Christine Haderthauer übernimmt die Leitung der Staatskanzlei

Staatskanzlei: Die Harte verlässt das weiche Fach

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München - Christine Haderthauer beeindruckte Horst Seehofer mit Biss und ihrer bisweilen rebellischen Art - und übernimmt jetzt die Leitung der Staatskanzlei.

Eines Samstags, es war 2009, schickte Horst Seehofer mal wieder eine SMS an Christine Haderthauer. „Immer brav sein! HS“ Kurz gesagt: Sie hat sich wie immer nicht daran gehalten. Die streitbare Ingolstädterin war alles andere als brav. Sie legte sich an mit Sozialverbänden, zog in einen Machtkampf ums Finanzministerium (verloren), sammelte hässliche Schlagzeilen zur Asylpolitik und für die Modellautoaffäre ihres Mannes.

Bei anderen hätte das gereicht, um der Politik den Rücken zu kehren, auch mit Schuhabdruck vom Chef am Hintern. Haderthauer aber kämpfte sich durch. Die Mutter und Karrierefrau beeindruckt Seehofer mit Biss und ihrer bisweilen rebellischen Art. Andere halten sie für hochqualifiziert, aber leider auf den falschen Posten gesetzt. Das sozial-tantige Fach ist nicht ihres. „Sie kann besser Asylbewerber abschieben als Asylbewerber betreuen“, sagt ein Kollege ohne Ironie.

Als neue Staatskanzleichefin hat Haderthauer (50) formal kein Superministerium, im Alltag aber Macht. Wenn Seehofer da ist, entscheidet sie, womit er betraut wird, was wichtig ist. Wenn Seehofer weg ist, ist sie die Chefin, Ministerpräsidentin im Vertretungsfall. Dass sie die Minister koordiniert, dürfte ihr sehr gut gefallen, den zu koordinierenden Kollegen Aigner/Söder sicher weniger.

Zweifel bleiben aber, ob es das richtige Amt für sie ist. Staatskanzleichefs sind stille Machttechniker. Macht passt, aber still passt gar nicht. Seehofer wird ihr bald wieder SMS schicken müssen. 

cd

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