+
Ursprünglich sollen die Nato-Truppen bis 2016 nach Kabul zurückziehen. 

Gegenoffensive gegen Taliban begonnen

SPD-Politiker für längeren Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr

Berlin - Nach der Eroberung der afghanischen Provinzhauptstadt Kundus durch die radikalislamischen Taliban fordert SPD-Politiker Rainer Arnold eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in dem Bürgerkriegsland. Die afghanische Regierung hat unterdessen eine Gegenoffensive zur Vertreibung der Taliban begonnen. 

Einen Tag nach dem Fall von Kundus hat die afghanische Regierung eine Gegenoffensive zur Vertreibung der Taliban aus der nordafghanischen Provinzhauptstadt begonnen. Regierungstruppen seien am Dienstagmorgen in die Stadt eingedrungen, sagte Polizeisprecher Sayed Sarwar Hussaini. „Wir haben das Polizei-Hauptquartier und das Provinz-Gefängnis zurückerobert.“ Angaben zu Opfern machte er nicht.

Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus hatten die radikalislamischen Taliban am Vortag mit einer überraschenden Offensive Kundus überrannt. Die Extremisten hatten am Montagmorgen aus mehreren Richtungen mit dem Sturm auf die Stadt begonnen und sie bis zum Abend eingenommen. Nur noch die Gegend um den Flughafen war unter Kontrolle der Regierung.

Taliban-Chef Mullah Achtar Mohammad Mansur versicherte, die Aufständischen würden „Leben, Besitz und Ehre der respektierten Bürger der Stadt Kundus schützen.“ In einer Mitteilung Mansurs zur „Befreiung“ der Stadt hieß es, die Menschen dort könnten ihr Leben „in absoluter Sicherheit“ weiterführen.

SDP-Politiker fordert längeren Bundeswehr-Einsatz

Die rund 700 deutschen Soldaten im Norden Afghanistans sollten ein weiteres Jahr bis Ende 2016 in voller Stärke dort bleiben, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion der Deutschen Presse-Agentur. „Angesichts der Situation in Afghanistan wäre es falsch, die Afghanen völlig alleine zu lassen.“

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Wochenende vor einem zu frühen Truppenabzug aus Afghanistan gewarnt. Die Bundeswehr hatte sich vor zwei Jahren aus der Unruheprovinz Kundus zurückgezogen, ist aber noch im 170 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif stationiert - allerdings nur zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee. Ihren Kampfeinsatz in Afghanistan hat die Nato Ende 2014 nach 13 Jahren beendet. Bisher ist geplant, im Laufe des Jahres 2016 alle Nato Truppen aus der Fläche nach Kabul zurückzuziehen.

Arnold meint, dass das zu früh ist. „Eines kann es nicht geben: Dass wir zuschauen, wie die Taliban das Land überrennen“, sagte er. Die Entscheidung liege aber letztlich bei US-Präsident Barack Obama, weil sein Land die meisten Soldaten der Nato-Truppe stelle.

Das afghanische Innenministerium hatte am Montag eingeräumt, dass die Taliban Kundus eingenommen haben. Regierungstruppen bereiten eine Gegenoffensive vor.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trumps denkwürdiger Auftritt hinterlässt ein aufgebrachtes Land
Geplant war nur ein Statement zur Infrastruktur im Trump-Tower. Dann aber kamen Fragen zur Gewalt von Charlottesville. Der denkwürdige Auftritt von Donald Trump …
Trumps denkwürdiger Auftritt hinterlässt ein aufgebrachtes Land
Polizei setzte sich bei G20-Einsatz über Verbot hinweg
Die Polizei überschritt bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg offenbar ihre Kompetenzen. Besonders über ein Verbot setzten sich die Sicherheitskräfte hinweg.
Polizei setzte sich bei G20-Einsatz über Verbot hinweg
Trump zieht Notbremse und löst zwei Beraterkreise auf
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump löst nach harscher Kritik an seiner Haltung zur Gewalt in Charlottesville kurzerhand zwei Beraterkreise im Weißen Haus auf. …
Trump zieht Notbremse und löst zwei Beraterkreise auf
Kommentar: SPD in der Putin-Falle
„Privatsache“ sei  der neue Öl-Job für Ex-Kanzler Gerhard Schröder beim russischen Staatskonzern Rosneft, behauptet SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Ein schwerer …
Kommentar: SPD in der Putin-Falle

Kommentare