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Die Verteidiger von Beate Zschäpe (2.v.r.), Wolfgang Heer (r), Wolfgang Stahl und Anja Sturm im Saal des Oberlandesgerichts in München.

Fortsetzung des Prozesses

NSU-Nebenkläger wollen Aussage von V-Mann-Führer

München - Nebenkläger im NSU-Prozess haben Akten des Thüringer Verfassungsschutzes entdeckt, die als vernichtet galten. Mit deren Hilfe soll die Rolle eines führenden mutmaßlichen Unterstützers und V-Mannes im NSU-Umfeld untersucht werden.

Im Münchner NSU-Prozess haben Nebenkläger die Zeugenvernehmung eines früheren Beamten des Thüringer Verfassungsschutzes beantragt. Er soll einen V-Mann geführt haben, der zum engsten Umfeld des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) gehört haben soll. In ihrer Begründung verwiesen die Nebenkläger am Dienstag auf Akten, die beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln liegen sollen. Es handele sich um „mindestens 69 Deckblattmeldungen mit Quellmeldungen“, sagte Rechtsanwalt Alexander Hoffmann. Der Verfassungsschutz in Thüringen habe diese Unterlagen „rechtswidrig vernichtet“. Sie galten bisher als nicht mehr greifbar.

Die Verteidigung von Beate Zschäpe protestierte gegen Hoffmanns Antrag mit der Begründung, er bringe keine relevanten Erkenntnisse für die Urteilsfindung. Der Nebenkläger betreibe „Missbrauch des Beweisantragsrechts“. Bundesanwalt Herbert Diemer sprang dem Nebenkläger dagegen bei und wollte „einen Missbrauch nicht erkennen“. Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe die Mittäterschaft an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden des NSU vor.

Bei dem mutmaßlichen V-Mann handelt es sich um den früheren Anführer der thüringischen „Blood & Honour“-Sektion. Nach Überzeugung der Nebenklage spendete er Einnahmen aus einem rechtsradikalen Konzert in Höhe von 1000 Mark an das abgetauchte Trio. Er habe außerdem engen Kontakt zur „Kameradschaft Jena“ gehalten, der Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt angehörten. An Böhnhardt soll er einen Anwalt vermittelt haben.

Als Zeuge hatte der Mann an einem früheren Verhandlungstermin bestritten, Zuträger des Verfassungsschutzes zu sein. Das Gericht schenkte dieser Aussage aber keinen Glauben, weil es vom thüringischen Innenministerium eine Aussagegenehmigung für ihn erhalten hatte. Die Bundesanwaltschaft hatte angekündigt, den Verdacht einer Falschaussage gegen den Mann prüfen zu wollen.

Zu Beginn des Verhandlungstages hatte ein Waffenexperte des Bundeskriminalamtes nahegelegt, das NSU-Trio könne über mehr Waffen verfügt haben als bisher bekannt. Das folge aus der Untersuchung von Munitionsresten. Sie seien teilweise von Waffen abgefeuert worden, die nicht zum Bestand der bisher festgestellten 20 NSU-Waffen gehören.

Unklarheit herrscht weiter über den Gesundheitszustand von Beate Zschäpe. Das Gericht sagte am Dienstag drei geplante Sitzungstermine im Juni ab und will entgegen der Planung vorerst weiter nur zweimal pro Woche verhandeln. Eine erneute Untersuchung verzögere sich wegen des Urlaubs des Gerichtsarztes.

dpa

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