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Pleitegeier Griechenland: Nicht nur der Staat hat Schulden. Viele Bürger können ihre Steuern nicht bezahlen.

93,4 Milliarden Euro Rückstand

Steuerschulden der Griechen werden immer größer

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Die Griechen schulden ihrem Staat 93,4 Milliarden Euro Steuern - eine extrem hohe Zahl. Vermutlich ist aber nur ein Bruchteil des Geldes eintreibbar.

München/Athen – Die unglaublich vielen Schulden, die Beinahe-Staatspleite vor zwei Jahren, das 86-Milliarden-Rettungspaket: Das ist der bekannte Teil der Geschichte über Griechenland. Das Land ist aber nicht nur Schuldner, sondern auch riesiger Gläubiger. Die eigenen Bürger schulden dem Staat einen Berg an Steuern. So viel, dass man mit diesem Geld die Staatsschuldenkrise selbst lösen könnte. Zumindest in der Theorie.

Ende des ersten Quartals beliefen sich die Steuerrückstände der Griechen auf 93,4 Milliarden Euro, also auf rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das geht aus einer Auflistung des Bundesfinanzministeriums hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Laut dem Internationalen Währungsfonds sind Steuerschulden von Bürgern und Firmen in keinem anderen EU-Staat annähernd so hoch wie in Griechenland. In Deutschland addieren sich die Steuerrückstände gegenüber Bund und Ländern etwa auf etwa 20 Milliarden Euro – ein Fünftel des griechischen Betrags und insgesamt weniger als ein Prozent des deutschen BIP. Ein Riesenunterschied.

Vor zwei Jahren schätzte Griechenland die Rückstände seiner Bürger noch auf 76 Milliarden Euro – seitdem gab es ein Plus von fast 23 Prozent. Die Zahlungsmoral ist insgesamt aber nicht schlechter geworden. Der griechische Fiskus wurde nur fleißiger. Einerseits hänge der Anstieg der Rückstände „mit der erheblichen Zunahme von Bußgeldfestsetzungen wegen Nichtzahlungen zusammen“, heißt es in dem Bericht des Finanzministeriums. Wer bislang nicht zahlen konnte, schuldet dem Staat jetzt noch mehr Geld. Und außerdem dauert es jetzt länger, bis ausstehende Rückzahlungen verjähren.

Die Gründe, warum die Griechen so viele Steuern schuldig sind, sind vielfältig. Experten zufolge sind die Steuerbehörden bei der Eintreibung ineffizient. Viele Menschen hätten aber auch schlicht kein Geld, um ihre Steuerschulden zu begleichen.

Die Hoffnungen, dass das Geld auf den Konten des griechischen Staates eingehen wird, sind nach Ansicht der Bundesregierung gering. Viele Altforderungen seien „voraussichtlich uneinbringlich“, müssen also abgeschrieben werden. Schon 2015 vermutete der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, dass nur etwa neun Milliarden Euro eintreibbar sind.

Der Münchner CSU-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer pocht auf eine steigende Steuermoral. „Wenn das griechische Finanzministerium die festgesetzten Steuerschulden kassiert“, sagte er, „bräuchte Griechenland vermutlich kein neues Rettungspaket.“ Selbst wenn der griechische Staat nur ein Zehntel eintreiben könne, „wäre die Diskussion um die Auszahlung neuer Hilfstranchen nicht nötig“.

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