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Steinmeier-Besuch

Kolumbiens Präsident sieht Deutschland als Vorbild an

Mesetas - Es gibt derzeit nicht viele gute Nachrichten aus den Krisenherden der Welt. Das Ziel seiner wohl letzten längeren Auslandsreise als deutscher Chefdiplomat hat Steinmeier deshalb mit Bedacht gewählt: Der Friedensprozess in Kolumbien steht für die Macht des Dialogs.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat in Kolumbien eine Zone zur Entwaffnung der linken Guerillaorganisation Farc besucht und mit einem hochrangigen Ex-Rebellen gesprochen. Die Farc hatten sich nach 50 Jahren des internen Konflikts Ende vergangenen Jahres mit der Regierung auf ein Friedensabkommen geeinigt. Danach werden die Rebellen nun landesweit in 26 Zonen zusammengezogen und sollen bis Ende Mai ihre Waffen abgeben.

Steinmeier besuchte am Freitag eine Zone nahe der Ortschaft Mesetas im Department Meta auf einer Hochebene südlich der Hauptstadt Bogotá. Dort wollen sich in den kommenden Wochen 650 bis 700 Ex-Rebellen sammeln. Bislang sind nur drei Repräsentanten vor Ort und es wurden noch keine Waffen abgegeben. Ein 44-jähriger Farc-Anführer, der sich „Kunta Kinte“ nannte, zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass der Friedensprozess erfolgreich sein wird. „Wir haben Schluss gemacht mit dem Thema, dass wir Feinde sind“, sagte er zu Steinmeier. „Kunta Kinte“ ist eine Figur aus dem Roman „Roots“, der das Schicksal einer Familie von Sklaven in den USA behandelt.

Der Bundesaußenminister räumte allerdings ein, dass die Umsetzung des Friedensvertrags genauso schwer werden dürfte wie der Abschluss des Abkommens. „Hier wird sich beweisen, ob der Friedensvertrag hält“, sagte er beim Besuch der Entwaffnungszone in Mesetas. Es sei allerdings „erstaunlich und überraschend“, dass in dem Lager Soldaten der Streitkräfte und ehemalige Kämpfer der Farc so gut unter einem Dach zusammenarbeiteten.

Zuvor hatte Steinmeier den Friedensprozess in Kolumbien als „Signal der Hoffnung an die ganze Welt“ gewürdigt. „Dieses Land hat Geschichte geschrieben, nicht nur für Kolumbien“, sagte er in der Hauptstadt Bogotá. Er versprach der kolumbianischen Regierung weitere Unterstützung für den Versöhnungsprozess mit den Rebellen im Land. „Wir wollen wirklich helfen, ihn zum Erfolg zu bringen.“

„Die Versöhnung in Deutschland ist unser Leitfaden“

Kolumbien Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos nannte Deutschland einen wichtigen Verbündeten im Friedensprozess. „Die Versöhnung in Deutschland ist unser Leitfaden für den Frieden in Kolumbien. Mit dem Beitrag dieses Landes wird unsere Erfahrung ein Beispiel für andere Konflikte sein“, sagte der Staatschef nach einem Treffen mit Steinmeier.

In Kolumbien tobte mehr als 50 Jahre ein Bürgerkrieg, der mehr als 220.000 Menschen das Leben kostete und fünf Millionen zu Flüchtlingen im eigenen Land machte. Ende vergangenen Jahres hatten sich die kolumbianische Regierung und die Farc-Guerilla auf ein Friedensabkommen geeinigt. Derzeit werden die rund 5800 Rebellen in den Entwaffnungszonen zusammengezogen. Bis Mitte des Jahres sollen sie ihre Waffen niedergelegt haben. Mit der zweiten großen Guerillagruppe ELN gibt es noch keinen Frieden.

Nach Steinmeiers Besuch bei den Rebellen stand noch die Gründung eines Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstituts auf dem Programm. Es soll ein zentraler deutscher Beitrag zum Versöhnungsprozess werden. Seit 2014 bereitete das Auswärtige Amt die Gründung zusammen mit Universitäten und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst vor. Das Institut soll die Politik beraten und Friedens- und Konfliktforschung betreiben. Das Institut soll im Sommer seine Arbeit aufnehmen und wird mit 400.000 Euro pro Jahr aus deutschen Steuergeldern gefördert.

dpa

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