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Ozapft is! Finanzminister Markus Söder hat ein Herz für Wiesn-Bedienungen.

Steueränderung für Volksfeste

Söders Oktoberfest-Gesetz für Wiesn-Bedienungen

München - Wer auf der Wiesn Masskrüge schleppt, verdient viel Geld – muss aber auch Steuern zahlen. Bislang gab es eine Ausnahmeregelung. 2014 sollte sie wegfallen. Die Wirte protestierten, der Finanzminister reagierte.

Bislang war Waltraud R. (Name geändert) glücklich mit ihrem Kurzzeit-Job: Zwei Wochen pro Jahr schleppte sie Masskrüge durch eines der großen Wiesnzelte. Rund 5500 Euro verdiente sie damit in 16 Tagen – nach Abzug der Steuern. Doch damit sollte es nächstes Jahr vorbei sein. Dann würden ihr nach der Wiesn zunächst nur 2500 Euro bleiben – 3000 Euro weniger. Denn das Einkommenssteuergesetz wurde geändert.

Es ist eine komplizierte Vorschrift mit einem noch komplizierteren Namen: „permanenter Lohnsteuer-Jahresausgleich“. Vereinfacht geht es darum, ob die Bedienung ihren Nettolohn gleich behalten darf oder sich das Geld erst kompliziert im nächsten Jahr vom Finanzamt zurückholen muss. Zwei Mal pro Woche schauen die Finanzbeamten direkt in den Zelten vorbei und kassieren bar. Bislang musste Waltraud R. meist rund 270 Euro auf den Tisch legen – künftig wären es bis zu 800 Euro gewesen. „Das geht auf die Motivation“, sagt sie. „Für 2500 Euro tut sich das keiner an.“

Bisher prüften die Beamten, was die Bedienungen im gesamten Jahr bis zu diesem Tag verdient hatten. Der hohe Verdienst der Wiesn-Zeit wurde durch mehr als 200 Tage geteilt, die schon vergangen waren, und ein entsprechend niedriger Steuersatz festgesetzt. Künftig sollte die Summe nur noch durch die wenigen Wiesn-Tage geteilt werden – da rutscht man schnell in den Spitzensteuersatz.

Die Bedienungen stiegen den Wirten aufs Dach. Doch das bayerische Finanzministerium blieb zunächst hart und schrieb im Juni, dass „diese Handhabung aufgrund der geänderten Rechtslage im Jahr 2014 nicht mehr fortgesetzt werden kann“. Das hieß: Da ist nichts zu machen.

Doch dann ließen die einflussreichen Wiesn-Wirte ihre Beziehungen spielen. Und siehe da: Plötzlich war da doch was zu machen. Im September schrieb Finanzminister Markus Söder (CSU) selbst an die Oktoberfest-Wirte: „Es ist verständlich, dass dies die Sorge ausgelöst hat, die anstrengende und kräftezehrende Arbeit als Aushilfskraft auf dem Oktoberfest könnte finanziell unattraktiv werden“. Und er hatte eine Lösung. Bayern brachte eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat ein, speziell auf die Wiesn zugeschnitten. Demnach soll es eine Ausnahme für Arbeitnehmer geben, „deren Dauer der Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt“. Genau so lange, wie das Oktoberfest dauert.

Die Bedienungen „sollen das gerechte Netto vom Brutto erhalten und nicht auf eine Steuererstattung vertröstet werden, die erst Monate später auf dem Konto eingeht“, schreibt Söder erkennbar stolz. Die Staatsregierung stelle so sicher, „dass eine Tätigkeit auf dem Oktoberfest weiter attraktiv bleibt“. Was hat im Finanzministerium zum Umdenken geführt? War das Eingreifen der Wiesn-Wirte erfolgreich? „Das kann man denke ich so sagen“, bestätigt eine Ministeriumssprecherin. Wirtesprecher Toni Roiderer freut’s: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Jetzt muss die Initiative im Bundesrat nur noch eine Mehrheit bekommen. Roiderer ist zuversichtlich: „Wenn Bayern was sagt, müssen sie’s schon machen.“

Philipp Vetter

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