+
Das Atomkraftwerk in Philippsburg. Das baden-württembergische Umweltministerium will den Betrieb der derzeit stillstehenden Anlage daher bis auf Weiteres untersagen. Foto: Uwe Anspach/Archiv

Mitarbeiter täuscht Kontrollen in Kernkraftwerk nur vor

Ein Mitarbeiter soll im Atomkraftwerk Philippsburg 2 Messeinrichtungen für Strahlenschutz kontrollieren. Nun stellt sich heraus: Er täuschte die Überprüfung nur vor - für den weiteren Betrieb des AKWs hat das Folgen.

Karlsruhe (dpa) - Im Atomkraftwerk Philippsburg 2 sind Sicherheitskontrollen nur vorgetäuscht worden. Das baden-württembergische Umweltministerium will den Betrieb des Kraftwerks daher bis auf Weiteres untersagen.

Es ist derzeit wegen einer turnusmäßigen Revision ohnehin nicht am Netz. Wie das Ministerium mitteilte, hatte der Betreiber EnBW bei Untersuchungen festgestellt, dass ein Mitarbeiter eine wiederkehrende Prüfung an einem Störfallmonitor zwar in einem Prüfprotokoll dokumentiert, tatsächlich aber gar nicht durchgeführt hatte.

Nachforschungen ergaben demnach zudem, dass die Kontrolle in sieben weiteren Fällen nur vorgetäuscht wurde. Der Energiekonzern betonte, die Funktionstüchtigkeit der Einrichtungen sei gewährleistet. Das habe durch frühere und spätere Prüfungen nachgewiesen werden können. Der Mann war demnach über einen externen Dienstleiter im Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg beschäftigt.

Das Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde reagierte mit einer aufsichtlichen Anordnung. Damit solle EnBW nach einer noch ausstehenden Anhörung vorläufig untersagt werden, das Kraftwerk wieder anzufahren.

"Meines Wissens nach ist es das erste Mal, dass eine vorgeschriebene Prüfung in einem deutschen Kernkraftwerk offenbar bewusst vorgetäuscht wurde", erklärte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). "Das ist hochgradig beunruhigend und nicht akzeptabel."

Nach derzeitigem Kenntnisstand hätten die vorgetäuschten Prüfungen zwar keine sicherheitsrelevanten Auswirkungen und auch die Emissionsüberwachung sei gewährleistet gewesen. "Aber bevor die EnBW nicht nachgewiesen hat, dass die Anlage vorschriftsmäßig und sicher betrieben wird, darf sie nicht mehr angefahren werden. Außerdem erwarte ich von der EnBW Vorkehrungen, um solche Täuschungen künftig auszuschließen", erklärte Untersteller.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Russland verlängert Aufenthaltserlaubnis für Snowden
Der Whistleblower Edward Snowden ist seit mehr als drei Jahren auf der Flucht vor den US-Behörden. Nun wurde seine Aufenthaltserlaubnis in Russland um weitere drei …
Russland verlängert Aufenthaltserlaubnis für Snowden
Höcke löst mit Kritik an Holocaust-Gedenken Empörung aus
Björn Höcke ist für gezielte Provokationen bekannt. Schon oft hat sich der Thüringer AfD-Chef mit rechten Sprüchen hervorgetan. Mit einer Rede in Dresden testet er …
Höcke löst mit Kritik an Holocaust-Gedenken Empörung aus
US-Botschafter: „Gott sei Dank gibt es Merkel“
Berlin - Bei Donald Trump sorgt Angela Merkels Politik nicht gerade für Begeisterungsstürme. Viele Menschen in Amerika sehen das aber anders. Der Berliner US-Botschafter …
US-Botschafter: „Gott sei Dank gibt es Merkel“
Manning begnadigt: Assange will vorerst nicht in die USA
Stockholm - Komme Whistleblowerin Chelsea Manning frei, lasse er sich an die USA ausliefern, hatte Julian Assange verkündet. Jetzt macht der Wikileaks-Gründer einen …
Manning begnadigt: Assange will vorerst nicht in die USA

Kommentare