+
Die Stiftung Patientenschutz vermutet, dass die Inhalte des Patientenverfügungsgesetzes bei den geschätzt 23 Millionen Menschen, die eine Patientenverfügung verfasst haben, weitgehend unbekannt sind. Foto: Jens Kalaene

Vorwurf gegen Gesetzgeber

Stiftung: Bürger bei Patientenverfügung allein gelassen

Berlin (dpa) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat dem Gesetzgeber vorgeworfen, den Bürger bei der Erstellung von Patientenverfügungen allein zu lassen.

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH), wonach Patientenverfügungen äußerst präzise formuliert werden müssen, sei eine gute Beratung zwingend nötig. Doch es sei vollkommen offen, wo diese Beratung herkommen solle, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Möglich sei, dass auch Pflegekräfte, Seelsorger, Sozialarbeiter und Ärzte das machen könnten. Die dürften aber nicht Mitarbeiter eines Leistungsanbieters oder Kostenträgers sein.

Eine Patientenverfügung ist eine schriftlich niedergelegte Willenserklärung etwa zu lebensverlängernden Maßnahmen in einer Situation, in der der Betroffene nicht mehr selbst entscheiden kann.

Verständlicherweise scheuten Menschen "davor zurück, sich Fragen von Krankheit und Sterben zu stellen", führte Brysch weiter aus. "So entstehen Patientenverfügungen, die praxisuntauglich sind. Ich schätze, dass das auf die Mehrheit der Dokumente zutrifft", sagte der Stiftungsvorstand. "Dann schnappt die Falle der leichten Lösungen zu. Das fängt bei Ankreuzformularen und Textbausteinen an." Teilweise werde auch für "notarielle, lebensferne Standardtexte viel Geld bezahlt".

Brysch beklagte eine "Welle der Unsicherheit", die der BGH-Beschluss ausgelöst habe. Dies mache deutlich, dass die Inhalte des Patientenverfügungsgesetzes bei den geschätzt 23 Millionen Menschen, die eine Patientenverfügung verfasst haben, weitgehend unbekannt seien.

10-Punkte-Check der Patientenschützer für die Patienztenverfügung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

De Maizière verärgert über Abschiebestopp nach Afghanistan
Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat scharfe Kritik an dem von mehreren rot-grün regierten Bundesländern verhängten Abschiebestopp nach Afghanistan …
De Maizière verärgert über Abschiebestopp nach Afghanistan
Lebensstil der Trumps kommt Amerikaner teuer zu stehen
Washington - Amerikas neue First Family ist ungewöhnlich groß. Und das bekommen die Steuerzahler zu spüren. Denn überall, wohin es die Angehörigen des Trump-Clans zieht, …
Lebensstil der Trumps kommt Amerikaner teuer zu stehen
EU-Kommissarin warnt USA vor Handelskrieg
Brüssel - EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat die US-Regierung eindringlich vor einseitigen Handelsbeschränkungen wie etwa Importsteuern gewarnt. Bei einer …
EU-Kommissarin warnt USA vor Handelskrieg
Agenda 2010: Schulz kratzt an Schröders Erbe
Bielefeld - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will an Kernstücke von Gerhard Schröders Agenda 2010 ran. Bei der SPD-Arbeitnehmerkonferenz in Bielefeld äußerte sich …
Agenda 2010: Schulz kratzt an Schröders Erbe

Kommentare