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An der Landshuter Allee in München sind die Schadstoffwerte besonders hoch.

Staatsregierung erwägt Fahrverbote in Städten

ADAC-Experte: "Kauf eines Diesel-Autos gut überlegen"

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München - Teile der Staatsregierung gehen davon aus, dass Gerichte bald Fahrverbote gegen Diesel-Autos erlassen könnten. ADAC-Experte Andreas Hölzel im Interview über Versäumnisse der Hersteller und mögliche Übergangsfristen.

Fahrverbote für Diesel-Pkw in bayerischen Innenstädten – halten Sie das in absehbarer Zeit für ein realistisches Szenario?

Es ist durchaus möglich, dass solche Verbote kommen. Die Europäische Union hat die Grenzwerte für Schadstoffe seit vielen Jahren festgelegt. Wenn man dann wie in München diese Grenzwerte dauerhaft nicht einhalten kann, drohen den Städten Strafzahlungen. Am Schluss bleibt vielleicht nichts anderes übrig als solche rigiden Maßnahmen.

Fahrverbote sind denkbar unpopulär. Gibt es keine funktionierenden Alternativen für die Luftreinhaltung?

Doch. Es gibt längst die Möglichkeit, Dieselfahrzeuge mit wirksamer Technik zur Verminderung des Stickoxid-Ausstoßes auszustatten. Die Hersteller müssten es nur machen. Da könnte man ansetzen und den Druck entsprechend erhöhen. Das beträfe aber nur neue Dieselfahrzeuge. Die „alten“ Fahrzeuge können kaum nachgerüstet werden – dabei reden wir hier von Autos, die vor wenigen Jahren als sauberste Diesel mit der besten auf dem Markt verfügbaren Abgastechnologie neu verkauft wurden.

Umweltpolitiker sehen das anders. Bald soll eine „Blaue Plakette“ eingeführt werden, ohne die man in ausgewiesene Umweltzonen wohl nicht mehr fahren darf. Bis zu 13 Millionen Diesel-Pkw könnten betroffen sein.

Diese Zahl kommt hin. Deshalb beschäftigt das auch viele unserer Mitglieder. Die neue Plakette soll für Dieselfahrzeuge mit der Schadstoffklasse Euro 6 oder ältere Benziner schon in diesem Herbst gelten.

In Stuttgart klappt der freiwillige Verzicht aufs Auto nach dem Ausrufen des „Feinstaubalarms“ bisher überhaupt nicht.

Aber es gibt intelligentere Möglichkeiten als ein Fahrverbot. Bei andauernden Problemen mit der Luftqualität könnte man als Stadt die Autofahrer anderweitig dazu bringen, andere Verkehrsmittel zu nutzen. Vergünstigungen beim Öffentlichen Nahverkehr zum Beispiel.

Wie könnte ein Fahrverbot etwa in München aussehen?

ADAC-Experte Andreas Hölzel

Ich kann mir nicht vorstellen, dass innerhalb des Mittleren Rings kein Diesel mehr fahren darf. Denken Sie nur an die vielen tausend Anwohner und Pendler mit einem Diesel. Bei vielen Besitzern käme ein Verbot zudem einer Enteignung gleich. Ohne Übergangsfristen ist das eigentlich nicht zu machen. Dazu kommt: Lieferverkehr, Handwerker oder Taxis werden sicher Ausnahmegenehmigungen bekommen. Wenn diese Fahrzeuge mit hoher Fahrleistung weiterfahren dürfen, ist es kaum verständlich, wenn Pendler, die nur ein paar Kilometer in der Umweltzone fahren, draußen bleiben müssen. Ob das Verbot die ganze bisherige Umweltzone betrifft, dauerhaft sein wird oder nur an Tagen mit besonders hoher Belastung gilt, werden wir sehen.

Für schadstoffgeplagte Anwohner in München wäre ein Diesel-Verbot möglicherweise auch ein Segen.

Nicht nur für die Bewohner einer Umweltzone soll die Luft sauberer werden, sondern für alle Bürger. Statt räumlich begrenzter Fahrverbotszonen sollte man das Thema den Fahrzeugherstellern vorhalten.

Könnte ein Fahrverbot auch für kleinere Städte wie Freising oder Wolfratshausen gelten?

Eher nicht. Hohe Schadstoffkonzentrationen treten vor allem in Straßenschluchten mit schlechter Durchlüftung auf, darum ist das ein Thema für größere Ballungsräume.

Warum sollte man in diesen Zeiten noch einen neuen Diesel-Pkw kaufen?

Auch bei neuen Diesel-Fahrzeugen weiß man als Käufer nicht, welche restriktiven Maßnahmen in der Zukunft drohen. Denn Stickstoffoxid ist nun mal hauptsächlich ein Problem von Diesel-Fahrzeugen. Insofern sollte man sich den Kauf eines Diesel-Pkw derzeit gut überlegen. Selbst die heute verkauften Diesel-Pkw müssen in wenigen Jahren mit Fahrverboten in Innenstädten rechnen.

Maximilian Heim

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