Swing States in den USA (basierend auf aktuellen Umfragen 20.08.2020)
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Die Swing States definieren sich durch ihre relative Unvorhersehbarkeit. Sie tendieren mal zum einen, mal zum anderen Lager (Grafik vom 20.08.2020).

Die Zünglein an der Waage

Swing States der US-Wahl: Bedeutung des Begriffes - hier geht es bei Trump und Biden um alles

Als Swing States oder auch Battleground States werden jene US-Bundesstaaten bezeichnet, die weder traditionell demokratisch noch republikanisch wählen. Auf diese fokussiert sich der Wahlkampf – und sie entscheiden letztendlich maßgeblich über den Ausgang einer US-Wahl. Welche Staaten gelten als Swing States und wie wichtig ist ihre Wahlentscheidung?

  • Bis zum Schluss ist die Wahlentscheidung in den Swing States relativ offen.
  • Beide Präsidentschaftskandidaten der USA rechnen sich dort Chancen auf den Sieg aus.
  • Zu den „unentschiedenen“ US-Bundesstaaten zählen bei jeder Wahl andere – einige sind traditionell wechselnd, andere überraschend.

Washington, D.C. – Der Ausgang einer US-Wahl ist in vielen Staaten vorhersehbar, denn diese lassen sich eindeutig in „Red States“ mit einer republikanischen und „Blue States“ mit einer demokratischen Mehrheit einteilen. Und dann sind da noch die Swing States.

Die Swing States: Definition und ihre Bedeutung für die US-Wahl

Die US-Amerikaner stimmen nicht direkt für einen Präsidenten. Das übernehmen die Wahlmänner. In den verschiedenen Bundesstaaten variiert deren Anzahl stark, abhängig von der Bevölkerungsdichte. Insgesamt 538 Wahlmänner bilden das Electoral College, das Wahlmännergremium.

Dabei gilt in fast allen Bundesstaaten „The Winner takes it all“: Der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem Bundesstaat gewinnt alle Wahlmänner für sich – und diese müssen für den Gewinner stimmen.

Ausnahmen bilden Maine (vier Wahlmänner) und Nebraska (fünf Wahlmänner). Nur zwei werden nach dem „Winner“-Prinzip vergeben, die übrigen mit relativer Mehrheitswahl bei der Wahl des Repräsentantenhauses gewählt.

Die Swing States definieren sich durch ihre relative Unvorhersehbarkeit. Sie tendieren mal zum einen, mal zum anderen Lager. Das macht sie zu den Schwerpunkten des US-Wahlkampfs: Es gilt für beide Kandidaten, ihre Stimmen für sich zu gewinnen. Für einen Wahlsieg muss ein US-Präsidentschaftskandidat wenigstens 270 der 538 Wahlmänner hinter sich versammeln. Die Swing States weisen sehr unterschiedliche Wahlmännerzahlen auf – einige von ihnen könnten die Wahl aufgrund einer hohen Anzahl entscheiden.

Swing States: Was hat es mit den Farben Blau, Rot und Lila auf der Karte der USA auf sich?

Als rote und blaue Staaten werden die US-Bundesstaaten abhängig von ihren politischen Mehrheiten bezeichnet. Rote Staaten bilden bei der US-Wahl aller Voraussicht nach eine Mehrheit für den republikanischen Präsidenten, im Jahr 2020 für Donald Trump. In den blauen Staaten herrschen die Demokraten mit dem 2020er-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden vor.

Die US-Westküste ist „blau“ dominiert, ebenso der Nordosten. In den südlichen Staaten, im Norden, den sogenannten Mountain States entlang der Rocky Mountains und im Mittleren Westen haben die „Roten“ Mehrheiten. Die Parteifarben findet man auch auf den grafischen Darstellungen der US-Karte. Hier zeigen sich deutliche regionale Schwerpunkte.

Staaten, die keine eindeutigen Mehrheiten zu einer Partei aufweisen – die Swing States –, werden auf der Karte mit der Farbe Lila dargestellt – einer Mischung aus Rot und Blau.

Swing States: Welches sind traditionelle Blue States in den USA?

In zahlreichen Bundesstaaten sind, anders als in den Swing States, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen keine Überraschung. Traditionell gewinnen die Wahlmänner der Demokraten in eher städtisch geprägten Staaten, in denen größere Anteile ethnischer Minderheiten leben:

  • Kalifornien
  • Oregon
  • Washington
  • Minnesota
  • Wisconsin
  • Michigan
  • Illinois
  • Hawaii
  • Pennsylvania
  • Rhode Island
  • Vermont
  • Maryland
  • Massachusetts
  • Connecticut
  • New York
  • New Jersey

Eine Sonderrolle nimmt Washington, D.C. ein: Der Hauptstadt-Distrikt ist kein eigener Bundesstaat, bestimmt aber dennoch einige Wahlmänner, im Jahr 2020 drei. Seit 1992 setzte sich in der US-Hauptstadt bei jeder Präsidentschaftswahl der demokratische Kandidat durch.

Swing States: Traditionelle politische Mehrheiten für die Republikaner – die Red States

Starke rote Staaten in der Geschichte der USA zeichnen sich zum großen Teil durch einen hohen Anteil ländlicher Gebiete aus:

  • Alaska
  • Idaho
  • Kansas
  • Nebraska
  • Oklahoma
  • North & South Dakota
  • Utah
  • Wyoming
  • Alabama
  • Mississippi
  • South Carolina
  • Texas

Aufgrund verschiedener Faktoren wie einer sich verändernden Bevölkerungsstruktur werden jedoch auch rote Staaten mitunter zu Swing States.

