." Wenn seine Partei geschlossen auftrete, "sind bis zu 30 Prozent 2017 durchaus drin".

Albig brachte als künftige Machtoption für die SPD eine rot-grüne Minderheitsregierung ins Gespräch: "2017 wird das in Deutschland sicher kein Thema sein, aber mittelfristig sollten wir offener werden für solche Überlegungen." Als Beispiel nannte der SPD-Politiker das "dänische Modell", in dem "keine in Stein gemeißelten Koalitionsverträge" gemacht würden, sondern um das jeweilige Projekt gerungen werde.

Für die Bundestagswahl 2017 müsse es Ziel der SPD sein, "dass es ohne sie in Deutschland keine Regierung gibt", sagte er. Wenn seine Partei sogar den Kanzler stellen könne, sei es umso schöner.

Interview Uekermann

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