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Martin Sonneborn gründete 2002 die Satire-Partei „Die PARTEI“.

Rede im EU-Parlament

Satiriker Sonneborn äußert sich zu Syrien-Angriff - und empört damit Facebook-User

Auch Satire-Politiker Martin Sonneborn äußerte sich zum Angriff in Syrien. Und zwar in einer kurzen satirischen Rede im Europäischen Parlament, die er auf Facebook postete. Viele User fanden sie aber nicht so lustig.

Straßburg - Lange hatte man von ihm nichts gehört. Am Dienstagvormittag veröffentlichte Martin Sonneborn dann aber ein kurzes Facebook-Video seiner Rede im Europäischen Parlament, dessen Mitglied er seit 2014 mit seiner Satire-Partei „Die PARTEI“ ist.

Die Rede dauerte zwar nur eine Minute, allerdings gelang es Sonneborn auch in kurzer Zeit, eine deutliche Meinung über den Anschlag in Syrien zu liefern. Oder wie er selbst auf seiner Facebook-Seite schrieb: „Wenn man nur eine Minute Zeit hat, kann man viele Probleme Europas nur in aller Kürze anreißen ... Smiley!“

Zugegeben: Ein bisschen Hintergrundwissen ist hier nötig, um die sarkastischen Anspielungen Sonneborns zu verstehen. Fangen wir also von vorne an mit den Zitaten des Satire-Politikers und erklären sie:

„Lieber Graf, wenn Sie in den Krieg ziehen wollen, niemand hindert sie“: Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff hatte in den letzten Tagen die Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel an eine deutsche militärische Beteiligung in Syrien stark kritisiert. Im Bundestag sagte er: "Wenn Frankreich, Großbritannien und Amerika der Meinung sind, in einer solchen Situation ein militärisches Signal senden zu müssen, dann ist das vor dem Hintergrund dieses fürchterlichen Chemiewaffenangriffs eine Entscheidung, die wir als Freie Demokraten auch nachvollziehen können."

„Fallschirmspringen hat ja eine gewisse Tradition in der FDP“: Hier bezog sich Sonneborn auf den Fall des FDP-Politikers Jürgen Möllemann, der 2003 bei einem Fallschirmsprung gestorben war. Gerüchten zufolge könnte es sich dabei um einen Suizid gehandelt haben, nachdem Möllemann durch illegal gestückelte Parteispenden und ein anti-israelisches Flugblatt in die Kritik geraten war.

„Die Bundeswehr können wir allerdings nicht mitschicken, die ist kaputt“: Dem jährlichen Bericht des Wehrbeauftragten des Bundestages zufolge, hat die Bundeswehr gerade mit „Lücken bei Personal und Material in allen Bereichen“ zu kämpfen. Demnach seien 21.000 Dienstposten von Offizieren und Unteroffizieren nicht besetzt und es fehle an Führungspersonal, Ausbildern und Spezialisten. Außerdem seien alle U-Boote der Marine zum Jahresende 2017 außer Betrieb gewesen.

„Wie wollen Sie (Macron) sich vor Voltaire und Diderot rechtfertigen?“: Auch die französischen Luftstreitkräfte haben vergangenen Samstag zusammen mit USA und Großbritannien strategische Ziele für die Herstellung von Chemiewaffen in Syrien angegriffen. Sonneborn warf Macron hier vor, ohne Beweise angegriffen zu haben. Das sei gegen die Prinzipien der Väter der Aufklärung Voltaire und Diderot, sagte Sonneborn. Als Franzose müsse Macron zuerst „aufklären und dann schießen - nicht umgekehrt!“

„Fragen Sie doch Ihre Frau, die könnte mit beiden (Voltaire und Diderot) noch persönlich bekannt gewesen sein ...“: Hier wurde Sonneborn persönlich: Die Anspielung bezog sich auf den Altersunterschied zwischen dem französischen Präsidenten und seiner Frau. Brigitte Macron ist nämlich 65, ihr Mann 40. 

Reaktionen im Netz

Das Video sorgte für viele unterschiedliche Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Einerseits wird Sonneborn von den Usern gefeiert: „Wenn es eine Satire-Partei braucht, um gesunden Menschenverstand in Parlamente zu bringen“, schrieb zum Beispiel ein User. 

Viele fanden aber die Anspielung mit dem Fallschirmsprung und dem Altersunterschied etwas unangebracht: „Schade. Ein nahezu perfekter Kommentar. Satire darf sicher auch nach unten treten - aber elegant ist das nicht“, kommentierte eine Userin. Andere fragen sich, ob der Satire-Politiker es nötig hatte, Leute für einen Lacher persönlich anzugreifen.

fm

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