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Polizeieinsatz in Chemnitz

Syrer in Verdacht

Sprengstoff im Plattenbau - Fahndung nach Bombenbauer in Chemnitz

Chemnitz - Schwerbewaffnete Polizisten platzen mitten in die Samstagsruhe. Sie stürmen ein Haus in einem Chemnitzer Plattenbauviertel, wo Menschen aller Schichten leben.

Die Straßen sind wie leer gefegt an diesem Samstag im Fritz-Heckert-Viertel im sächsischen Chemnitz. Die Plattenbauten südwestlich vom Zentrum sind weiträumig abgesperrt, im Nieselregen stehen an jeder Ecke stehen Polizeifahrzeuge. In der Siedlung patrouillieren Beamte, mit Maschinenpistolen bewaffnet und schwarz gekleidet. Zwischen den fünfstöckigen Wohnblöcken: gepflegte Grünflächen und Spielplätze. Nur einige Jugendliche sitzen dort und verfolgen auf ihren Smartphones, was passiert. In einem Haus soll ein Sprengstoffanschlag vorbereitet worden sein. Gesucht wird ein 22-jähriger Syrer aus der Siedlung, ein mutmaßlicher Islamist.

„Wir haben einen Knall gehört, als mein Mann gerade nach Hause kam“, berichtet eine 64-Jährige. Ihr 66-jähriger Mann sei dann über den Balkon in die Wohnung geklettert, weil der Hauseingang abgesperrt war.

Explosion schreckt viele Anwohner auf

Die Explosion am Mittag schreckt viele Anwohner auf, aber das Landeskriminalamt (LKA) gibt kurz darauf Entwarnung. Es war nur das Spezialeinsatzkommando, das die Tür zu einer verdächtigen Wohnung mit Gewalt öffnen musste.

Angetroffen haben die Beamten niemanden. „Es wurde keine Bombe gefunden“, sagt LKA-Sprecher Tom Bernhardt mittags den Journalisten. Klar ist auch: Dem Hauptverdächtigen, Jaber al-Bakr, ist die Flucht gelungen.

Stunden später finden die Ermittler bei der Durchsuchung der Räume aber doch Sprengstoff - hunderte Gramm, hochbrisant und gefährlich. Zur Sicherheit werden noch mehr Menschen aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. „Das ist kein Spaß mehr“, sagte LKA-Sprecher Bernhardt. „Wir tun alles, um das Risiko zu minimieren und dass niemanden etwas passiert.“ Für die Aufnahme der Bewohner standen Busse bereit, die meisten kamen aber bei Freunden und Verwandten unter, wie eine LKA-Sprecherin sagt.

Einsatzkräfte bereits nachts vor Ort

Die ersten Einsatzkräfte waren schon nachts in dem ruhigen Wohngebiet angerückt, nach einem Hinweis des Verfassungsschutzes auf eine „ernste Gefahr“. Medienberichte, wonach ein deutscher Flughafen Anschlagsziel sein sollte, bestätigen die Behörden aber zunächst nicht.

Tagsüber lassen sich die meisten Bewohner der Siedlung nicht blicken. Teilweise werden sie von Beamten nachhause begleitet. Sie stoppen auch eine Frau, die vom Einkaufen kam und zurück zu ihrem vierjährigen Sohn will. „Die Leute sind sehr gefasst und ruhig“, berichtet ein Anwohner.

Bilder vom Großeinsatz in Chemnitz: Die Suche nach Jaber A.

In dem typischen Neubaugebiet der DDR-Zeit sind die Wohnblocks saniert und gepflegt. „Es ist kein sozialer Brennpunkt“, sagt eine Polizeisprecherin. In den fünfstöckigen Häusern lebten Menschen aller gesellschaftlichen Schichten, von der Oma bis zum Flüchtling.

Sprengstoff wurde gefunden - Tatverdächtige nicht

Im Hauseingang eines Gebäudes am Rand der Siedlung, an die ein Wäldchen grenzt, stehen Polizisten mit Maschinenpistole. Es ist der Aufgang, in dem der Gesuchte wohnte. Es dämmert schon, als LKA-Sprecher Bernhardt sagt: „Es ist gut, dass Sprengstoff gefunden wurde. Den hat der Tatverdächtige nicht dabei - und wir Hinweise auf konkrete Substanzen.“

Allerdings bleibt an diesem Tag viel Ungewissheit - und eine konkrete Gefahr. Dies räumt auch die Polizei auf Twitter ein und schreibt nachmittags, nach stundenlanger vergeblicher Suche: „Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft. Derzeit wissen wir aber nicht, wo er sich befindet und was er bei sich trägt. Seid vorsichtig.“

Alle Neuigkeiten zum Terror-Alarm in Chemnitz finden Sie in unserem News-Ticker.

dpa

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