Repräsentative Studie enthüllt

Knappe Mehrheit der EU-Bürger für muslimischen Zuwanderungsstopp

Eine knappe Mehrheit der EU-Bürger befürwortet einen Zuwanderungsstopp aus muslimischen Ländern. Die Meinungen der breiten Bevölkerung und der Eliten gehen stark auseinander.

London – Wie stehen EU-Bürger zur Einwanderung aus überwiegend muslimischen Ländern? Um das herauszufinden, hat die Londoner Denkfabrik Chatham House Bürger aus zehn EU-Mitgliedsstaaten befragt – und das Ergebnis, das am Dienstag veröffentlicht wurde, ist eindeutig: 56 Prozent befürworten einen Zuwanderungsstopp. Das berichtet unter anderem das Nachrichtenportal Die Welt.

Mehrheit ist für ein Verbot gesichtsverhüllender Kleidung 

Für die Studie mit dem Titel „Europa – ziehen wir (noch) an einem Strang?“ hatten die Macher zwischen Dezember 2016 und Februar diesen Jahres 11.800 Menschen befragt. Darunter waren nicht nur 10.000 repräsentativ ausgewählte Bürger, sondern auch 1800 Meinungsführer aus den Bereichen Politik, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Sie werden als sogenannte „Elite“ Europas bezeichnet.

Betrachtet man die Aussagen von Otto Normalbürgern und der „Elite“ getrennt voneinander, zeigen sich deutliche Unterschiede. Zwar sprechen sich beide Gruppen gegen gesichtsverhüllende islamische Kleidung an öffentlichen Orten und für ein entsprechendes Verbot aus. Allerdings wollen 56 Prozent der 10.000 ausgewählten Bürger einen Zuwanderungsstopp für muslimische Immigranten, bei den Meinungsführern sind es nur 32 Prozent.

„Eliten“ sind liberaler und profitieren von Zuwanderung

Und es gibt weitere Unterschiede zwischen der „Elite“ und der übrigen Bevölkerung: Die Mehrheit der Bevölkerung hat ein negatives Bild von der EU, vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen der Zuwanderung. Sie sprechen sich weniger für ein vereintes Europa als vielmehr dafür aus, dass die EU-Mitgliedsstaaten mehr Befugnisse bekommen sollten.

Rund 71 Prozent der Eliten meinen außerdem, von der EU profitiert zu haben. Bei den Otto Normalbürgern sind es nur etwa ein Drittel. Dass ihr Land vor 20 Jahren ein besserer Ort zum Leben gewesen sei, finden rund 54 Prozent der Bürger. Den Grund dafür sehen die Macher der Studie in der Unzufriedenheit der allgemeinen Öffentlichkeit. Die „Eliten“ hingegen sind nicht nur liberaler, sie profitieren eher von der europäischen Integration.

Eine Flüchtlingsquote wünschen sich vor allem Bürger aus Ländern, die von der Flüchtlingskrise am stärksten betroffen sind. So sprechen sich 68 Prozent der befragten Griechen für ein Quotensystem aus, in Italien sind es 66 und in Deutschland 62 Prozent. Zum Vergleich: Nur 19 Prozent der befragten Ungarn sind dafür. Insgesamt wollen 49 Prozent der Befragten (Elite: 63 Prozent) Aufnahmequoten. Rund ein Viertel (27 Prozent) wünschen sich, dass die Mitgliedsstaaten die Entscheidungshoheit über die Aufnahme von Flüchtlingen haben. Gegen eine Aufnahmeverpflichtung für Flüchtlinge sind 24 Prozent.

Mehrheit möchte keine „Vereinigten Staaten Europa“

Die meisten der Befragten lehnen die Idee der „Vereinigten Staaten Europa“ ab. Im Bezug auf Angela Merkels Flüchtlingspolitik sagen 59 Prozent, dass es richtig war, Deutschlands Grenzen für Migranten zu öffnen. 30 Prozent lehnen die Entscheidung ab.

Wie sich die Stimmung in der EU in Zukunft entwickeln wird? Das lässt sich wohl nicht mit Gewissheit voraussagen. Die Prognose der Forscher allerdings sieht düster aus: Sie glauben, dass rechtspopulistische Bewegungen versuchen werden, die Sorgen der Bürger weiter zu schüren und zu einem breiteren Widerstand gegen die Europäische Union EU aufzurufen. Damit keine Diskussionen entstehen, die die EU bedrohlich wirken lassen, seien „umfassendere Strategien“ nötig.

rm

Rubriklistenbild: © dpa

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