Keine gute Prognose für den Freistaat

Studie malt düsteres Bild von „Bayern 2025“

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München - Bayern nur mittelmäßig – und das vermeldet ausgerechnet die CSU. Eine Studie, kurz präsentiert neulich bei der Partei, zeichnet auch in ihrer Langfassung kein gutes Bild von Bayerns Zukunft.

Das Mittelmaß regiert auf Seite 19. Einkommensverteilung: Nur Platz 9 für Bayern unter den 16 Bundesländern. Start-up-Quote: Nur Platz 8. Internetzugang: Auch nur Platz 8. Wer weißblaue Selbstbejubelungs-Statistiken gewöhnt ist, zuckt zusammen angesichts dieser trüben Plätze in der am Mittwoch veröffentlichten Studie „Bayern 2025“.

Die große Unternehmensberatung McKinsey untersucht auf 100 Seiten, wie der Freistaat dasteht, wenn man mal nicht die klassischen Kennzahlen wie BIP und Exportquote beizieht, sondern „Zukunftsindikatoren“.

Düstere Kernaussage: „Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit kommt Bayern im nationalen und internationalen Vergleich nicht über das Mittelfeld hinaus.“ Nicht alle verwendeten Daten sind aktuell. Die Tendenz ist aber klar: Bayern sei zu wenig innovativ.

3,8 Unternehmensgründungen pro 1000 Einwohnern sind weniger als in Berlin (6,0) oder Hamburg (5,8). Das ließe sich unterschiedlich lesen – die Zahl der Start-ups sagt wenig über deren Qualität, aber vielleicht etwas über stabile Angestelltenverhältnisse und einen guten Arbeitsmarkt.

Zudem ist die Patentrate extrem gut. Die Autoren urteilen allerdings hart: „München hat sich bislang international in der Gründerszene noch keinen Namen gemacht.“ In Wachstumsmärkte wie die Türkei oder Vietnam exportiere Bayern viel zu wenig, nur ein Zwanzigstel des Gesamtvolumens. Zu wenig Schüler aus Nichtakademikerfamilien hätten Chancen, einen Hochschulabschluss zu erwerben. Die Gesundheitsvorsorge sei „mittelmäßig“.

30 bis 40 Prozent der Arbeitsplätze seien von den Auswirkungen der Digitalisierung und anderen Strukturbrüchen betroffen, also in Gefahr. Die Studie bürstet also fast alle Politikfelder ab, auf denen sich die CSU für erfolgreich hält.

Pikant: Ausgerechnet die Grundsatzkommission der Partei präsentierte die Kurzfassung der Studie. Bei ihrem zweitägigen Treffen in Wildbad Kreuth Ende Januar zitierte Kommissionchef Markus Blume bereits daraus.

Für den Münchner dürfte das vor allem ein Instrument sein, um unter medialer Aufmerksamkeit einen möglichst großen Handlungsbedarf begründen zu können – damit es kein Weiter-so in Bayerns Politik gibt. Das wirtschaftliche „Paradies“ sei bedroht, sagte er im Januar, man müsse sich „bewegen und offen der Zukunft stellen“.

Er schreibt gerade das neue Grundsatzprogramm für die CSU und verlangt von der Partei, stärker über den Tag hinaus zu denken. Ein Warn- und Weckruf also gegen Fortschrittsskepsis.

Die Studie fordert, Bayern brauche „einen Aufbruch nach dem Motto ,alte Stärke, neuer Mut‘“. Eine „Agenda“ nennt chancenreiche Handlungsfelder: digitale Weiterbildung, digitale Medizin, eine Vorreiterrolle bei der dezentralen Energieversorgung, eine besser vernetzte und mit endlichen Ressourcen sparsamere „Industrie 4.0“, gleichzeitig aber Erhalt des einmaligen Heimatbewusstseins.

Nebenbei wird die dritte Startbahn als „Leuchtturmprojekt“ genannt. Viel klingt darin so, wie der junge Wirtschaftspolitiker Blume (40) oft spricht. McKinsey liefert - ohne offiziellen CSU-Auftrag - eine umfangreiche Argumentationshilfe.

Politisch absehbar ist freilich auch: In der Außenwirkung dürfte die Studie der Staatsregierung erst mal schaden – die Minister stehen da, als hätten sie die wirklich wichtigen Trends noch nicht erfasst. Die Begeisterung einiger Amtierender wird gering sein.

Rubriklistenbild: © dpa

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