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Die Bergung der radioaktiven Abfälle aus dem bergwerk Asse wird sich über Jahre hinziehen. Foto: Jochen Lübke

Streit um Konzept zur Atommüll-Bergung aus der Asse

Remlingen - Im Bergwerk Asse lagern 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Zurzeit laufen Erkundungsbohrungen für einen neuen Schacht. Über ihn soll der Atommüll zurückgeholt werden.

Bei der geplanten Bergung des radioaktiven Mülls aus dem maroden Atomlager Asse gibt es zwischen den Fachleuten Uneinigkeit, ob sich der bisher anvisierte Weg realisieren lässt.

Konkret geht es um den Bau eines neuen Schachts. Über ihn sollen die 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall aus dem ehemaligen Salzbergwerk bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) zurückgeholt werden.

Fachleute der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" Zweifel, dass sich der Schacht an der vorgesehenen Stelle errichten lässt. Das für die Asse zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weist diese Zweifel jedoch als "wissenschaftlich-technisch nicht haltbar" zurück.

Für den geplanten Schacht 5 laufen gerade Erkundungsbohrungen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften ist in die Untersuchungen eingebunden. Seine Mitarbeiter haben laut BfS im Rahmen regelmäßiger Fachgespräche ein Papier vorgelegt. "Darin wird in einem Fazit die Eignung des Ansatzpunktes für den geplanten Bergungsschacht grundsätzlich in Frage gestellt." Die "Welt am Sonntag" zitiert aus dem Papier die Schlussfolgerung, dass "entgegen der Vorplanungen nicht genügend Salzvolumen (...) für das Abteufen eines Schachtes und der Auffahrung von Infrastrukturräumen zur Verfügung steht".

Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärte jedoch: "Das Papier der BGR liefert keine Erkenntnisse, die den Bau des Schachtes in Frage stellen." Unter den Wissenschaftlern, die an dem Fachgespräch teilgenommen haben, habe Einvernehmen bestanden, "dass die Unterlage in ihren Schlussfolgerungen fachlich nicht fundiert ist und deshalb überarbeitet werden muss".

Die Fässer mit dem radioaktivem Müll sollen nach aktuellem Stand frühestens 2033 geborgen werden. Die Vorbereitungen sind sehr aufwendig. Die Menschen in der Region drängen aber darauf, die Vorgänge zu beschleunigen. Das BfS betonte jetzt erneut: "Nach derzeitigem Stand ist die Rückholung der Abfälle aus der Asse die einzige Option, mit der die Langzeitsicherheit gewährleistet werden kann."

dpa

Stellungnahme BfS zum BGR-Zwischenbericht

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