Merkur-Redakteur Alexander Weber

Kommentar zum SPD-Streit

Steinbrück gegen Schulz: Das Lästermaul hat Recht

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Die Kritik von Peer Steinbrück an SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist hart – aber in der Sache hat er Recht. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Alexander Weber.

So etwas nennt man unter Parteifreunden eine Blutgrätsche. Und die Kritik an der SPD-Spitze kommt ausgerechnet von einem, der es am eigenen Leibe erfahren hat, wie weh so etwas tut, wenn man oben auf dem Schild des Merkel-Herausforderers steht: Peer Steinbrücks eigener Versuch, die „Mutti“ der Union 2013 aus dem Kanzleramt zu vertreiben, endete – mit viel Eigenverschulden des Kandidaten – kläglich.

Dass er jetzt so stark gegen seinen Nachfolger Martin Schulz austeilt, könnte die SPD als unsolidarisches Verhalten eines lustvollen Lästermauls abtun – wenn, tja wenn Steinbrück in der Sache nicht Recht hätte. Und die rasante Rückkehr zu jenen Umfragetiefen, wegen derer Sigmar Gabriel im Januar SPD-Chefsessel wie Kanzlerkandidatur freigab, ist ein Beleg dafür, dass die Bevölkerung die Sache ähnlich sieht.

Das Honecker like 100-Prozent Wahlergebnis für Schulz, die künstlich angefachten „Martin, Martin“-Chöre haben den Mann aus Würselen den Blick auf die realen Herausforderungen der Bundestagswahl verlieren lassen. Dem „Sicherheit und Wohlstand“-Versprechen der Unionsparteien hat er bis jetzt nur sozialdemokratische Kuschelpolitik entgegenzusetzen. Steinbrücks Vorwurf der thematischen Verengung trifft deshalb ins Schwarze. Zwei Mal hat die ehrwürdige SPD die Regierungsverantwortung gegen CDU/CSU erobern können, beide Male – bei Brandt 1969 wie bei Schröder 1998 – lag dem Sieg ein umfassendes Reformkonzept für die Mitte der Gesellschaft zugrunde. Dieses ist Schulz bis jetzt schuldig geblieben.

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