+
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer.

Bundeswirtschaftsministerium

Stromtrassenbau: Rüge für Seehofers Weigerung

München - Im Streit um den Bau neuer Stromtrassen hat Bayerns Ministerpräsident Seehofer einer Rüge vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten: Eine Autarkie Bayerns sei unrealistisch.

In der Debatte um den Bau neuer Stromtrassen hat das Bundeswirtschaftsministerium den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) wegen seines Alleingangs in die Schranken verwiesen. Die von Seehofer in Frage gestellte Stromtrasse zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern sei "vom Gesetzgeber als vordringliches Leitungsausbau-Vorhaben" in den Bundesbedarfsplan aufgenommen worden, heißt es in einem AFP am Mittwoch vorliegenden Antwortschreiben des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen.

"Diese Leitung soll zukünftig zur ausreichenden Stromversorgung in Bayern und zur Netzstabilität beitragen", erklärte Uwe Beckmeyer (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, in dem Schreiben. Zudem solle sie Leitungen nach Polen und Tschechien "signifikant entlasten", die von ungeplanten Stromflüssen betroffen seien. Konkrete Alternativen zum Bau der Leitung von Bad Lauchstädt nach Meitingen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Bayern lägen der Bundesregierung bislang nicht vor, heißt es in dem siebenseitigen Schreiben weiter.

Ministerium: Autarkie Bayerns weder realistisch noch anzustreben

Wegen der starken Zunahme von Windkraftanlagen an Land könne der erneuerbare Strom in der betroffenen Region schon jetzt "nicht mehr zu jeder Zeit über das vorhandene Drehstromnetz aufgenommen und übertragen werden", erklärte der Staatssekretär. Diese Entwicklung werde sich eher noch verstärken. Beckmeyer reagierte damit auf das von Seehofer vorgebrachte Argument, die Leitung solle vor allem dem Transport von Braunkohlestrom nach Bayern und ins Ausland dienen.

Auf die Frage der Grünen, ab wann Bayern vollständig auf Importe von Strom und insbesondere von Kohlestrom verzichten könne, erklärte das Ministerium: "Eine Eigenversorgung Bayerns ist unter den gegebenen rechtlichen, ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen weder realistisch noch anzustreben." Auch eine Abschaltung der ostdeutschen Braunkohlekraftwerke in den 15 bis 20 nächsten Jahren werde wegen des gleichzeitig erwarteten Zubaus erneuerbarer Energien "voraussichtlich keine Auswirkungen auf die grundsätzliche Notwendigkeit des Baus neuer Stromtrassen nach Bayern" haben.

Grünen-Fraktionsvize: Seehofer gefährdet Energiewende

Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Fraktion, erklärte, die Antwort der Bundesregierung sei "eine schallende Ohrfeige" für Seehofer. Dieser stelle sich durch die Ablehnung der Ost-Süd-Passage gegen ein Gesetz, das er im Bundesrat selbst beschlossen habe. "Frei von energiepolitischem Sachverstand" wettere Seehofer seit Monaten gegen neue Stromtrassen und gefährde damit "nicht nur die Energiewende, sondern viele deutsche Industriearbeitsplätze", erklärte Krischer.

Seehofer hatte im Februar ein Moratorium für den eigentlich bereits beschlossenen Bau neuer Stromtrassen verlangt. Der Netzausbau gehört zu den in jüngster Zeit am meisten diskutierten Folgen der Energiewende. Unter anderem müssen neue Hochspannungsleitungen gebaut werden, um Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands zu bringen. In vielen Gemeinden regt sich Widerstand gegen die Trassen.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Die Hinweise auf die Beteiligung des saudischen Kronprinzen an der Tötung des Journalisten Khashoggi sind vielfältig. Nun kommt auch die CIA zum Schluss, dass Mohammed …
CIA sieht saudischen Kronprinz hinter Tod Khashoggis
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich
Bei Protesten und Straßenblockaden wegen zu hoher Spritpreise ist die Lage in Frankreich am Samstag eskaliert. Mehr als 220 Personen wurden verletzt, eine Frau kam ums …
Proteste und Straßenblockaden wegen hoher Spritpreise eskalieren: Eine Tote und 220 Verletzte in Frankreich
Sachsen-Anhalts CDU lehnt UN-Migrationspakt ab
Seegebiet Mansfelder Land (dpa) - Sachsen-Anhalts CDU hat sich auf einem Parteitag gegen den viel diskutierten UN-Migrationspakt gestellt. Eine Mehrheit der Delegierten …
Sachsen-Anhalts CDU lehnt UN-Migrationspakt ab
Gegen "Untätigkeit" der Regierung: Mehr als 6.000 Demonstranten legen Brücken in London lahm
Gegen die „Untätigkeit“ der Regierung demonstrierten Klimaschützer am Samstag in London. Sie blockierten dabei die Brücken der Stadt. 
Gegen "Untätigkeit" der Regierung: Mehr als 6.000 Demonstranten legen Brücken in London lahm

Kommentare