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Muslime beten am New Yorker Flughafen für die Einreisenden, die von Trumps Einreisebann betroffen sind.

Schockierende Studie

So sehr leiden Muslime unter Trumps Politik

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Angstkampagnen, Einreisebann, aggressive Rhetorik: Donald Trump gibt sich offen als Kritiker des Islam. Das hinterlässt Spuren: US-Muslime berichten von mehr Feindseligkeit und Diskriminierung.

Donald Trump ist kein Freund von Muslimen - das ist spätestens klar, seitdem er einen Einreisebann für Menschen aus sechs muslimischen Ländern durchgesetzt hat. Bereits im Wahlkampf sparte der 70-Jährige nicht mit aggressiven und pauschalisierenden Aussagen gegenüber dem Islam. Wie sehr Muslime in den USA darunter leiden, zeigt nun eine repräsentative Studie des „Pew Research Center“ unter Muslimen in den USA. 

Drei Viertel der befragten US-Muslime beklagen eine feindselige Haltung des Präsidenten gegenüber ihrer Religion. Als Barack Obama noch Präsident war, sagten dies nur rund ein Viertel. Mehr als zwei Drittel der Muslime sind zudem besorgt über Donald Trumps Politik, genauso viele sind unzufrieden mit dem Kurs, den das Land unter seiner Führung nimmt. Unter Barack Obama waren noch 56 Prozent zufrieden mit dem Kurs der USA. 

Muslim in den USA? Es ist härter geworden

Die Studie zeigt auch: Mit der Präsidentschaft Trumps nimmt die Diskriminierung von Muslimen zu. 75 Prozent sagen, dass Muslime in den USA sehr oft diskriminiert würden, die Hälfte beklagt, dass sie im letzten Jahr selbst Opfer von Rassismus geworden sind. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gibt an, dass es in den vergangenen Jahren härter geworden ist, als Muslim in den USA zu leben. 62 Prozent finden, Muslime würden nicht als Teil der amerikanischen Mainstream-Gesellschaft akzeptiert. Tatsächlich nehmen Angriffe gegenüber Muslimen in den USA zu, seitdem Trump das politische Geschäft übernommen hat. Viele scheinen sich von seiner vorurteilsgeprägten Politik ermutigt oder bestätigt zu fühlen.

Auf der anderen Seite scheinen viele US-Bürger die islamfeindliche Politik Trumps auch zum Anlass zu nehmen, Muslimen Zuspruch zu schenken. Laut der Studie gibt es eine steigende Anzahl von Muslimen, die aufgrund ihrer Religion Unterstützung zu erfahren: 49 Prozent der befragten Muslime geben an, in den vergangenen zwölf Monaten Zuspruch bekommen zu haben, während 2011 nur 37 Prozent darüber berichteten. 

Argwöhnische Blicke, feindselige Kommentare

Einige Befragte wurden detaillierter zu ihren Erfahrungen von Diskriminierung und Unterstützung befragt. Eine junge Muslima schildert zwiespältige Erfahrungen: Sie habe schon oft argwöhnische Blicke und unverschämte Kommentare gehört, weil sie einen Schleier trug. „Andere Leute haben wirklich nette Dinge über meinen Schleier gesagt, dass er schön ist, oder dass meine Religion schön ist.“ Eine weitere Muslima unter 30 berichtet, dass sie im Bus beschuldigt wurde, eine Terroristin zu sein, weil sie ihr Gesicht mit einem Niqab verhüllte. „Ich trage jetzt keinen Niqab mehr (...). Ich habe von Frauen gehört, die attackiert wurden, weil sie im Bus einen Niqab trugen (...) Wenn du dein Gesicht verhüllst, denken die Leute, du bist gefährlich.“  

Trump setzte schon im Wahlkampf darauf, die Angst gegenüber Muslimen zu schüren. Seine Angstkampagne scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein. Die Studie zeigt: Über 80 Prozent der Amerikaner machen sich mittlerweile Sorgen über Extremismus im Namen des Islam. Muslime sind genauso besorgt darüber wie der Durchschnitt der US-Bürger. 66 Prozent der Muslime sind sogar sehr besorgt - ein viel höherer Wert als in der Gesamtbevölkerung (49 Prozent).  

Muslime sind patriotisch

Trotz allem: Die überwältigende Mehrheit der Muslime ist stolz darauf, Amerikaner zu sein (92 Prozent). Und 70 Prozent glauben, dass man es in den USA zu etwas bringen kann, wenn man hart arbeitet. US-Muslime identifizieren sich also immer noch stark mit dem Land, in dem sie leben - daran konnte Trumps aggressive Rhetorik (noch) nichts ändern.

Muslime sind nicht die einzige Minderheit, gegen die der US-Präsident schießt: Auch gegenüber Transgender gab er sich jetzt knallhart.

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