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Albert Duin führt Bayerns FDP auf eine sehr bunte Weise. Wird’s ihr zu bunt? 

Bayerns Liberale vor ungewisser Zukunft

Steht der FDP-Landesvorsitzende vor dem Sturz? „Sehe Sache gelassen entgegen“ 

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Es rumort in Bayerns FDP. Der Landesvorsitzende steht vor dem Sturz, mehrere erfahrene Abgeordnete verlangen mehr Ernst in der Arbeit. Die Partei sortiert sich neu für die Wahl 2018.

München – Manchmal mag man sich am nächsten Morgen nicht mehr an alles erinnern. Bei Albert Duin war das im Januar so. Bayerns FDP-Präsidium unter seiner Leitung saß auf Klausurtagung in Beilngries zusammen, diskutierte sich die Köpfe über Personalien heiß – um 2 Uhr morgens kam es zum Eklat. Duin schleuderte seinen Parteifreunden entgegen, jetzt trete er zurück. Er ging. Aber nur bis zum nächsten Morgen, dann übernahm er wieder die Sitzungsleitung der Klausur. Niemand sprach es aus, aber alle taten mal so, als hätten sie die Nacht vergessen.

Haben sie allerdings nicht. Vielleicht erinnern sie ihn sogar wieder daran. Hinter den Kulissen der bayerischen FDP sind nämlich Bemühungen weit fortgeschritten, den Landesvorsitzenden abzuwählen. Auf dem Parteitag am 11. November in Amberg wird ein Gegenkandidat auftreten, der eine Mehrheit der Stimmen hinter sich glaubt. Voraussichtlich will der eben in den Bundestag gewählte Aschaffenburger Karsten Klein (39), ein Finanzpolitiker, den Vorsitz übernehmen. Er sondiert im Hintergrund bereits eine Mannschaft, voraussichtlich ohne Duins Generalsekretär Daniel Föst.

Duin sollte man nicht unterschätzen

Über Duin hat sich seit Monaten Groll angesammelt. Er polarisiert. Mit seiner unkonventionellen Art fernab von Polit-Bla-Bla hatte der zupackende 64-Jährige weite Teile der darniederliegenden Basis Ende 2013 für sich eingenommen. Er rackerte. Zuletzt häuften sich aber Fehler. Ein Gespräch mit einem „Welt“- Journalisten zur Russland-Politik endete in einem PR-Fiasko und kleinlautem Zurückrudern. Mehrere Posts verunglückten, zuletzt meuterte die Bundestagsfraktion nach seinem flapsigem Zitat, alle Jamaika-Partner würden sich „zerstückeln“ und von Merkel „einsammeln“ lassen. Duin kroch Stunden später öffentlich zu Kreuze.

„Unberechenbar“ sei der Chef, ein Hochrisiko in Wahlkämpfen, klagen Vorständler. Er habe die Mehrheit auch in der Parteispitze gegen sich. Und das Ergebnis in Bayern bei der Bundestagswahl (10,2 Prozent) sei auch einen halben Punkt unter dem Bundesschnitt. Unterschätzen sollte man Duin allerdings auch nicht: 2013 und 2015 kam er jeweils mit Kampfkandidaturen ins Amt. Nach dem Bundestagsergebnis und angesichts „der Erfolge der letzten vier Jahre sehe ich der Sache sehr gelassen entgegen“, sagt Duin. Er kandidiere auf jeden Fall.

Heubisch: „ Der bayerische Löwe ist paralysiert“

Wolfgang Heubisch tritt 2018 wieder an.

Wird er nun als Parteichef gestürzt, wackelt im nächsten Schritt auch die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl. Die hatte er forsch für sich reklamiert („Ich will Ministerpräsident werden“). Parteifreunde fürchten: Weil einige halbwegs bekannte Liberale für Bayerns FDP jüngst in den Bundestag einzogen, ist die Personaldecke für die Landtagswahl nun extrem dünn.

Passend dazu, aber unabhängig von den Debatten um Duin, formieren sich erfahrene Abgeordnete aus der letzten Regierung, um im Land Verantwortung zu übernehmen. Ex-Vizeministerpräsident Martin Zeil (61) tritt wieder an; wenn auch nur in Weilheim, weil man ihn daheim in Starnberg nicht mehr wollte. Der frühere parlamentarische Geschäftsführer Tobias Thalhammer (38) kandidiert im Landkreis München. Auch der langjährige Hauptgeschäftsführer Martin Hagen (36), der die FDP mit durchs außerparlamentarische Tal steuerte, bewirbt sich. Jetzt erklärt auch Ex-Minister Wolfgang Heubisch (71), wieder in Schwabing anzutreten.

Heubisch ist auch für die Spitzenkandidatur im Gespräch, lässt das aber offen. Es soll eine Urwahl geben, plant der Vorstand. Der Münchner, über die Stadt hinaus recht bekannt, könnte für eine ernsthafte, erfahrene FDP stehen. In einem Thesenpapier will er die Liberalen als seriöse Alternative zur nicht mehr allein regierenden CSU präsentieren, aber als künftigen Koalitionspartner. „Durch das katastrophale Ergebnis bei der Bundestagswahl ist der Alleinvertretungsanspruch der CSU Geschichte. Der bayerische Löwe ist paralysiert.“

Karte: Gemeinde- und Wahlkreis-Ergebnisse aus Bayern

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