Humorvolle Verhaltensregeln

"Smartphone-Besitz verboten!": Syrer schreibt, wie man zum idealen Flüchtling wird

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Berlin - Mit nur 23 Jahren musste Khaled aus Damaskus nach Deutschland fliehen. Nach sechs Monaten Aufenthalt, weiß er, wie hier der Hase läuft. Und hat "Verhaltensregeln" zusammengestellt, die wohlgemerkt nicht ernstgemeint sind.

Seit sechs Monaten lebt Khaled (23) nun schon in Deutschland in einer Flüchtlingsunterkunft - er wartet in Berlin noch immer auf seine Erstregistrierung. Für die Nachrichtenseite Krautreporter schrieb der Student aus Damaskus über sein neues Leben in Deutschland. Dabei hat er einiges über unser Land gelernt, die Sitten und Gebräuche. Um auch anderen Flüchtlingen bei der Integration zu helfen, hat er eine Liste geschrieben, wie man sich hier so zu verhalten hat. Beziehungsweise das, was anscheinend einige gesellschaftliche Gruppen an Verhalten von Flüchtlingen erwarten.

Um das noch mal zu betonen: Es sind KEINE ernstgemeinten Verhaltensregeln. Vielmehr nimmt er damit den Gegenwind aufs Korn, der vielen Flüchtlingen in Deutschland begegnet. Und Humor und Überspitzung ist für ihn der richtige Weg.

"Ein Smartphone zu haben, ist für Flüchtlinge verboten"

Der erste und wohl wichtigste Punkt auf der Liste: Besitze kein Smartphone.

"Niemandem, der einem Bürgerkrieg entkommen ist, sollte es wichtig sein, ob er ein brandneues Smartphone oder ein Billighandy hat", schreibt Khaled. "Er ist vor Bomben und Massakern geflüchtet, also sollte er sich ausschließlich um sein Überleben sorgen. Ein Smartphone zu haben, ist für Flüchtlinge verboten."

Immer wieder wird von mehr oder weniger besorgten Bürgern festgestellt und angeprangert, dass Flüchtlinge ihre Handys oder Smartphones mit nach Deutschland bringen. Schließlich könne es niemandem schlecht gehen, der ein Handy besitze, so das gebetsmühlenartig wiederholte Argument. Dass das Handy häufig die einzige Verbindung in die Heimat und - vollgepackt mit Fotos - die einzige Erinnerung an geliebte Menschen darstellt, vergessen dabei viele. Hier können Sie übrigens nachlesen, wie viel Wahrheitsgehalt die meisten Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen haben.  

Ebenso wichtig, wie der erste Punkt ist für Khaled auch der zweite: Trage zerrissene Kleidung.

"Hochwertige Anziehsachen sind verboten"

Jeder Flüchtling sollte sich an diesen Grundsatz halten, meint Khalded ironisch. "Hochwertige, modische Anziehsachen sind für Flüchtlinge unzulässig. Diese Art von Kleidung ist für sie nicht angemessen." Auch wenn tausende Deutsche ihre Keller und Speicher geplündert haben, um für Flüchtlinge anständige, warme und saubere Kleidung zu Spenden: Tragen die Flüchtlinge diese Kleidung dann, ist es einigen auch wieder nicht recht.

Als weitere wichtige Regel nennt Khaled: Warte geduldig. 

"Wenn du ernsthaft krank wirst, weil du 36 Stunden in der Schlange gestanden hast, um Geld von der Sozialhilfe zu bekommen: Frag nicht, warum. Sei nicht sauer und fluche nicht auf die Regierung. Sag einfach 'Danke', lächele und verhalte dich brav", schreibt Khaled an den fiktiven Mit-Flüchtling, der noch nicht verstanden hat, wie es hier in Deutschland zu laufen hat.

Mit seinen nicht ganz ernstgemeinten Regeln stellt Khaled den Alltag von Flüchtlingen in Deutschland auf recht witzige Art und Weise dar, das Lachen bleibt einem an mancher Stelle allerdings im Halse stecken.

Die vollständige Liste mit zehn Verhaltensregeln gibt es bei krautreporter.de oder in englischer Sprache auf der Homepage von Khaled zum Nachlesen.

Vanessa Fonth

Rubriklistenbild: © dpa

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