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Natascha Kohnen und Markus Rinderspacher.

Bayern-SPD

Die ehrgeizige Generalsekretärin

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München – Die Bayern-SPD steckt in der Krise: Der Vorsitzende ist angeschlagen, die Fraktion oft farblos, die Umfragen sind schlecht. Hinter den Kulissen läuft sich Generalsekretärin Natascha Kohnen warm, in die erste Reihe zu rücken. Es droht Ärger.

Manchmal muss man für den Aufstieg einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Natascha Kohnen zum Beispiel fliegt am Sonntagnachmittag gen Norden. Einladung von Sigmar Gabriel. Vorstandsklausur in Nauen, Brandenburg. Den meisten Bayern ist die Generalsekretärin der SPD kein Begriff, aber in der Bundespartei hat sich die 48-Jährige einen Namen gemacht: Beim Parteitag im Dezember zog die Neubibergerin in den Bundesvorstand ein – als zweite bayerische Vertreterin neben Landeschef Florian Pronold. Plant sie schon den nächsten Schritt? Führende Köpfe der Partei berichten, dass die „sehr ehrgeizige Natascha“ im nächsten Jahr von Pronold den Landesvorsitz übernehmen will. Kohnen selbst dementiert. Natürlich. „Über diese Personalie reden wir frühestens 2017, wenn die Wahlen anstehen.“

Es sind harte Zeiten für Bayerns Genossen – eigentlich ein schlechter Zeitpunkt für personelle Auseinandersetzungen. Aber der Frust ist einfach zu groß. Der jüngste Bayerntrend des Bayerischen Rundfunks versetze ihnen einen Schlag in die Magengrube: Bei 16 Prozent in der Sonntagsfrage kann man nur noch schwerlich von einer Volkspartei sprechen. Bitter sind auch die persönlichen Werte: 20 Prozent sehen Ulrich Maly als den geeignetsten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 – dumm nur, dass der Nürnberger Oberbürgermeister mehrfach und glaubwürdig betont hat, es ziehe ihn absolut nicht nach München. Pronold und Rinderspacher liegen gleichauf bei mageren 13 Prozent, Kohnen gar nur bei fünf.

Natürlich werden die Zahlen nunt fleißig interpretiert – die Umfrage sei unmittelbar unter den Eindrücken der Kölner Silvesternacht entstanden. Das habe der bayerischen SPD geschadet, sagt Markus Rinderspacher. Der Fraktionschef leugnet aber auch interne Probleme nicht: „Wir haben uns nicht von unserer Schokoladenseite gezeigt.“ Seit Monaten schwelt ein Streit mit einer kleinen, aber lautstarken Truppe aus Kritikern, die auf Facebook gegen Landes- und Bundesspitze stänkern. Die Kampagne zeigt Wirkung: Walter Adam, ein pensionierter Realschullehrer mit Filzhut, nahm beim letzten Landesparteitag Landeschef Florian Pronold mehr als 30 Prozent der Stimmen ab. Pronold sei „in erschütternder Art und Weise demontiert“ worden, sagte Münchens Alt-OB Christian Ude vor kurzem. Kein Wunder, dass man sich intern über eine Nachfolge Gedanken macht.

Offiziell dementieren alle, auch Rinderspacher, der wohl die größten Chancen hat, die Partei in die nächste Wahl zu führen. Andere mögen das angesichts der Umfragewerte als Strafe empfinden, für Rinderspacher wäre es eine „Ehre“. Dass er sich dazu vorher noch den Landesvorsitz sichert, schließt er aus. „Das kann nicht einer alleine machen“, sagt der Fraktionschef und zählt all die Orte auf, die er in dieser Woche besucht hat. Kreuz und quer durch Bayern.

Zur engeren Führung gehört schon jetzt Natascha Kohnen. Die Generalsekretärin ist wie Rinderspacher eine Quereinsteigerin und noch relativ frisch im Parlament. Erst 2001 trat die in München geborene Biologin in die SPD ein, als sie mit ihren beiden Kindern von Paris nach Neubiberg zog und sich in der Gemeinde nach der nächsten Kinderkrippe erkundigte. „Haben wir nicht, brauchen wir nicht“, lautete die Antwort des Beamten. „Weil wenn die Frauen frei haben, gehen sie eh nur shoppen.“ Kurz darauf lief die erzürnte Kohnen der SPD-Bürgermeisterkandidatin in Arme. Seitdem ist sie SPD-Mitglied. Ein Jahr später saß sie im Gemeinderat, seit 2008 im Landtag. Doch wohin geht die Reise? Obwohl Kohnen schon seit 2009 Generalsekretärin in Bayern ist und immer mal wieder für diesen Posten auf Bundesebene gehandelt wurde, gilt sie noch als zu unprofiliert.

Es ist alles eine Frage der Strategie: In der SPD hoffen alle, dass ein CSU-Kandidat Markus Söder die eigenen Anhänger deutlich motivieren könnte. Einige überlegen zudem, ob es besser wäre, dem schlagfertigen ehemaligen TV-Journalisten Söder nicht den schlagfertigen ehemaligen TV-Journalisten Rinderspacher gegenüberzustellen – sondern eine Frau. „Dann müsste Natascha aber noch deutlich zulegen – an Profil, an Bekanntheit“, sagt ein Altgedienter. Das Engagement im Bundesvorstand sei ein erster Schritt. „Wenn sie aber Spitzenkandidatin werden will, muss sie 2017 zwingend für den Landesvorsitz kandidieren.“ Und dass der machtbewusste Rinderspacher da einfach zusehe, sei schwer vorstellbar.

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