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2G-Option im Supermarkt schon in zwei Bundesländern: Regel spaltet - Kubicki sieht Impfzwang

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Von: Andreas Schmid

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2G Regel und Wolfgang Kubicki
In Hessen und Niedersachsen ist die 2G-Regel auch im Supermarkt möglich. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki kann das nicht verstehen. © Bihlmayerfotografie/Imago//Martin Schutt/dpa (Montage)

Bekommen bald nur noch Corona-Geimpfte und Genesene Lebensmittel im Supermarkt? Das 2G-Modell im Einzelhandel sorgt für Kritik - auch von Karl Lauterbach.

Wiesbaden/Hannover - Hessen und Niedersachsen haben ihre 2G-Pläne mittlerweile auf den gesamten Einzelhandel ausgeweitet. Heißt: Auch in Supermärkten können die Betreiber nur Geimpfte und Genesene hereinbitten. Setzt ein Supermarkt auf 2G, fallen Abstandsregeln und Maskenpflicht weg. Die Entscheidung ist freiwillig und liegt damit allein beim Unternehmen, weswegen die Anwendung in der Realität weitaus weniger oft zum Tragen kommt - aber dennoch polarisiert.

2G im Supermarkt: „Wenn das kein Impfzwang ist, was ist es dann?“

FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat die 2G-Pläne deutlich kritisiert. „Der Weg, den sowohl die hessische als auch die niedersächsische Landesregierung eingeschlagen haben, hat nichts mehr mit einer sinnvollen Pandemiebekämpfung zu tun“, sagte er gegenüber der Bild. Ohnehin seien „besondere Infektionsgefahren beim Einkaufen noch nie ein Thema gewesen“. Umfassende Erkenntnisse zum Thema sind rar. Eine Studie zur Infektionsgefahr an verschiedenen Orten hatte etwa ergeben, dass das Risiko in Theatern geringer ist als im Supermarkt. Voraussetzung: Abstand und Maskenpflicht.

Mit Blick auf die beiden Ministerpräsidenten sagte Kubicki: „Volker Bouffier (Hessen/CDU) und Stephan Weil (Niedersachsen/SPD) müssen die Frage beantworten, wo die nicht-geimpften Menschen im Zweifelsfall einkaufen sollen, wenn Supermärkte in erreichbarer Nähe diese unmenschliche Regelung umsetzen. Wenn das kein Impfzwang ist, was ist es dann?“ Es sei „offensichtlich, dass die epidemische Gefahr von Tag zu Tag geringer wird, weil die Impfquote immer weiter steigt“. Bouffier hatte bereits gesagt, er gehe davon aus, dass Supermärkte eher keinen Gebrauch von dem Optionsmodell machen.

2G in Supermärkten: RKI verweist auf Corona-Stufenplan

Das Robert Koch-Institut hat vor Kurzem eine Broschüre veröffentlicht, in der es schreibt: „Das Virus verbreitet sich derzeit hauptsächlich unter Ungeimpften.“ Dementsprechend sei 2G sicherer als 3G, also ein Modell, in dem auch auf das Coronavirus getestete Personen vorkommen. Gegenüber Merkur.de will sich das RKI nicht zur Lage in Supermärkten äußern, man kommentiere keine einzelnen Settings. Eine Sprecherin verweist auf einen vom RKI erstellten Stufenplan.

In diesem Positionspapier gibt das RKI Empfehlungen zu den einzelnen Maßnahmen. Sie sind in drei Stufen unterteilt. In der Basisstufe ist die Corona-Lage weitgehend unter Kontrolle. Es sind wenige Menschen hospitalisiert und die Inzidenz liegt bei weniger als 35 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. In Stufe eins beträgt die Inzidenz 35 bis 100, in Stufe zwei mehr als 100. Die Inzidenz ist nicht die einzige Kategorie zur Einstufung. Bezogen auf den Einzelhandel schreibt das RKI nun von einem einfachen Schutzkonzept. Es reiche in der Basisstufe sowie in Stufe eins aus. Verschärft sich die Corona-Lage massiv, kann auch ein 3G-Konzept zum Tragen kommen. Von einem 2G-Modell ist nicht die Rede.

2G in Supermärkten: Keine flächendeckende Einführung zu erwarten - auch Lauterbach dagegen

Dass 2G flächendeckend in Supermärkten eingeführt wird, ist daher nicht zu erwarten. Für vier von fünf Handelsbetrieben in Hessen ist das 2G-Modell einer Umfrage derweil ohnehin keine Option. Für die hessische Supermarktkette Tegut ist 2G nach eigener Darstellung aktuell „kein Thema“. Man sehe nicht die Notwendigkeit an den Hygienekonzepten der Märkte etwas zu ändern. „Wenn sich jemand - aus welchen Gründen auch immer - nicht impfen lassen möchte, bleibt er ein Teil unserer Gesellschaft und darf nicht beim Lebensmitteleinkauf ausgegrenzt werden“, sagte ein Sprecher in Fulda. Auch die Edeka-Märkte bleiben „weiterhin für alle Kundinnen und Kunden offen“, teilte deren Zentrale in Hamburg mit. Andere Supermarktketten sind ebenfalls dagegen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bewertet 2G in Supermärkten ebenso kritisch. „Der Zugang zu Grundnahrungsmitteln und anderen Produkten zur Grundversorgung muss allen Menschen offenstehen, auch Ungeimpften“ sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er halte eine Einschränkung für „äußerst problematisch“. Mit der Maskenpflicht gebe es eine sichere Alternative. Mit Ausnahme der Supermärkte befürwortete er aber 2G im Einzelhandel. „Wenn Einzelhändler 2G durchsetzen, könnten sie Menschen ohne Maske ins Geschäft lassen. Das halte ich für sicher“, sagte Lauterbach.

Ein Statement der Handelskette Kaufland lässt derweil erahnen, ob die 2G-Regel im Einzelhandel umgesetzt wird. (as)

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