Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega ist tot

Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega ist tot
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Laut gegen die griechischen „Rüpel“, leise gegen die Mitte-Politik: Edmund Stoiber in der Dreiländerhalle.

Aschermittwoch in Passau

Stoiber schärft der CSU die Krallen

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Passau - Gut, dass der Vorgänger noch brennt: Ohne Edmund Stoiber wäre der Passauer Aschermittwoch heuer eine arg gemächliche Veranstaltung geworden. Horst Seehofer verausgabt sich nicht gerade. Er will heim.

Die letzten Töne der Hymne hängen noch in der Fischsemmel-Luft, da springt der erste auf und läuft nach draußen. Er hat es sehr eilig. Horst Seehofer flitzt durch den Seitenausgang in einem Tempo zum Auto, dass die Familie und einige Sicherheitsleute kaum mehr mitkommen. Kein Interview, kein Foto mit den Saalordnern. Mit Blaulicht voraus sucht der Konvoi des Parteichefs das Weite, da haben sie drinnen noch kaum gemerkt, dass die Veranstaltung zu Ende ist.

Schnell weg aus Passau: Es ist ihm ja kaum zu verübeln. Dieser Aschermittwoch, laut und krawallig, das Hochamt der knallhart Konservativen, ist einfach nicht sein Ding. Triste Erfahrung der Vorjahre: Mal bricht die Stimme, mal streckt ihn eine Erkältung fast nieder, mal gerät der Stammtisch in Schieflage, weil Parteivize Peter Gauweiler zu sehr als Russenversteher am Pult auftritt. Seehofer lässt die Veranstaltung heuer tapfer über sich ergehen, mehr nicht. Mit gerade mal 30 Minuten beteiligt er sich, lässt die Hälfte seines Manuskripts spontan weg. Das schont die Stimme – und die Stimmung, die andere Redner hier besser anheizen können.

Passau ist einer der wenigen Termine, wo Seehofer, sonst Leitwolf und Alleinunterhalter in der CSU, die Hilfe seiner Parteifreunde einfordert. Mit der vor Jahren geborenen Idee, die Redezeit aufzuteilen, kann er sich vor einem zweistündigen Poltermarathon bewahren. Ein paar Anmerkungen nur macht er, frotzelt über die Opposition („Herr, lass es Hirn regnen“) und versucht eine klare Kante in der Asylpolitik. „Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt“, erklärt er, zitiert damit aber auch nur einen Landrat seiner Partei.

Nebenbei lästert er in seiner Rede über den Passauer Politik-Professor Heinrich Oberreuter, der just zu diesem Tag düster orakelt hatte, in 15 Jahren werde es dieses Polit-Format eh nicht mehr geben. Seehofer nerven solche Querschüsse ganz arg. Oberreuter kontert auf seine Art: Er nennt die Rede „stinklangweilig“.

Es ist nicht so, dass sie Seehofer im Saal nicht mögen würden. Aber Euphorie unter den Hundertprozentigen, die früher schon mal minutenlang „Oh, wie ist das schön“ sangen, erzeugt er nicht. Man merkt das am Ehepaar Spreng aus der Nähe seiner Heimat Ingolstadt, sie haben die „Horst“-Plakate vom letzten Jahr überklebt und fordern nun wieder „Karl Theodor“. Oder an den ganz Vogelwilden aus Peine, die jedes Jahr durch die Republik reisen. Ihr Anführer Uwe Wehrspaun, das 22. Mal dabei, mault über Seehofers Energiepolitik: „Da bauen wir bei uns schon diese Dinger hin, diese Windräder, und er nimmt’s nicht ab.“

Mit den anderen Rednern reicht’s für einen munteren Vormittag. Zumal die CSU eh rhetorisch abrüstet. Die Selbstbejubelungs-Plakate an der Wand, von der Parteizentrale verordnet und früher jenseits der Grenze der Peinlichkeit, sind heute moderat. Der erste Redner Manfred Weber streut bewusst auch Nachdenklicheres ein, versichert der Ukraine die Solidarität und wirbt für einen positiven Umgang der CSU mit Europa. Die Befürchtung mancher Kritiker, die Halle würde da wegdösen, tritt nicht ein.

Auch Edmund Stoiber, der praktisch die Hauptrede hält, trifft den Ton. Dabei schimpft er gar nicht in erster Linie, sondern redet der Union ins Gewissen. Sie solle die AfD stärker attackieren, „genau wie wir die Republikaner aufs Korn genommen haben“, bittet er dringend. Der alte Strauß-Satz gelte, dass sich rechts von der CSU dauerhaft keine demokratische Partei etablieren dürfe. Stoiber warnt davor, bei einem Kurs der Mitte das konservative Kernklientel zu vergessen. „Es gibt viele Bürger, die meinen, sie kommen mit ihrer Lebensperspektive gar nicht mehr vor.“ Stoiber appelliert dringend an die Republik, nicht stehen zu bleiben. „Das Wohlfühlen von heute in Deutschland sichert nicht den Wohlstand von morgen.“

Eigentlich ist das eine sehr klare Ansage an die Merkel-Union. Er verschärft sie noch, indem er sich glasklar von ihrem Satz distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. „Den Satz mache ich mir keinesfalls zueigen. Er ist falsch.“ Muslime gehörten zu Deutschland, „ja, das ist keine Frage“. Aber für die alle habe die „deutsche Leitkultur“ zu gelten: „Rechtsstaat, nicht Scharia“, wer ein Kalifat errichten wolle, „muss raus“.

In Rage redet sich Stoiber auch in seinen Passagen über die griechische Regierung aus Links- und Rechtsextremen, ihre „Rüpelpolitik“ und den Ruf nach mehr Anstand. Da wackeln die Mikrofone am Pult wieder, seine Arme wirbeln durch die Luft, die Stimme überschlägt sich – was in Passau das Publikum verzückt, nicht belustigt.

Große Jubelstürme der gut 3000 bleiben diesmal aus, auch für Stoiber, der mal wieder betont, heuer seine letzte, aber nun wirklich allerletzte Passau-Rede zu halten. Bevor er aber die Bühne verlässt, gibt er der CSU noch eine Ermahnung mit, die harmloser klingt als sie ist. Er erinnert die CSU-Größen an ihre „Pflicht“, nicht primär an sich zu denken. „Wenn wir zusammenhalten, lieber Horst, dann ist die CSU weiter unschlagbar“, sagt Stoiber. Die Worte dürften an die Kronprinzen gerichtet sein, nicht vorzeitig auf die Macht zu hoffen und so Brüche zu riskieren.

Auch wenn das für den „lieben Horst“ die Nebenwirkung hätte, dass er bis zu seinem geplanten Abschied im Herbst 2018 noch drei Aschermittwoche über sich ergehen lassen muss.

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