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Angela Merkel mit Horst Seehofer und den Generalsekretären Andreas Scheuer und Peter Tauber

„Gehören nicht mehr zusammen“

„Verlogen“: Stoibers Ex-Berater ätzt gegen CDU-CSU-Gipfel

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München/Berlin - Michael Spreng war Stoibers Wahlkampfleiter. Nun ätzt er gegen eine „verlogene“ Versöhnung der Union - und zeigt Verständnis für Wähler, die zur SPD abwandern.

An Einigkeit und Geschlossenheit, zumindest aber an einer Art Burgfrieden arbeiten CDU und CSU bis Montagabend bei ihrem Spitzentreffen in München. Auch Ergebnisse gibt es schon vorzuweisen. Die Parteispitzen haben Angela Merkel offiziell zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin gekürt. Wichtiger noch: Der Streit über die „Flüchtlings-Obergrenze“ soll bis nach der Bundestagswahl im September ruhen.

Glaubwürdig finden dieses Konstrukt und den „Friedensgipfel“ als solchen allerdings nicht alle: Ausgerechnet ein früherer CSU-Insider hat bereits am Wochenende ein kräftiges publizistisches Störfeuer abgefeuert. Michael Spreng, einst Bild am Sonntag-Chefredakteur, vor allem aber 2002 Edmunds Stoibers Wahlkampfleiter, watschte die Unionsparteien auf seinem Blog sprengsatz.de für ihren Schulterschluss im Wahljahr kräftig ab.

Seehofer - verwirrender als ein Oktoberfestrausch?

Sprengs rüde These: Das Treffen sei “eine der verlogensten politischen Veranstaltungen des Jahres“. Nur der „gemeinsame Machterhaltungstrieb“ halte CDU und CSU zusammen - und damit etwas, „was eigentlich nicht mehr zusammengehört“.

Nicht geheuer ist Spreng offenbar vor allem die Wiederannäherung der Christsozialen an Merkel: „Eineinhalb Jahre lang wiegelte CSU-Chef Horst Seehofer seine Anhänger gegen die Kanzlerin auf, warf ihr eine Herrschaft des Unrechts und Verfassungsbruch vor, um sie jetzt mit Applaus zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin auszurufen“, schreibt der gebürtige Hesse: „Das wird manchem Bayern den Verstand mehr verwirren als die Biere auf dem Oktoberfest.“

Der Politik-Berater, der einst für die Union auf Stimmenfang ging, scheint diesmal sogar beinahe eine Wahlempfehlung für den SPD-Kandidaten auszusprechen: „Angesichts dieses unwürdigen Treibens ist es kein Wunder, dass sich viele Wähler nach einem glaubwürdigen und authentischen Mann wie Martin Schulz sehnen“, konstatiert er.

Video: CSU erteilt Merkel ihren Segen

Ex-Wahlkampfleiter hält Spaltung der Union für möglich

Eine drastische Prognose für die politische Landschaft nach der Bundestagswahl hat Spreng auch noch parat: Spannend werde es, falls die Union so viele Stimmen erhalte, dass ohne sie keine Mehrheit gebildet werden könne, schreibt er. Denn dann käme das verdrängte Thema „Obergrenze“ womöglich mit erstaunlichen Auswirkungen wieder auf die Agenda, prophezeit Spreng:

„Denn Seehofers CSU will kein Bündnis eingehen, das keine Obergrenze vereinbart. Und er lehnt eine Koalition mit den Grünen ab. Das hieße in der letztlichen Konsequenz, dass die CSU in die Opposition gehen müsste und der verlogene Friedenstraum von CDU und CSU endgültig zerplatzen würde.“ Ein „Schaden“ für Deutschland wäre das gleichwohl nicht, ätzt Spreng. CDU und SPD könnten ohnehin erfolgreicher zusammenarbeiten als CDU und CSU, meint er.

Über die Ergebnisse des Spitzentreffens von CDU und CSU hält Sie unser News-Blog auf dem Laufenden.

fn/Video: snacktv

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