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Macht Platz an der SPD-Spitze: Martin Schulz schaffte als Kanzlerkandidat nicht den Umschwung.

Nach historischer Wahlklatsche

Fünf Kandidaten: Wer könnte die SPD aus dem Tief führen?

Die erneute Wahlschlappe war für die SPD eine Art Zäsur. Bei den Sozialdemokraten muss sich mehr ändern als nur der Wechsel von der Regierung in die Opposition.

München - Nach der historischen Wahlklatsche von 20,5 Prozent kündigte SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz eine intensive Aufarbeitung bis zum Parteitag im Dezember an. Nicht nur 2017 will er unter die Lupe nehmen, sondern auch die vorherigen Niederlagen seit 2005, aus denen nie die nötigen Konsequenzen gezogen worden seien. In einem Brief an die Genossen, mahnt er eine „strukturelle, organisatorische, inhaltliche und strategische Erneuerung“ der Partei an. Schulz, der sein Amt an der Spitze erst im Januar von Sigmar Gabriel übernommen hat - zur Erinnerung: Er wurde mit 100 Prozent gewählt! - dachte nach eigenem Bekunden nach dem Debakel an Rücktritt. Jetzt will er aber als Chef den nötigen Neuanfang mitgestalten. Es gibt aber auch Forderungen nach personeller Umorientierung. Die tz beleuchtet mögliche Nachfolger.

Bayern-SPD: Kategorisches Nein zur Großen Koalition

Stephan Weil (58)

Der niedersächsische Ministerpräsident muss am 15. Oktober erst noch die vorgezogene Landtagswahl durchstehen. Die Chancen stehen für die SPD nicht schlecht. Weil fordert mehr Diskussion in der Partei, mehr Dialog mit dem Bürger und dass die Parteispitze „ihren Führungsauftrag wahrnimmt“.

Stephan Weil.

Andrea Nahles (47)

Kurz nach der Wahl wurde die SPD-Linke Nahles zur Fraktionschefin gekürt. Ein erster Schritt Richtung Doppelfunktion auch als Parteichefin? Nicht ausgeschlossen. Vielleicht wird die frühere Juso-Vorsitzende, die sich das Krawallige noch nicht ganz abgewöhnt hat, 2021 Kanzlerkandidatin.

Andrea Nahles.

Heiko Maas (51)

Noch ist Maas Justizminister in der geschäftsführenden GroKo. Stets besonnen und eloquent, hat sich der Saarländer in seinem Bereich Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht (z. B. Vergewaltigungsparagraf, Soziale Netzwerke) die von vielen als fortschrittlich gesehen werden.

Heiko Maas.

Manuela Schwesig (43)

Die Parteivize, seit Juli Regierungschefin in Schwerin, war die Erste, die nach der Wahlschlappe den Gang der SPD in die Opposition ankündigte. Die Ex-Bundesfamilienministerin gilt als streitbar und durchsetzungsstark. Sie will im Dezember nicht für den Vorsitz kandidieren: „Die Frage stellt sich nicht.“

Manuela Schwesig.

Olaf Scholz (59)

Zugegeben, der Erste Bürgermeister von Hamburg wurde schon mal mehr gehypt, war vor Schulz Kür zum Kanzlerkandidaten sogar dafür in der engeren Wahl. Jetzt muss er sich vom G20-Gipfel in seiner Stadt erholen, hätte aber schon Ideen, wie es strategisch mit der SPD weitergehen muss.

Olaf Scholz.

Der lange Niedergang einer Volkspartei

Kanzlerkandidat Martin Schulz ist grandios gescheitert. Mit unerhörten 100 Prozent wurde er zum Parteichef gewählt, mit historisch 20,5 Prozent endete sein Wahlkampf. Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen hat die Monate seit März hautnah mit dem 61-Jährigen und seiner Entourage erlebt. Im aktuellen Magazin zeichnet er die Geschehnisse nach - beginnend mit der anfänglichen Euphorie, die auch Schulz überrascht und mitgerissen hat: Damals meinte er noch, dieser Wahlkampf werde über Gefühle entschieden. „Und ich bin halt der Gefühligere“.

Tausende neue Mitglieder: Parteien haben wieder mehr Zulauf

Bis zum bitteren Absturz am 24. September: Er hat sich schon zum Oppositionsführer gewandelt, als er Angela Merkel als „Ideenstaubsauger“ beschimpft und ihren „Vakuum“-Wahlkampf kritisiert. Solche Angriffe auf die Frau, die er herausfordern wollte, haben ihm seine Berater immer ausgeredet. Das komme nicht gut an. „Eierköppe“ nannte Schulz als Oberbegriff seine direkten Mitarbeiter, „immer liebevoll gemeint“. Die Bedenkenträger schrei­ben seine Reden um, glätten sie, bringen den Kandidaten oft zur Verzweiflung damit, dass sie gerade das streichen, was ihm wichtig war.

Die Krise als letzte Chance? Die Bayern-SPD sucht eine neue Identität

Gabriel mischt sich in Wahlkampf ein

In dem Maße, in dem die SPD-Umfragewerte sinken, verschlechtert sich Schulz’ Gemütslage. Nach außen verbreitet er Optimismus, nach innen sagt er: „Vielleicht bin ich der falsche Kandidat“, „Ich habe nicht den Hauch einer Chance“. Die Kampagne des Mannes aus Würselen lief in vielfacher Hinsicht schief. Sein Vorgänger im Amt des Parteichefs, Sigmar Gabriel, mischte sich bis zum Ende ein - mit nicht erbetenen Ratschlägen oder mit großen Interviews zu allerlei Themen, die nichts mit der SPD und schon gar nichts mit dem Kandidaten Schulz zu tun hatten. Nicht mal intern traute sich der nette Martin, Gabriel in die Schranken zu weisen.

Schwesig stellt sich nach Wahlniederlage hinter Schulz

Auch unverschuldete Pannen kamen hinzu, aber selbst verursacht war seine Abstinenz in den drei Landtagswahlkämpfen - in allen hat die SPD verloren. Sein größter Fehler sei es gewesen, dass er sich von der nordrhein-westfälischen Regierungschefin Kraft von Auftritten in NRW abhalten ließ.

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