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Doppelwahlkampf: Peer Steinbrück mit Christian Ude (l.) und Florian Pronold auf dem Münchner Marienplatz.

Freistaat mit zentraler Rolle

Steinbrück auf Bayern-Tour

München – Dieser Besuch zaubert dem Kandidaten noch Stunden später ein breites Grinsen ins Gesicht. Am Vormittag hat Peer Steinbrück in Nürnberg in einer Senioren-Wohngemeinschaft der anderen Art vorbeigeschaut. „Olga“ heißt sie.

„Elf Ladys unter einem Dach“, erzählt Steinbrück später und grinst weiter. „Die waren ziemlich auf Zack.“

Peer Steinbrück hat gute Laune. Inzwischen wieder. Man kann nicht behaupten, der SPD-Kanzlerkandidat hätte einen gelungenen Wahlkampfauftakt erlebt. Nach kleinen Skandälchen mit vielen großen Schlagzeilen und manch verbalem Ausrutscher tourt Steinbrück jetzt durchs Land. Raus zu den Menschen, ins direkte Gespräch: Er bietet öffentliche Diskussionen an (in Nürnberg kamen mehr als 700 Menschen). Er besucht, ohne Presse, einfache Bürger im Wohnzimmer. Bis Mitte Mai tingelt er so durch die Bundesländer. Am Montag und Dienstag stand Bayern auf dem Programm, dabei war er erst vor Kurzem zum Aschermittwoch hier.

Die Strategen im Willy-Brandt-Haus messen dem Freistaat bei der Mission Machtwechsel auch auf Bundesebene entscheidende Bedeutung zu. Erstens, weil bei den Wahlergebnissen hier besonders viel Luft nach oben ist. Zweitens, weil die Landtagswahl am 15. September nur eine Woche vor der Bundestagswahl terminiert ist. „Das prägt nicht nur im psychologischen Sinne – sondern wird auch mobilisieren. Egal, wie es ausgeht“, sagt Steinbrück. Zumal die jüngsten Landtagswahlen bewiesen haben, dass die Wähler ihre Entscheidung immer spontaner fällen. Eng abstimmen müsse man den Wahlkampf, er selbst werde immer wieder in den Freistaat kommen, sagt Steinbrück. Außerdem wird am 14. April der Bundesparteitag in Augsburg stattfinden, wo das Bundestagswahlprogramm verabschiedet werden soll. „Derzeit geben sich bei uns die Bundespolitiker regelrecht die Klinke in die Hand“, sagt der bayerische Spitzenkandidat Christian Ude.

Mittags Journalistentermin im Münchner Presseclub. Sonst geht es hier eher gediegen zu, jetzt herrscht dichtes Gedränge hoch über dem Marienplatz. Und Steinbrück ist in Wahlkampflaune: Er stichelt gegen die Konkurrenz, vor allem gegen die zahlreichen Ankündigungen der CSU zum frisch entdeckten Thema Mieterschutz. Viele der Pläne kommen den Genossen ziemlich bekannt vor – sie seien von ihnen selbst aufgebracht worden. Andere, beispielsweise eine Änderung der Bezahlung von Maklern, habe die Union aber rasch wieder fallen lassen. Steinbrück: „Da hat man nichts mehr gehört, außer dem Geräusch wie in einer auslaufenden Badewanne.“

Eine Stunde unterhält Peer Steinbrück die Journalisten – ohne verbale Ausrutscher. Dann entschwindet er gen Berlin. Er wird bald wieder kommen.

Mike Schier

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