Kommentar

Die SPD nach Hamburg: Linkes Dilemma

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Nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel im Hamburg hat die SPD ein strategisches Problem. Das betrifft vor allem Martin Schulz. Ein Kommentar. 

München - Eine Woche lang durfte Martin Schulz darauf hoffen, er habe die Trendwende nach langer Talfahrt geschafft. Die SPD hatte instinktiv erkannt, dass ihnen Angela Merkel bei der „Ehe für alle“ ein klitzekleines Fenster geöffnet hatte – und sofort reagiert. Plötzlich wirkte die Kanzlerin verletzlich. Prompt verzeichneten die Genossen noch am Wochenende in den Umfragen einen kleinen Aufschwung. Und doch herrscht schon am Montag wieder Katerstimmung.

Es mag nicht überraschen, dass die Union die großspurigen Ankündigungen des bislang so erfolgreichen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz im Wahlkampf genüsslich ausschlachtet – umgekehrt wäre das sicherlich genauso. Problematisch ist eher, wie unsouverän die SPD mit den Attacken umgeht. Auf seiner Bayern-Tour reagierte Schulz mit jeder Frage nach Hamburg ein wenig unwirscher. Heiko Maas ließ sich sogar auf eine Debatte um ein Konzert „Rock gegen Rechts“ ein.

Die Debatte ist Unsinn. Natürlich hat die SPD keine geheimen Sympathien für linke Gewalttäter. Aber sie hat ein strategisches Problem. Jenseits der Großen Koalition stand ein Linksbündnis als theoretische Machtoption zur Verfügung. Auch wenn das mit dem Mitte-Politiker Schulz nie realistisch wirkte, beflügelte die „Ehe für alle“ zumindest die Fantasie im linken Lager. Mit dem Wochenende aber rückt die Linkspartei weit weg von der SPD – und Martin Schulz weit weg vom Kanzleramt.

Mike Schier

Rubriklistenbild: © Schlaf

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