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Blick auf Boxen neben einem Ticketautomat, an dem Prostituierte auf dem Bonner Strassenstrich ein Ticket ziehen können. Die Prostituierten auf dem Bonner Straßenstrich müssen hier Tickets ziehen. Sechs Euro pro Nacht sollen sie so als Steuer in die Stadtkasse zahlen

Kuriose Steuern für Alkohol und Sex

Hier ziehen Prostituierte ihre Tickets

Berlin - Wer ein Bierchen trinkt, muss darauf Biersteuer zahlen. Mitunter treibt das deutsche Steuersystem derart bunte Blüten, dass der Fiskus sogar Ticketautomaten für Prostituierte aufstellt.

Noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 kommt wohl das Aus für das 100 Jahre alte deutsche Branntweinmonopol. Auf Drängen der EU dürfte der Bundestag in den kommenden Monaten beschließen, dass kleine Schnapsbrennereien nur noch bis 2017 mit Einnahmen aus der Branntweinsteuer unterstützt werden. Auf die Steuer selbst wird der Staat aber voraussichtlich nicht verzichten. Immerhin bringt sie jährlich rund zwei Milliarden Euro ein.

Den Alkoholkonsum der Bevölkerung zu besteuern, hat sich schon vor Jahrhunderten als zuverlässige Einnahmequelle für den Staat erwiesen. So musste die Biersteuer, die bis heute erhoben wird, in einigen deutschen Städten bereits im Mittelalter bezahlt werden. Die Schaumweinsteuer hingegen wurde erst im Jahr 1902 eingeführt - und verfolgte ein klares Ziel: Aus den Einnahmen sollte damals der Bau der kaiserlichen Flotte bezahlt werden. Der Kaiser und seine Flotte sind schon lange außer Dienst, doch die Steuer auf Sekt und Champagner spült noch immer einige hundert Millionen Euro pro Jahr in die öffentlichen Kassen.

Aber nicht nur alkoholische Getränke werden in Deutschland besteuert, sondern auch Kaffee. Anders als die Biersteuer, die fast in ganz Europa erhoben wird, gibt es eine Kaffeesteuer nur in wenigen EU-Staaten. Der deutsche Fiskus nimmt damit jedes Jahr immerhin eine Milliarde Euro ein. Das ist natürlich nichts gegen die Einnahmen aus der Tabaksteuer, die sich allein im vergangenen Jahr auf 14,4 Milliarden Euro summierten.

Andere Vergnügen unterliegen verschiedenen Varianten der Vergnügungssteuer. Bei Glücksspielen wird sie ebenso fällig wie bei Tanzveranstaltungen und Filmvorführungen. In Köln werden Bordelle seit dem Jahr 2004 sogar mit einer „Sexsteuer“ belegt. Diesem Vorbild sind mittlerweile zahlreiche andere Kommunen gefolgt. Auf dem Bonner Straßenstrich wurden sogar Automaten aufgestellt, an denen die Prostituierten eine Art Parkschein ziehen müssen. Sechs Euro pro Nacht sollen sie so als Steuer in die Stadtkasse zahlen.

Auch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Staat bei der Suche nach Einnahmequellen mitunter große Fantasie entwickelt: So gab es teilweise bis in die 1980 Jahre hinein spezielle Steuern auf Essigsäure, Zündhölzer und Spielkarten. Die Salzsteuer und die Leuchtmittelsteuer wurden sogar erst 1993 im Zuge der EU-Harmonisierung abgeschafft.

Schon lange abgeschafft ist eine Steuer auf die Benutzung öffentlicher Toiletten - anders als im alten Rom, wo die Latrinensteuer sogar für einen bis heute bekannten lateinischen Sinnspruch sorgte. Der römische Kaiser Vespasian soll die anrüchige Steuer damals nämlich mit den Worten verteidigt haben: „Pecunia non olet“ - Geld stinkt nicht.

dpa

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