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Politiker fordern juristische Konsequenzen für Skandal-Rapper Bushido.

Wowereit stellt Strafanzeige

Grüne über Bushido-Song: "Aufruf zum Mord"

München - Politiker fordern juristische Konsequenzen für Bushido wegen dessen Skandal-Song. Anzeige ist bereits gestellt. CSU-Chef Horst Seehofer gibt sich unterdessen gelassen.

Bushidos neues Lied „Stress ohne Grund“ könnte für Minderjährige verboten werden. Am Montag seien entsprechende Anträge gegen die CD und das im Internet noch einsehbare Video eingegangen, sagte die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Elke Monssen-Engberding. Die Behörde kann Lieder auf den Index stellen – dann dürfen sie nur Volljährigen zugänglich sein.

Zusätzlich muss der 34 Jahre alte Berliner Rapper (bürgerlich: Anis Mohamed Youssef Ferchichi) mit juristischen Konsequenzen rechnen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stellte Strafanzeige. Auf einigen Internetseiten ist das Video zu dem gemeinsam mit Rapper Shindy aufgenommenen Lied bereits gesperrt. Der Song enthält Tötungs- und Gewaltfantasien sowie schwulenfeindliche Parolen. Neben Wowereit werden auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, der Comedian Oliver Pocher und die Grünen-Chefin Claudia Roth namentlich genannt, voller Hass beleidigt oder ihnen gar mit dem Tod gedroht (wir berichteten).

Diese Inhalte hätten Wowereit zu rechtlichen Schritten bewogen, sagte der stellvertretende Berliner Senatssprecher Bernhard Schodrowski. Zum konkreten Tatvorwurf der Anzeige äußerte er sich nicht – offenbar geht es aber unter anderem um Beleidigung. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeige zunächst nicht.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, wertete den Liedtext im Radiosender NDR Info als Aufruf zum Mord an konkreten Personen. Auf eine solche Hetze folge in Deutschland normalerweise eine strafrechtliche Sanktion, sagte er. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft das Lied bereits seit dem Wochenende. Der Song gehöre „schnellstens auf den Index“ äußerte sich Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU). Bushido bettele mit seinem „menschenverachtenden Machwerk“ um Aufmerksamkeit. „Diese verbale Gewaltorgie muss sich niemand bieten lassen“, sagte Henkel.

Beck betonte, Bushido handele aus „purer Lust an der Provokation“. „Weil er musikalisch und künstlerisch nicht viel drauf hat, ist er immer darauf angewiesen, sich durch Aufmerksamkeitserzeugung ins Gespräch zu bringen.“ Beck forderte auch von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ein klares Wort – schließlich tauche er auf vielen Fotos mit Bushido auf. Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) verlangte gegenüber dem Hessischen Rundfunk (HR), Bushido sollte der Bambi für Integration aberkannt werden. Bushidos Lieder seien menschenverachtend, beklagte auch Schlagersänger Heino in der „Bild“-Zeitung. Der Rapper müsse „in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden“. „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel verteidigte die Auszeichnung für Bushido. Sie beziehe sich auf Projekte, ür die sich der Rapper zum damaligen Zeitpunkt eingesetzt habe. „Die Jury ist nicht verantwortlich für den Weg, den ein Preisträger in den Jahren nach der Auszeichnung einschlägt“, wird Riekel in der „Bild am Sonntag“ zitiert.

Die CSU indes reagiert eher schulterzuckend auf den Skandalrapper. Man solle „eine gewisse Gelassenheit und Ruhe gegenüber solchen Dingen walten lassen“, sagt Parteichef Horst Seehofer. Er bekundet, sich mit Bushidos Liedgut und den Artikeln darüber nicht auseinandergesetzt zu haben. Allerdings habe er sich auch das gemeinsame Foto von einem Ball vor drei Jahren nicht gewünscht. „Er ist mir zugeführt worden. Wir haben uns begrüßt, kein tiefergehendes Gespräch. Mehr gibt’s zwischen Bushido und Horst Seehofer nicht.“

Die Chefin der Jungen Union, Katrin Albsteiger, spricht zwar von „Geschmacklosigkeiten“ Bushidos. Kritik daran sei gerechtfertigt, von SPD und Grünen sei das aber verlogen. „Wenn der Papst mal wieder auf einem ,Titanic‘-Cover beleidigt wird, hört man nichts von Roth oder Wowereit“, sagte Albsteiger unserer Zeitung.

Drei von Bushidos Alben stehen bereits auf dem Index. Über die Indizierung des neuen Songs entscheidet ein ehrenamtliches Gremium. Zuvor hat die Plattenfirma eine mehrtägige Frist zur Stellungnahme. Es könne daher rund eine Woche dauern, bis das Lied gesperrt werde, sagte Monssen-Engberding. Auf dem Index stehen beispielsweise Lieder, die zu Gewaltverbrechen aufrufen oder Menschen wegen ihres Geschlechts oder der sexuellen Neigung diskriminieren. Indizierte Titel dürfen nur an Kunden über 18 Jahren verkauft werden. An für Kinder und Jugendliche zugänglichen Orten dürfen sie nicht ausgestellt und beworben werden. Auch Bushido selbst will nun seine Anwältin einschalten. Auf Twitter kündigte er an, Abmahnungen an eine Zeitung verschicken zu wollen. Gründe nannte er nicht.

von Theresa Münch und Christian Deutschländer

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