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Kanzlerinnenraute: Christian Lindner sieht mit der Union mehr Gemeinsamkeiten.

SPD sucht nach neuen Partnern

Spekulationen über Koalition: Darum ist Lindner gar nicht begeistert

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Die SPD sucht nach neuen Koalitionspartnern. Im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ spekulieren etliche Politiker über eine Ampel-Koalition. Nur der FDP-Vorsitzende Christian Lindner ist gar nicht begeistert.

München – Christian Lindner hat sich den Tag vermutlich anders vorgestellt. Vormittags präsentiert der FDP-Vorsitzende sein Programm für die Bundestagswahl (siehe Kasten). Es geht am 24. September um viel für die FDP, man könnte sagen: um alles. Vier Jahre, nachdem die Liberalen aus dem Bundestag flogen, muss ihnen die Rückkehr ins Parlament gelingen. Sonst wird es schwer, die professionellen Strukturen der Partei aufrecht zu halten. „Wie ein Rennpferd in der Box“ fühle er sich, sagt Lindner dementsprechend. Und dann kommt ein paar Minuten später der „Spiegel“ daher und spekuliert über eine Ampel-Koalition. Keiner spricht mehr von Lindners Programm.

„Spitzen von SPD und FDP werben für Ampelkoalition“, titelt die Online-Ausgabe des Magazins. Sowohl SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz als auch der frühere Parteichef Sigmar Gabriel hätten sich dafür ausgesprochen. Dann werden diverse Politiker der ersten und zweiten Reihe zitiert. „Die Ampelkoalition passt für uns am besten, weil die Gemeinsamkeiten mit Grünen und FDP am größten sind“, sagt SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider. Als Kronzeugin wird Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz angeführt: „Die Ampel funktioniert in unserem Land sehr, sehr gut.“ Und selbst FDP-Vize Wolfgang Kubicki kommt zu Wort. „Die Ampelkoalition treibt mir keine Schweißperlen auf die Stirn.“

Christian Lindner sagt, es gebe keine Koalitionsaussage

Bei Lindner verhält sich die Sache offenbar anders. Als „amüsante Fake News“ bezeichnet er die Geschichte und wird deutlich. Es gebe keine Koalitionsaussage. Er habe Martin Schulz noch nicht mal persönlich getroffen. „Angesichts der aktuellen Vorschläge von Herrn Schulz und den Grünen fehlt mir die Fantasie, welches für uns attraktive Angebot die uns machen könnten. Die CDU steht uns in der Sache immer noch näher als die SPD.“ Eine Zusammenarbeit mit den „Randparteien“ AfD und Linke schließt er ohnehin aus.

Es dürfte vor allem die SPD sein, die dem Land aufzeigen will, dass sie über mehrere Machtoptionen verfügt. Im Willy-Brandt-Haus wurde genau registriert, wie viele Wähler im Saarland sich in der vergangenen Woche von der realistischen Möglichkeit eines rot-roten Bündnisses abschrecken ließen. Dazu kommen inhaltliche Bedenken. „Wer von Rot-Rot träumt, wacht am 25. September verkatert mit Kanzlerin Merkel auf“, warnt nicht nur Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag. „Die Wagenknecht-Partei agiert europäisch und transatlantisch unzuverlässig. In Zeiten nationaler Verunsicherung und internationaler Instabilität erkenne ich in Deutschland keine solche Experimentier-Sehnsucht.“ Im Vergleich dazu sei ein Bündnis mit der FDP eine attraktive Perspektive. „Die Ampel unter der Führung von Martin Schulz ist prima vorstellbar, soweit sich die FDP glaubwürdig von ihren raubtierkapitalistischen Ideen des letzten Jahrzehnts verabschiedet.“

Andere sind vorsichtiger, nicht zuletzt bei den Grünen, die noch nie ein herzliches Verhältnis zur FDP hatten und selbst eine Krise durchleben. „Mehr Optionen zu haben, ist immer besser als weniger“, sagt Realo-Sprecher Dieter Janecek. Ansonsten sei die Ansage klar: „Wir werden nur eine Koalition eingehen, die den Kohleausstieg einleitet und eine echte Verkehrswende will, die die Ehe für alle beschließt und klar zu Europa steht.“ Das klingt zumindest nicht nach einem Plädoyer für Schwarz-Grün.

„Es wird immer unübersichtlicher, es werden immer mehr Parteien. Deshalb sind alle möglichen Konstruktionen denkbar“, sagt SPD-Landeschef Florian Pronold. Nur einfacher wird es damit nicht. Doch in der SPD kann man sich dieser Tage auch über die kleinen Dinge freuen. „Inzwischen“, sagt Pronold, „interessieren sich wieder alle dafür, was die SPD plant – das war vor einem halben Jahr noch anders.“ Die FDP könnte es eigentlich genauso sehen.

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