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Norbert Blüm im Zelt in Idomeni

Reiner PR-Gag? Norbert Blüms Nacht in Idomeni 

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Norbert Blüms Nacht in Idomeni wird als reiner PR-Gag kritisiert. Doch was man auch von der Aktion halten mag: Der ehemalige Arbeitsminister ging schon öfter dahin, wo er Menschenrechte gefährdet sah.  

Norbert Blüm kennt den Spott. „Die Rente ist sicher“, diese vier Worte sind ihm zig mal um die Ohren geflogen. Gesagt hat er sie 1997 als CDU-Arbeitsminister in der Regierung von Helmut Kohl. Blüm war irgendwann zuallererst der, der diesen einen Satz ausgesprochen hat. Seit vergangenem Wochenende ist Blüm auch noch der, der bei den Flüchtlingen geschlafen hat. In einem Zelt hat der 80-Jährige eine Nacht im Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze verbracht.

Manche halten das für eine tolle Solidaritätsbekundung mit Menschen in Not. Andere finden es geschmacklos. Die ehemalige Grünen- und CDU-Bundestagesabgeordnete Vera Lengsfeld schreibt auf ihrer Homepage über Blüm: „Er flog Erster Klasse nach Griechenland und ließ sich nach Idomeni chauffieren, um pressewirksam in einem Flüchtlingszelt zu übernachten. Nachdem die Fotos im Kasten waren, kehrte er sogleich in seine Bonner Luxusvilla zurück.“ Tatsächlich hatte Blüm ein Fernsehteam dabei. Die gesendeten Bilder sehen allerdings nicht nach Luxusreise aus. Auch in den sozialen Netzwerken ist die Aktion ein Streitthema. „Fassungslos was für eine Plattform dem Greis da geboten wird“, schreibt jemand auf Facebook. Der Spott ist wieder da.

Und dann die Sache mit dem Flugblatt, das den Flüchtlingsmarsch am Montag ausgelöst hatte, an dessen Ende drei Menschen ertrunken waren. „Kommando Norbert Blüm“ stand in RAF-Duktus auf dem Papier. Als das passierte, war Blüm bereits zurück in Deutschland, mit den Flugblättern will er nichts zu tun haben, distanziert sich. Man darf ihm das wohl glauben. Wo das Flugblatt herkam, wisse niemand, sagt die Münchnerin Sophia Maier, die selbst als Helferin dabei war. Aber natürlich seien unter den Helfern auch Aktivisten, die ihre Sache radikaler vertreten. „Nicht jeder will nur Schuhe verteilen“, sagt Maier.

Blüm sagte diese Woche in seinen Fernsehauftritten Sätze wie diesen: „28 Staatsmänner kommen zusammen und diskutieren zwei Nächte lang über die Sozialleistungen von Großbritannien, damit die bei Laune bleiben, während zugleich die Menschen im Mittelmeer ertrinken.“ Man kann das für Unsinn halten. Aber der Vorwurf, Blüm sei plötzlich eingefallen, wie wichtig ihm Menschenrechte sind, ist falsch. Blüm war Ende der 90er im Sudan, Blüm war nach dem zweiten Golfkrieg im Irak, Blüm kritisiert die Palästina-Politik Israels. Ende der 80er setzte er sich für Regimegegner in Chile ein. Es heißt, auch die Idee, im Zelt zu schlafen, sei von ihm selbst gekommen, nicht etwa vom Fernsehteam. Blüm war nie nur der mit dem Renten-Satz.

Sophia Maier hat Norbert Blüm durchs Camp geführt. Sie habe schon den Eindruck gehabt, dass er Aufmerksamkeit erregen wollte, sagt sie. „Aber nicht für sich, sondern die Sache.“

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