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Modern und digital: So präsentierte sich Schulz am Sonntag.

SPD-Kanzlerkandidat

Schulz geht in die Offensive: Kritik an Merkels Ausweich-Taktik

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SPD-Kanzlerkandidat ist am Sonntag in die heiße Wahlkampfphase gestartet. Amtsinhaberin Angela Merkel versucht er, an ihrem vermeintlich größten Schwachpunkt zu treffen.

München – Auf die Leinwand hinter Martin Schulz projiziert die SPD Animationen. Mal wabert ein Zahlencode mit Nullen und Einsen herum, mal die Sterne der Europaflagge. Es wirkt, als würde der Kanzlerkandidat gerade nicht auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus in Berlin stehen, sondern in einem Raumschiff, das durch die digitale Welt gleitet. Bloß: Während hinten alles futuristisch wirkt, kommt vom Rednerpult vorne nichts Intergalaktisch-Revolutionäres.

Staatliche Investitionen, Gerechtigkeit, Europa – das sind drei von vielen Schlagworten aus dem Zehn-Punkte-Plan, mit dem Schulz am Sonntag die heiße Wahlkampfphase startet. „Deutschland kann mehr“, sagt er. „Es gibt diejenigen, die auf die Zukunft warten. Wir wollen die Zukunft gestalten.“

Sein Plan ist eine zugespitzte Version des SPD-Wahlprogramms. Der Herausforderer setzt auf Attacke und will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an ihrem vermeintlich größten Schwachpunkt treffen: Er wirft ihr vor, nie konkret zu werden. Sie verrate vor der Wahl nicht, was sie hinterher umsetzen möchte – wieder mal. Es sei ein „ausgewachsener Skandal“, wie Merkel Europa-Politik mache. Sie argumentiere nach dem Motto: „Wir haben große Dinge mit Europa vor, aber was ich vorhabe, das sage ich erst nach der Wahl.“

Schulz will Kuschelwahlkampf verhindern

Schulz agiert anders, er erklärt in einer knappen Stunde ziemlich genau, auf was sich die Wähler mit ihm einstellen könnten. Und doch droht der SPD wie schon 2009 und 2013 gegen den Kuschelwahlkampf von Merkel zu verlieren. Schulz will zehn Wochen lang dagegen ankämpfen, am Sonntag wirkt er zuversichtlich und kämpferisch.

In Brüssel wolle er sich beispielsweise für eine solidarische Flüchtlingspolitik einsetzen, sagt Schulz. Wer als EU-Staat die Aufnahme von Asylbewerbern verweigert, soll finanzielle Nachteile zu spüren bekommen. Am Donnerstag kann er diese Idee schon mal vorverhandeln: Er wird von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfangen – kurz nach dem Besuch von Kanzlerin Merkel in Paris.

Schulz will „ein Kanzler sein, der Probleme anpackt“

Vielleicht reden Schulz und Macron auch über den EU-Haushalt. Im Willy-Brandt-Haus sagt der SPD-Spitzenkandidat, es brauche einen europäischen Finanzminister. Und zu Deutschlands finanziellem Anteil: „Kein Land zahlt mehr, und das ist richtig so.“ Langfristig müsste die Netto-Summe von jährlich 15 Milliarden Euro weiter steigen, weil kein anderes Land so stark von Europa profitiere wie die Bundesrepublik. Das ist konkret. Aber ist das Thema der gesuchte Brüller, mit dem die SPD den 15-Punkte-Rückstand in den Umfragen zur Union verkleinern wird?

Die Strategie von Schulz ist eine andere. Statt mit einem Knaller will er offenbar kleinteilig punkten. Sein 19-seitiger Zukunftsplan ist breit gefächert, er deckt viele SPD-typische Themen ab, die schon länger auf der Agenda stehen. Steuerentlastungen für Familien zum Beispiel, kostenlose Kinderbetreuung und eine Bildungsoffensive. Erstaunlich selten nimmt Schulz das Wort „Gerechtigkeit“ in den Mund, das anfangs das Fundament seiner Kampagne als Kandidat war, aber nicht richtig funktionierte. Jetzt will er der Mitte und der Wirtschaft wieder die Hand reichen. „Ich möchte ein Kanzler sein, der Probleme anpackt“, sagt Schulz. „Mir jedenfalls ist es wichtig, dass die Bürger eine echte Wahl haben.“

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