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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Kommentar

Streit mit Fridays for Future: Siemens wählt die Cholera

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Die Schmähungen, die sich Siemens-Chef Kaeser jetzt von der Fridays-for-Future-Bewegung gefallen lassen muss, sind nur ein Vorgeschmack auf kommende Schlachten um Geschäft, Klima und Moral, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera. Am Ende hat er sich klugerweise für die weniger tödlich verlaufende Cholera entschieden: Der Konzern steht nun doch zum zugesagten Bau der umstrittenen Zug-Signalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien. Alles andere hätte dem Vertrauen in die Vertragstreue des Weltkonzerns irreparablen Schaden zugefügt; dagegen wären die 20 Millionen Euro Umsatzausfall für das Australien-Projekt nur Peanuts gewesen.

Ein Fleck auf der weißen Weste des Münchner Vorzeigeunternehmens

Dafür muss sich der Siemens-Boss nun die Schmähungen der Fridays-for-Future-Bewegung gefallen lassen, und das zu Recht: Wie kaum ein anderer Wirtschaftsführer gibt Kaeser den Moralapostel. Gerne ließen sich der Konzern und sein Vorstandsvorsitzender für ihr Versprechen feiern, bis 2030 klimaneutral zu werden. Zu solchen Beteuerungen will so gar nicht passen, dass der Hightech-Riese inmitten einer Feuerkatastrophe die Hand zum Bau eines Kohlewerks in Australien reicht. Das ist ein Fleck auf der weißen Weste des Münchner Vorzeigeunternehmens.

Die Klimabewegung hat eine Niederlage erlitten. Aber eine, die sie noch stärker macht: Siemens und andere Konzerne werden sich künftig dreimal überlegen, welche Projekte sie der Öffentlichkeit vermitteln können – und schon beim leisesten Zweifel ausländischen Konkurrenten den Vortritt lassen. Die deutsche Greta Luisa Neubauer hat ihre Rolle als Weltenrichterin gefunden, und diese Macht wird sie ausspielen. Längst hat die globale Fridays-for-Future-Bewegung Deutschland als Hauptaktionsfeld identifiziert: Kaum wo sonst sind die Menschen so umweltbewusst wie hier – aber auch nirgendwo sonst findet die Prophezeiung des bevorstehenden Weltuntergangs so viele Gläubige wie im Land der „German Angst“. Dieses Erregungspotenzial werden Greta, Luisa und ihre Aktivisten nach Kräften ausschöpfen. Der Fall Siemens gibt nur einen Vorgeschmack auf die noch folgenden Schlachten um Geschäft, Klima und Moral. Es kann auch zum Problem werden, wenn Politik und Unternehmen nur noch nach dem Taktstock einer lautstarken Lobbygruppe tanzen.

Lesen Sie auch: „Deutsche Greta“ tobt wegen Siemens: „Unentschuldbarer Fehler“ - so viel hätte sie im Aufsichtsrat verdient

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