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Knapp jeder Dritte verlässt die Uni ohne Abschluss. Foto: Waltraud Grubitzsch

Wissenschaftliche Untersuchung

Fast jeder Dritte bricht in der Frühphase sein Studium ab

Studienabbruch ist in Deutschland weit verbreitet, die Quote steigt. Forschungsministerin Wanka muss dafür Kritik einstecken. Über die Gegenmaßnahmen herrscht jedoch weitgehend Einigkeit.

Berlin (dpa) - An deutschen Hochschulen bricht fast jeder Dritte in der Frühphase sein Studium ab. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie stieg die Quote bei Bachelor-Studenten im Vergleich zu früheren Untersuchungen von 28 auf 29 Prozent.

Experten kritisieren die Entwicklung - in einem Punkt sind sich aber alle einig: Es braucht mehr Beratung.

"Man kann das ganz schnöde volkswirtschaftlich sehen: Das ist verlorene Zeit", sagte Bildungsministerium Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung der Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Berlin. Als ehemalige Hochschullehrerin wisse sie jedoch, dass ein Studienabbruch für viele auch ein persönlicher Misserfolg sei, den es zu verhindern gelte.

Knapp die Hälfte aller Abbrecher verlassen die Hochschule in den ersten beiden Semestern, weitere 29 Prozent im dritten oder vierten Semester. "Wichtig ist das Ergebnis, dass die Ursachen für den Studienabbruch oftmals bereits in der Phase vor dem Studium liegen", sagte Wanka. Häufig hätten die Abbrecher falsche Vorstellungen vom Studium. Auch DZHW-Studienleiter Ulrich Heublein sagte: "Die Studienfachwahl ist von hoher Bedeutung."

Schüler müssten frühzeitig über mögliche Ausbildungswege aufgeklärt werden, sagte Wanka. In dieser Legislaturperiode sei deshalb eine Milliarde Euro in die Berufsberatung an Schulen investiert worden. Diese müsse auch über Alternativen wie ein Duales Studium oder eine Berufsausbildung informieren. "Ein Abiturient muss nicht gedrängt und nur beraten werden für das Studium, sondern für die ganze Breite."

Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sah das ähnlich. Ein Hochschulstudium sei "nicht per se der richtige Weg". "Studienabbrecher sind für etliche Betriebe aufgrund ihres höheren Lebensalters, ihres Erfahrungshorizontes und ihres Fachwissens attraktiv." Um einen Studienabbruch zu vermeiden, setzt auch Dercks auf den Ausbau der Berufsorientierung an den Schulen.

Die Unis könnten zur Klärung eines Studienwunsches beitragen, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die notwendige Orientierung könnten große Hochschulen durchaus leisten. Indem die Abiturienten nämlich erst einmal nicht zu einem Studienfach zugelassen werden, sondern zum Studium an der Hochschule generell." Viel zu oft wüssten Erstsemester nicht, was sie an den Unis erwarte, und sie seien dann frustriert über Misserfolge bis hin zum Studienabbruch. Der Studierende solle in der Orientierungsphase zwar Leistungsnachweise erbringen, müsste sich aber noch nicht festlegen.

Der SPD-Bildungsexperte Ernst Dieter Rossmann nannte die Ergebnisse der repräsentativen Studie erschreckend. Sie müssten ein Weckruf für Bundesministerin Wanka sein, mehr für die Studienqualität zu tun. Er stimme dem Gutachten jedoch zu: "Wir brauchen mehr frühzeitige Orientierung und Information über Ausbildung und Studium." Das Problem sei erkannt, aber längst nicht gebannt, sagte Kai Gehring, Hochschulexperte der Grünen. "Es braucht endlich einen Schub für bessere Studien- und Ausbildungsbedingungen und eine bessere Studienberatung."

Studie des Sachverständigenrates SVR-Forschungsbereich

DZHW zum Studienabbruch-Report

BMBF zum Hochschulpakt

BMBF zum Programm "Neue Chancen für Studienabbrecher"

BMBF zum Thema "Zweifel am Studium"

Wissenschafts- und Hochschulforschung WiHo zu "Studienerfolg und Studienabbruch"

DZHW-Studie 2017 (pdf)

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