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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei seinem Vortrag an der London School of Economics

Mit Seitenhieb gegen Merkel

So erklärt Steinbrück Studenten die Krise

London - Peer Steinbrück hat den Studenten der London School of Economics die Krise erklärt. Seine Prognose: Deutschland wird weiter blechen müssen. Auch einen Seitenhieb gegen die Kanzlerin brachte er unter.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat am Montagabend in einem Vortrag Wirtschaftsstudenten an der London School of Economics (LSE) die Wirtschaftskrise und die Folgen für die Politik erklärt. Der ehemalige Finanzminister, derzeit in Europa unterwegs um sein außenpolitisches Profil zu stärken, sprach beim 12. „German Summit“ der renommierten Hochschule über das Risiko der Politik, über die laufende Wirtschaftskrise das Vertrauen der Wähler zu verlieren.

Insbesondere in Ländern mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit wie Spanien, Griechenland oder Portugal könnte dies dazu führen, dass die Menschen an der Verlässlichkeit der Politik zweifelten. Er warnte auch vor allzu eisernem Sparen seitens der Regierungen und sprach sich gegen „zu viel Austeritätspolitik aus“. Die EU sei nicht nur ein wirtschaftlicher Zusammenschluss, vielmehr sei Europa ein Zivilisationsmodell.

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

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Vor allem mit Blick auf Griechenland forderte Steinbrück mehr Zeit für Reformen. "Es wird vielleicht etwas Geld kosten und für mich ist offensichtlich, dass es auch Deutschland Geld kosten wird und man muss es den Leuten sagen, man muss es den Wählern sagen und das ist es, was ich (unter der aktuellen Regierung) vermisse", zitiert das Nachrichtenportal yahoo.com den SPD-Kanzlerkandidaten.

Dass Steinbrück mit dieser Offenheit in Großbritannien gut ankommt, zeigt auch ein Kommentar des Guardian-Journalisten Henning Meyer vom Januar. Darin kritisierte er die Kampagne der deutschen Medien gegen Steinbrück und lobte die positiven Eigenschaften des SPD-Kanzlerkandidaten: "Unabhängig davon, ob man Steinbrücks Positionen zustimmt oder nicht, hat er zwei wichtige Qualitäten, die in der Politik zur Zeit rar gesät sind: Er ist kompetent und ehrlich."

Am Dienstag hielt Steinbrück eine Rede in der deutschen Botschaft in London. Dabei mahnte er eine vielfältigere Strategie bei der Überwindung der Schuldenkrise an. Die Krise sei nicht monokausal zu erklären und könne auch nicht einseitig therapiert werden, konstatierte Steinbrück. Auch in der gemeinsamen Außenpolitik sieht Steinbrück weiteren Handlungsbedarf. Es gebe noch keine kohärente Außen- und Sicherheitspolitik, keine Strategie über den Umgang mit der Russischen Föderation sowie verschiedene Meinungen, wie eine erweiterte EU mit eines Tages vielleicht bis zu 32 Mitgliedsstaaten genau funktionieren solle - und wie dies bei den Bürgern ankommen werde, sagte er.

Aus Sicht von Steinbrück werden in der EU außerdem die knappen finanziellen Ressourcen  mitunter falsch ausgegeben. Geld fließe beispielsweise nicht so sehr in nötige Infrastrukturmaßnahmen, Bildung, Forschung und Entwicklung, sondern in die Landwirtschaft und die Förderung ländlicher Räume.

dpa

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