Stoiber: Bin nicht freiwillig gegangen

München - Fünf Jahre nach seinem Sturz in Kreuth gibt sich der frühere bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber gegenüber seinen Nachfolgern versöhnlich.

"Die Freundschaften von einst sind durch die Ereignisse abgekühlt, das wird niemanden verwundern. Aber es ändert nichts daran, dass ich Günther Beckstein und Erwin Huber fur die weiteren Jahre alles Gute wünsche", schreibt Stoiber in seinen Memoiren, die an diesem Montag in den Handel kommen. Die mancherorts erwartete Abrechnung bleibt aus.

Scharf widerspricht Stoiber allerdings Darstellungen Hubers und Becksteins, er habe damals freiwillig seinen Rückzug angeboten. Er habe "natürlich nicht" seine Ämter von sich aus zur Verfügung gestellt, stellt Stoiber fest, ohne aber Einzelheiten der damaligen Vorgänge zu beschreiben. Das Tandem Beckstein/Huber sei nicht seine Erfindung, betont der Ex-CSU-Chef. In einem Vorababdruck aus dem Buch zitiert der "MÜNCHNER MERKUR" Stoiber weiter mit den Worten: "Ich vergesse auch die vielen Jahre nicht, in denen ich mit Günther Beckstein und Erwin Huber sehr gut zusammengearbeitet habe und sie exzellente Minister waren.

Beide haben eine beachtliche politische Lebensleistung. Trotzdem war ich überrascht, als sie sich die höchste Verantwortung so sehr zutrauten. Dass sie als Führungstandem nicht den erhofften Erfolg hatten, ärgert beide selbst sicherlich am allermeisten." Beckstein hatte in seinen 2011 erschienenen Memoiren hingegen beteuert, er und Huber hätten nicht gegen Stoiber geputscht. Die auf die dramatischen Vorgänge von Kreuth folgende Wahlniederlage 2008, als das Tandem auf 43.3 Prozent der Stimmen abstürzte, bezeichnet Stoiber in seinem Buch als "den schwärzesten Tag in meinem politischen Leben".

Lobende Worte findet Stoiber für den derzeitigen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer. "Horst Seehofer ist es gemeinsam mit den Parteifreunden gelungen, die CSU nach dem Verlust der Alleinregierung aus der Depression zu holen und ihr wieder mentale Stärke zu geben. Die Stimme wird wieder deutlich in Berlin erhoben, manchmal auch gefürchtet – das ist unverzichtbar für den Erfolg der CSU auf allen Ebenen."

mm

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