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Mike Schier.

Kommentar

Streit um Helmut Kohl: Ein Trauerspiel

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Nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl beginnt nun das unwürdige Hickhack um die Trauerfeier für den großen Staatsmann. Ein Trauerspiel meint unser Autor Mike Schier.

Die staatstragenden Nachrufe auf den großen Politiker Helmut Kohl sind kaum verklungen, da gewinnt die andere, die kleingeistige Seite des Alt-Bundeskanzlers und seiner völlig zerstrittenen Familie die Oberhand. Niemand kann von außen seriös beurteilen, ob die gängige Lesart, allein der Witwe Maike Kohl-Richter sei die öffentliche Eskalation anzulasten, auch die richtige ist. Doch egal, was auf den Altkanzler, der nie vergaß und selten verzieh, selbst zurückgeht und welchen Anteil seine Söhne an der Eskalation haben: Die unwürdige Inszenierung an der Haustür von Oggersheim schadet dem Renommee des verstorbenen Altkanzlers ebenso wie die peinlichen Ausbootungsversuche von Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel bei der Trauerfeier.

Man mag einwenden, Familienzwist sei auch bei einer Person der Zeitgeschichte eine private Angelegenheit. Doch in Oggersheim wird leider nicht nur um Kohls Vermögen gestritten, sondern auch um sein Vermächtnis. Das unwürdige Gezerre ums Private legt den Verdacht nahe, dass es auch bei der historischen Aufarbeitung der vielen Akten im Besitz des Staatsmanns nicht ganz sauber zugehen könnte. Erst recht bei dieser Vorgeschichte: 1998 hatte Kohl seine Privatakten der Konrad-Adenauer-Stiftung zukommen lassen, 2010 holte er sie wieder ab. Nun will sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner eine eigene Stiftung für die Verwaltung der mindestens 400 Aktenordner gründen. Dagegen wäre nichts zu sagen – doch entscheidend wird letztlich die Frage sein, wer in den Gremien sitzt, die über die Verwendung entscheiden.

Als mahnendes Beispiel dient Willy Brandt, dessen Witwe Brigitte Seebacher schon 1992 versuchte, die alleinige Deutungshoheit über die Akten ihres Mannes zu bekommen – und so das Bild des Politikers korrigieren wollte. Bei Kohl, der schon zu Lebzeiten keine Schatten auf seinem Geschichtsbild duldete (und die Namen der Parteispender verschwieg), ist Wachsamkeit angeraten.

Kohls letzter Wille: Späte Rache und viele Irritationen

Im Video: Bundestag gedenkt Altkanzler Kohl

Video: SnackTV

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