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Die bayerische Staatsregierung erwägt, mehr Schülern als bisher wieder eine neunjährige Gymnasialzeit zu ermöglichen.

Alternativkonzept

Staatsregierung will mehr Schülern G9 ermöglichen

München - Angesichts des Streits um das achtjährige Gymnasium denkt die Staatsregierung darüber nach, mehr Schülern als bisher wieder eine neunjährige Gymnasialzeit zu ermöglichen.

Dem geplanten Volksbegehren der Freien Wähler für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 soll möglicherweise ein eigenes Alternativkonzept entgegengesetzt werden. Das verlautete aus CSU-Kreisen. Es sei die Frage, ob man „etwas Neues“ brauche, also ein neues Angebot neben dem eigentlichen G8. Eine Abschaffung des G8 und eine Komplettrückkehr zum G9 steht demnach aber nicht zur Debatte.

Die Staatskanzlei betonte am Freitag: „Überlegungen oder Vorbereitungen zu einer Rückkehr zum G9 gibt es nicht.“ Die CSU-Fraktion erklärte: „Es bleibt beim G8 mit seinen flexiblen Möglichkeiten der individuellen Förderung, und es gibt keine Rückkehr zum G9.“ Der Bildungsexperte Gerhard Waschler sagte: „Wir wollen, dass sich die Schüler, Eltern und Lehrer in den nächsten Jahren ohne Strukturdebatten auf die beste Bildung konzentrieren können.“

Die Staatsregierung will aber offenbar unter anderem prüfen, wie das angekündigte Konzept der bayerischen Gymnasiallehrer für ein „neues“ G9 aussieht. Der Philologenverband (bpv) hatte im vergangenen Jahr angekündigt, ein eigenes G9-Konzept ausarbeiten zu wollen. Das G8 völlig aufgeben wolle man nicht, betonte bpv-Chef Max Schmidt. Er sprach von einem Modell, das den Schülern zwischen der Mittel- und Oberstufe die Möglichkeit geben würde, sich ein Jahr mehr Zeit zu nehmen. Eckpunkte des bpv-Konzepts sollen bis zum Sommer stehen.

Wenn die Freien Wähler ihren Antrag auf das Volksbegehren beim Innenministerium einreichen, dann dürfte dieser höchstwahrscheinlich durchgehen. Das Volksbegehren werde nach derzeitigem Stand als zulässig erachtet, heißt es in der CSU. Man werde wohl nicht den Verfassungsgerichtshof einschalten. Die Freien Wähler haben die nötigen 25 000 Unterschriften für den Antrag auf das Volksbegehren bereits beisammen. Sie wollen nun noch die letzen Unterschriften prüfen und den Antrag dann in Kürze beim Ministerium einreichen.

Das achtjährige Gymnasium steht seit seiner Einführung unter Dauerkritik. Eltern, Lehrer und Schüler klagen beständig über einen viel zu hohen Leistungsdruck und zu große Stofffülle. Dem steuerte die Staatsregierung zwar entgegen, etwa mit einer gewissen Entschlackung der Lehrpläne. Zuletzt führte sie zudem ein sogenanntes Flexibilisierungsjahr ein - das bedeutet, dass Schüler im Bedarfsfall in der Mittelstufe ein zusätzliches Schuljahr einlegen dürfen. Das neue Angebot wird aber offenbar nur sehr spärlich angenommen.

Die Landtags-SPD sprach angesichts der Überlegungen in der CSU von einem „Eingeständnis des Versagens“. „Der Wunsch einer übergroßen Mehrheit von Eltern, Schülern und Lehrern ist klar: Wir brauchen eine Entschleunigung der Schulzeit“, sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll. Thomas Gehring (Grüne) sagte: „Es ist begrüßenswert, dass nun offensichtlich auch in der Staatsregierung das Nachdenken über die Zukunft des bayerischen Gymnasiums eingesetzt hat.“ Und Freie-Wähler-Fraktionschef Hubert Aiwanger sagte der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung“ (Samstag): „Wir freuen uns gemeinsam mit den Gymnasiasten, dass Bewegung in die Debatte kommt.“

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) erklärte, es sei richtig, dem Gymnasium mehr Zeit zu geben. Es brauche aber eine echte Reform des Gymnasiums. Einen weiteren Schnellschuss dürfe es nicht geben. Dagegen betonte der Bayerische Elternverband in einer Mitteilung: „Die Frage, ob die gymnasiale Ausbildung acht oder neun oder auch nur sechs Jahre dauert, ist unwichtig. Vorrangig ist eine sinnvolle inhaltliche Ausgestaltung der gymnasialen Schulzeit.“

dpa

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