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Bundespräsidentenkandidat Frank-Walter Steinmeier (l.) und CSU-Chef Horst Seehofer: Handschlag zwischen Duz-Freunden.

Kandidat bei bayerischen Wahlleuten

Steinmeier: „Ich will als Präsident ein Mutmacher sein“

Frank-Walter Steinmeier stellt sich bayerischen Wahlleuten vor – Ministerpräsident Horst Seehofer spricht eine klare Wahlempfehlung für den SPD-Mann aus.

München– Markus Rinderspacher ist vielleicht ein bisschen vorschnell. Andererseits hat er ja Recht. Der Fraktionsvorsitzende der SPD steht am Rednerpult des Landtags und spricht über seine Zeit mit „dem Frank-Walter“. Im Bundestags-Wahlkampf 2009 war er mit Steinmeier unterwegs, damals ging es um die Kanzlerschaft. Jetzt, sagt Rinderspacher, sei er stolz, den Bundespräsidenten zu begrüßen. Er stutzt kurz. „Also, ähm, den möglicherweise künftigen Bundespräsidenten.“

Die meisten Redner sind am Dienstag um den Konjunktiv bemüht. Dabei zweifelt niemand ernsthaft daran, dass Frank-Walter Steinmeier am Sonntag zum Nachfolger Joachim Gaucks gewählt wird. Sein gestriger Auftritt im Landtag ist also reine Formsache – zumal Horst Seehofer (CSU) auch den letzten Unions-Zauderer dazu ermahnt, sein Kreuzchen bei Steinmeier zu machen. „Ich werde ihn wählen“, sagt der Ministerpräsident bei seinem Grußwort. „Und ich werde auch meinen politischen Freunden empfehlen, ihn zu wählen. Und zwar aus Überzeugung.“

Die Union für den einen SPD-Mann stimmen

Steinmeier nimmt das lächelnd und mit verschränkten Armen hin. Auch er weiß, dass die Überzeugung längst nicht bei allen Wahlmännern und -frauen aus der Union so überwältigend ist. Schließlich sollen sie für den einen SPD-Mann stimmen, während der andere, Martin Schulz, der Kanzlerin zunehmend gefährlich wird. Seehofer sagt aber, man müsse bei so einem Amt auch mal über parteipolitische Grenzen hinwegschauen. Außerdem werde „der Frank“ die Funktion mit Statur und Würde und mit fortführen.

Unstrittig ist, dass Steinmeier als Person und Politiker auch von den meisten Unions-Leuten geschätzt wird. In seiner Rede gibt er sich schon mal betont präsidial. In Zeiten des Populismus, sagt er, „will ich ein Mutmacher sein“. Die deutsche Demokratie ruhe auf einem Fundament, das deutlich stärker sei als in vielen anderen EU-Ländern. Auch im Ausland blicke man sehr positiv auf Deutschland. „Deshalb sehe ich die wachsende Verunsicherung hierzulande mit Sorge, aber auch mit einer gewissen Verwunderung.“

Demokratie könnte Steinmeiers Thema werden

Gaucks großes Thema war Freiheit. Das von Steinmeier könnte Demokratie werden – und die Sorge um sie. Als Bundespräsident, verspricht er, will er dem Kern der Verunsicherung auf den Grund gehen und sich darum bemühen, mit allen, die sich der Demokratie fern fühlen, ins Gespräch zu kommen. Er wolle Gelegenheiten schaffen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Besonders in sozialen Netzwerken zögen sich viele Menschen ins „Dauergespräch mit Gleichgesinnten“ zurück. Es sei aber der Kern einer Demokratie, sich über politische Ziele und Handlungsoptionen zu streiten. Er plädiere deshalb für „die Lust am demokratischen Streit“.

An Steinmeiers Sätzen kann man sich in der Regel schlecht reiben. So ist es auch am Dienstag. Er gibt den Vermittler, der er als Außenminister oft genug sein musste. Viele sehen in ihm deshalb den perfekten Kandidaten. Auch Horst Seehofer bescheinigt seinem Duz-Freund Frank „Qualitäten, die dazu geeignet sind, eine gespaltene Gesellschaft zusammenzuführen“.

Zum Schluss trotz er Steinmeier noch ein Versprechen ab. Als Bundespräsident solle er doch bitteschön zuerst Bayern besuchen. Wenn er denn gewählt wird, möglicherweise.

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