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Ein S21-Gegner hält ein Protestschild vor den Stuttgarter Hauptbahnhof.

Hermanns düstere Prophezeiung

Stellt S21-Desaster BER bald in den Schatten?

Berlin - Das Mega-Projekt Stuttgart 21 läuft völlig aus dem Ruder. Die Union droht mit einer Klage des Bundes. Und Verkehrsminister Winfried Hermann prophezeit ein größeres Desaster als beim BER.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt hat den Bund und die Bahn aufgefordert, die tatsächlichen Kosten für das umstrittene Projekt Stuttgart 21 offenzulegen. Die Deutsche Bahn AG und Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) müssten endlich die Karten auf den Tisch legen, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Mittwoch. Das interne Papier des Bauministeriums belege offenkundig, dass die Kosten für den umstrittenen Tiefbahnhof unübersehbar und heillos aus dem Ruder gelaufen seien. Es sei nicht akzeptabel, dass dafür nun weitere Milliarden Euro „verbrannt“ würden.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Anton Hofreiter sprach sich unterdessen für einen Verzicht auf das umstrittene Milliarden-Vorhaben aus. „Jetzt ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen und dieses Projekt zu stoppen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch. Es handele sich um ein Fass ohne Boden. Die Milliardenkosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, den dieser Bahnhof vielleicht bringen würde, sagte Hofreiter, der auch Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags ist. „Jetzt wäre ein schnelles Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.“

Unions-Chefhaushälter droht mit Klage des Bundes

Der Chefhaushälter der Unionsfraktion im Bundestag, Norbert Barthle, drohte hingegen mit einer Klage des Bundes gegen das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart. „Es geht letztlich um die Verteilung der Mehrkosten. Wenn das Land und die Stadt die Mehrkosten nicht mittragen wollen, sollte sich der Bund überlegen, ob er die Vertragstreue der Projektpartner einklagt“, sagte Barthle der „Rheinischen Post“ vom Mittwoch. „Es geht nicht, dass das Land und die Stadt einseitig erklären, sie wollten nicht mehr zahlen“, sagte der CDU-Politiker.

Aus Sicht von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) könnte Stuttgart 21 ein noch größeres Desaster werden als der neue Berliner Flughafen BER. „Noch ist kein Meter der rund 60 Kilometer langen Tunnel gebohrt, aber S 21 ist bereits fast doppelt so teuer wie der Berliner Flughafen. Der Flughafen ist ein relativ einfaches, überirdisches Gebäude; S 21 ist ein hochkomplexes Tunnelbauwerk in schwierigsten Gesteinsformationen“, sagte Hermann der „Zeit“ vom Donnerstag. „Ich sehe die Gefahr, dass Stuttgart 21 am Ende das Desaster in Berlin eher klein erscheinen lässt.“

An der Zukunft des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 kommen immer neue Zweifel auf. Wegen der Kostenexplosion bei dem Prestigevorhaben gerät die Bahn nun auch beim Bund immer stärker unter Erklärungsdruck. Der Eigentümer verlangt genauere Angaben, wie der Konzern Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro stemmen will, ehe der Aufsichtsrat grünes Licht geben kann. Vorerst fehle dafür die Basis. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betonte zugleich, der Bund stehe zum Projekt. In einem Dossier des Ministeriums für einen Workshop des Bahn-Kontrollgremiums am Dienstag wurden zahlreiche kritische Punkte aufgelistet.

dpa

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