Swing States: Faktoren für switchende Wählerstimmen

Die roten und blauen Staaten wählen nicht zwangsläufig bei den Wahlen ihren traditionellen Farben auf der Karte der USA entsprechend: Ein Safe State kann durchaus zum Swing State werden, was von verschiedenen Bedingungen abhängt:

  • der Persönlichkeit des Senatskandidaten
  • dem Präsidentschaftskandidaten
  • lokalen politischen und sozialen Gegebenheiten
  • Veränderungen in der demografischen Struktur

Die Parteien passen ihre Senatskandidaten zudem häufig auf die vorherrschende politische Ausrichtung an. Die Demokraten stellen in Red States oftmals sehr konservative Kandidaten auf, um bessere Chancen zu haben, die Republikaner hingegen gemäßigtere.

Die Swing States der Wahl 2016

Das US-Wahlanalyse-Portal FiveThirtyEight identifizierte bei der US-Wahl 2016, in der Hillary Clinton gegen Donald Trump verlor, zwölf Swing States:

  • Colorado
  • Florida
  • Iowa
  • Michigan
  • Minnesota
  • Nevada
  • New Hampshire
  • North Carolina
  • Ohio
  • Pennsylvania
  • Virginia
  • Wisconsin

Damit verloren Bundesstaaten wie Minnesota und Wisconsin ihre demokratische Mehrheit. In Wisconsin zum Beispiel gewann Donald Trump mit einer verschwindend geringen Minderheit von 0,77 Prozent der Stimmen – dieser Bundesstaat war damit ein Zünglein an der Waage für den Ausgang der US-Wahl 2016.

Swing States: Beispiele für ihre Bedeutung

Andere Staaten stehen regelmäßig auf der Liste der Swing States. Dazu gehört etwa Ohio mit seiner Mischung aus städtischen und ländlichen Gebieten. „Wer Ohio gewinnt, zieht ins Weiße Haus ein“ – das geflügelte Wort hat sich in den vergangenen US-Wahlen bewahrheitet. Der letzte Präsident, der eine Niederlage in Ohio in Kauf nehmen musste, war John F. Kennedy.

Auch Florida ist ein traditionell „schwankender“ Bundesstaat – und stellt mit 29 Wahlmännern nach Kalifornien und Texas gemeinsam mit New York die meisten.

Im Wahljahr 2016 profitierte Donald Trump stark von den Erfolgen in Florida, Pennsylvania und Ohio – und gewann die Wahl, obwohl die Gegenkandidatin Hillary Clinton die meisten Umfragen in den Swing States für sich entschied.

Wie wichtig Florida ist, zeigt das Beispiel der US-Wahl 2000. George W. Bush lag im „Sunshine State“ so knapp vor Al Gore, dass eine Nachzählung der Stimmen notwendig war. Letztlich entschieden 537 Wählerstimmen und damit 29 Wahlmänner aus Florida über Bushs Präsidentschaft.

Swing States 2020

Alte Bekannte sind auf der Liste der Swing States 2020 wieder dabei. Doch es gibt auch Überraschungen – vor allem eine. Die New York Times stellte Ende September 2020 die Swing States 2020 vor:

  • Texas
  • Michigan
  • Minnesota
  • Nebraska
  • New Hampshire
  • Pennsylvania
  • Wisconsin
  • Nevada
  • Arizona
  • Florida
  • Iowa
  • Ohio
  • Georgia
  • Maine
  • North Carolina

Texas wählte letztmalig 1976 demokratisch. Im Wahljahr 2020 hat sich das offenbar geändert und der „Lone Star State“ könnte abermals von den Demokraten gewonnen werden. Verschiedenen US-Medien zufolge ist die traditionelle Republikaner-Hochburg unter anderem aufgrund ihrer wachsenden multikulturellen Bevölkerungsstruktur Swing-Kandidat – und dort entscheiden 38 Wahlmänner über das Präsidentschaftsamt. Mehr hat nur das demokratisch orientierte Kalifornien, nämlich 55. Wie die Chancen für die beiden Kandidaten dieses Jahr in den Swing States stehen, zeigt Ihnen unser Artikel zu den aktuellen Zahlen der Umfragen.

Swing States: Die Bedeutung des Super Tuesday

Bei den US-Vorwahlen wird der Spitzenkandidat der Partei bestimmt. Auch dabei wird nicht direkt gewählt. Vielmehr votieren stimmberechtigte Delegierte für den favorisierten Kandidaten. Über die Delegierten entscheiden die Wähler, die sich für die Vorwahlen registriert haben.

In zahlreichen Bundesstaaten finden die Vorwahlen Anfang März des Wahljahres statt. In der Regel sind auch die wahlmännerstarken Staaten Kalifornien und Texas dabei. Der Tag wird in den USA als „Super Tuesday“ bezeichnet. 2020 fand er am 3. März statt.

Der „Super Tuesday“ gilt als Tendenzbarometer für alle Bewerber – und nicht nur der Präsidentschaftskandidat steht anschließend fest. Die Partei mit den meisten Stimmen hat auch bei der Wahl gute Chancen, die jeweiligen Wahlmänner für sich zu gewinnen. Am 3. März 2020 gewann Joe Biden in Texas. So wurde der vormals republikanisch geprägte Bundesstaat zum Swing State.

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