Auf dem steinigen Rückweg

- München - Am seltsamsten war dieses Lächeln. Heiter, mit leuchtenden Augen eilte Monika Hohlmeier vor einem Jahr durch den Gang vor ihrem Büro, den Kameras entgegen. Schwer krank, müde, privat und beruflich angeschlagen, sie hatte schwere Fehler gemacht; die Schulministerin erlebte unter dem Hohn von Parteifreunden politisch die bittersten Stunden ihres Lebens. Doch sie lächelte, als gäb's nichts Schöneres auf der Welt. Zwölf Monate nach dem Rücktritt - was macht Hohlmeier heute?

Sie steht seltener in den Schlagzeilen. Das trügt: Nach Plan ist die 43-Jährige auf dem steinigen Rückweg in die erste Reihe. Etappenziele hat sie erreicht: den Posten im wichtigen Haushaltsausschuss und das absehbare Ende des Untersuchungsausschusses gegen sie.

Viel Einsicht in die zahlreichen Fehler kann man ihr nicht nachsagen. Die Erfahrung musste neulich auch ein Reporter der Mittelbayerischen Zeitung machen: Fragen nach dem Stimmenkauf in der Münchner CSU-Affäre, nach den Drohgebärden gegenüber Lehrern, nach Seilschaften und Dossiers blockte sie hartnäckig ab. "Ich hatte weder Zeit noch Neigung zu Mauscheleien", sagte sie. Da strahlt der Heiligenschein.

Die Fallhöhe war groß. Keine zwei Sekretärinnen, keine Referenten, Sprecher und Büroleiter mehr, nur ein kleines Zimmer im Landtag. Die Abgeordneten-Pauschale reicht für exakt 0,25 wissenschaftliche Mitarbeiter. Kollegen berichten, wie Hohlmeier in den ersten Tagen über die Flure irrte und irgendwo ein Fax suchte: "Die musste beim Landtag betteln, dass ihr endlich eine Nebenstelle freigeschaltet wird."

"Ich brauche die Insignien der Macht nicht", sagt Hohlmeier lachend. Auch keine Leibwächter. Allenfalls trifft sie sich noch auf ein Bier mit den früheren Personenschützern ihres Vaters. Zu denen fährt sie mit der U-Bahn. Fahrer, Dienstwagen? Weg.

Allüren? Neulich wurde sie im Plenum beim Computerspielen ("Solitär") ertappt, was recht peinlich ist. Sonst aber zeigt sie Fleiß. Im Haushaltsausschuss setzte sich die einfache Abgeordnete in die letzte Reihe. Dort beackert sie den Bereich Soziales. "Souverän und mit Humor", berichtet die Opposition.

Hat sie dort schon mehr Freunde als in der CSU? Jüngst stellte sich sogar Grünen-Anführerin Margarete Bause schützend vor sie: Die sei ja echt nicht an allem schuld. Vergiftetes Lob verbittet sich Hohlmeier.

Sie hat ja Vertraute, sogar mächtige: Landtagspräsident Glück, Fraktionschef Herrmann, auch viele einfache Abgeordnete, denen sie früher als Rednerin die Bierzelte im Wahlkreis füllte. Doch die Gräben zwischen ihr und einigen Parteifreunden sind riesig. "Streit unter Parteifreunden ist manchmal schlimmer als unter Todfeinden", sagt sie. "Menschliche Niedertracht" warf sie Münchner Kollegen vor (und umgekehrt).

"Bereichernd" sei das letzte Jahr gewesen, sagt Hohlmeier. Sie müsse nun niemandem mehr etwas beweisen. Welche Narben die Zeit davor hinterließ, verbirgt ihr Lächeln. "Monis Strauß-Pokerface" nennen die Kollegen diese Fassade.

Hohlmeier nutzt die neue Freizeit für die Familie. Nach dem Rücktritt lag ein Zettel auf dem Frühstückstisch: "Mami, wir mögen dich auch ohne Politik." Mama studiert Volkswirtschaft an der Fernuni Hagen, stöhnt über Statistik-Stoff und Klausuren. Zwischendurch setzt sie sich in den Untersuchungsausschuss. Dort will Hohlmeier nun deutlich machen, dass sie als Ministerin die WM-Rahmenplanung nicht allein verbockte - der einzige Aspekt, wo sie notfalls auch gegen die Staatskanzlei agiert.

Ansonsten geht sie mit ihrer Demission abgeklärt um. Vor ihr wurden Minister freilich für kleinere Vergehen gefeuert. "Schafscheiß", schnaubte einst Justizminister Alfred Sauter und ignorierte seine Entlassung als Bauernopfer für Edmund Stoiber. Kenner zählen vier Fraktionen im Landtag auf: SPD, Grüne, CSU und die Anti-Stoiber-Fraktion der Ex-Minister. Hohlmeier gehört der Schmolltruppe nicht an. Gegen den Ministerpräsidenten, Taufpate eines ihrer Kinder, tritt sie ungern nach.

"Menschlich ein Drama. Und politisch haben wir nicht viele so große Talente", seufzt ein Stoiber-Vertrauter. So schnell wird die Rückkehr dennoch nicht klappen. Dass Hohlmeier im Herbst 2008 den Vorsitz im Haushaltsausschuss übernimmt, ist unwahrscheinlich. "Kann schon sein, dass sie das will", sagt einer ihrer Getreuen: "Aber mir geht das alles zu schnell."

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