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Steinmeier für offene Schulen - Schulleitungen demotiviert

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„Es muss jetzt unser oberstes Ziel sein, Kitas und Schulen offen zu halten“: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. © David Inderlied/dpa

Corona, zu wenig Lehrkräfte und immer mehr Stress: Viele Schulleitungen fühlen sich ausgebrannt und demotiviert. Vor allem jüngere Führungskräfte wollen den Job in absehbarer Zeit sogar an den Nagel hängen.

Düsseldorf - Trotz der dramatisch steigenden Corona-Zahlen hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gegen Schul- und Kitaschließungen ausgesprochen.

„Es muss jetzt unser oberstes Ziel sein, Kitas und Schulen offen zu halten“, sagte Steinmeier am Freitag in einer Video-Ansprache zum 10. Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf.

Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Krise zeigt eine bei dem Kongress veröffentlichte Forsa-Umfrage, dass besonders jüngere Schulleitungen zunehmend ihre Motivation verlieren. Jeder fünfte Schulleiter unter 55 Jahren sieht sich demnach in zehn Jahren nicht mehr in seinem Job. Jede vierte Schulleitung macht die Arbeit nur noch ungern.

Bundespräsident Steinmeier forderte mehr Wertschätzung für Schulleiter. In den Schulen entscheide sich, ob gute Bildung ganz praktisch gelinge. Schulleitung sei ein herausfordernder, anspruchsvoller und ausfüllender Beruf. Trotzdem blieben entsprechende Stellen an vielen Orten für lange Zeit unbesetzt, weil es an Bewerbern fehle. Der Bundespräsident zeigte sich besorgt, dass viele darüber nachdächten, an eine andere Schule zu wechseln, in die Verwaltung abzuwandern oder den Beruf ganz an den Nagel zu hängen.

Steinmeier erinnerte zugleich an den hohen Preis, den Kinder und Jugendliche in der Pandemie mit Wechsel- und Distanzunterricht hätten zahlen müssen, um ältere Menschen zu schützen. Schulschließungen hätten dazu geführt, dass gerade die Schülerinnen und Schüler, denen das Lernen ohnehin etwas schwerer falle, weiter zurückgefallen seien. „Und wir wissen inzwischen auch, dass viele junge Menschen bis heute unter körperlichen und seelischen Folgen von Isolation und Einsamkeit leiden“, sagte der Bundespräsident. „Es ist jetzt an uns, die junge Generation vor weiteren Schäden zu schützen.“ Steinmeier rief dazu auf, sich impfen zu lassen oder den Impfschutz zu erneuern und Kontakte freiwillig zu reduzieren.

Für Eltern, Lehrer und Schulleitungen seien die Pandemiewochen „extrem hart, aufreibend und belastend“, sagte Steinmeier. Viele leisteten unzählige Überstunden, um Hygienekonzepte umzusetzen oder Kontakte nachzuverfolgen. Umso bitterer sei es, dass Lehrkräfte und Schulleiter beschimpft würden, weil sie die Entscheidungen umsetzten, die sie gar nicht zu verantworten hätten.

Bei den Schulleitungen macht sich in der Corona-Krise derweil Frust und Ernüchterung breit. Wie die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zeigt, würde fast die Hälfte der 1300 befragten Schulleiter und Schulleiterinnen (46 Prozent) den Beruf „wahrscheinlich nicht“ oder „auf keinen Fall“ weiterempfehlen. Bei den unter 40-Jährigen Führungskräften hält sogar fast jeder Vierte (24 Prozent) den Schulleiterberuf „auf keinen Fall“ für empfehlenswert.

Jede vierte Schulleitung (25 Prozent) macht die Arbeit nur noch ungern. Der Anteil verringerte sich damit leicht gegenüber der Befragung in der Corona-Krise im November 2020. Damals waren es noch 27 Prozent - 2019 hatten dagegen nur 4 Prozent geantwortet, ihren Beruf ungern auszuüben. In der Gesamtschau betrachtet, hat die große Mehrheit der Schulleitungen (75 Prozent) aber weiterhin eine positive Einstellung zu dem Beruf („eher gern“ und „sehr gern“).

Die Corona-Krise schlägt allerdings auf die Arbeitsmotivation durch. So veränderte sie sich bei mehr als der Hälfte (52 Prozent) aller Befragten zum Negativen. Bei den unter 40-Jährigen gaben dies sogar 62 Prozent an. „Die Politik ignoriert die Realität an den Schulen und bürdet den Schulleitungen immer mehr Aufgaben auf“, sagte VBE-Verbandschef Udo Beckmann. „Die Motivation schwindet, die Ernüchterung gewinnt.“ Wenn sich nichts ändere, drohten die Jüngeren schon zu Beginn ihrer Führungslaufbahn wieder abzuspringen

Nach wie vor wird der Lehrkräftemangel am häufigsten als größtes Schulproblem genannt (46 Prozent). Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) haben an ihren Schulen damit zu kämpfen. 2019 war es noch die Hälfte. Besonders betroffen vom Lehrkräftemangel sind Förderschulen. Für ein Drittel (33 Prozent) der Schulleitungen zählen Corona und die Schutzmaßnahmen zu den derzeit größten Problemen, 31 Prozent nannten Arbeitsbelastung und Zeitmangel.

Eine gute Entwicklung scheint es hinsichtlich der digitalen Ausstattung an den Schulen zu geben. 93 Prozent der Befragten gaben an, Anträge auf Geld aus dem Digitalpakt gestellt zu haben. 54 Prozent sagten, es gebe Breitbandinternet und Wlan in den Klassenräumen. Auch Tablets und Smartphones für die Schüler waren für 71 Prozent der Schulleitungen verfügbar. dpa

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